10.03.2012

Mal wieder nichts Schönes

Was haben die an der Uni bloß geraucht? Auf einmal sind alle Dozenten voll die Referat-Fans. In den letzten fünf Wochen habe ich schon drei Referate halten müssen, am kommenden Dienstag bin ich wieder dran. Und alle sagen: „Das ist doch gut, nur durch Übung wirst du deine Angst überwinden, das ist doch ganz wichtig, später wenn du einen Job hast, musst du bestimmt auch Sachen präsentieren, blablabla…“
Klar. Sie haben bestimmt Recht. Aber fast jede Woche ein Referat, ist das nicht ein bisschen zu viel des Guten? (Na ja. „Guten“.) Ich habe keine Lust mehr. Und weniger Angst hab ich auch noch nicht. Letzten Mittwoch hatte ich dieses Referat über den Film, ich hatte am Dienstag schon Magenschmerzen und hab den ganzen Mittwoch gezittert wie Espenlaub. Und dann hab ich fünfundzwanzig Minuten geredet. Irgendwie lustig, weil ich überhaupt nur zehn Minuten zu reden brauchte. Also, wenn ich einmal da stehe und rede, dann geht’s eigentlich. Nur dass ich vorher immer das Gefühl habe, gleich kotzen zu müssen.

Wenn wir schon mal beim Kotzen sind, letzten Dienstag hat mir im Zug ein unbekannter Kerl über das Bein gekotzt. Sehr schön. Ich weiß nicht, ob er betrunken oder ob ihm einfach nur schlecht war, aber das tut ja eigentlich auch nicht zur Sache. Wiiiiderlich. Zum Glück hatte ich Taschentücher und eine Wasserflasche dabei, sodass ich dann sofort meine Hose reinigen konnte. Es war auch nur ein kleiner Fleck, knapp unterm Knie, aber das war schon schlimm genug. Er hat auch gar nicht auf mich gezielt (ugh. Gezielt kotzen), sondern auf den kleinen Mülleimer, sonst hätte er mir wahrscheinlich in den Schoß gekotzt.
Okay, lassen wir das Thema, bevor ich mich jetzt auch noch erbrechen muss.

Und was ist sonst noch Schönes passiert? Rein gar nichts. Ich habe die Band verlassen – das war scheiße, denn eigentlich haben sie mich „gezwungen“. Das heißt, angeblich bin ich dran schuld, dass wir in den letzten Monaten nur dieselben sechs Songs geprobt haben, und der Gitarrist möchte nicht länger mit mir in einer Band sein. Er hat fast wortwörtlich gesagt: „Wenn du nicht gehst, gehe ich.“ Na, dann hatte ich auch nicht wirklich eine Wahl.

Gleichzeitig habe ich mich die ganze Woche so benommen, als würde es mir total gut gehen. Ich habe gelacht, Witze erzählt, Gespräche geführt und meine Hausaufgaben erledigt. Gestern hat sich dann die Traurigkeit vernachlässigt gefühlt und ich bin fast wieder in Tränen ausgebrochen. (Es hat mir eine ganze halbe Stunde gekostet, mir das niederländische Wort für „vernachlässigen“ ins Gedächtnis zu rufen… Wow.)
Weil ich in der realen Welt mehr schlecht als recht zurechtkomme, verbringe ich die wenigen freien Stunden in der Welt von RuneScape. Ja, ich weiß. Traurig. Aber momentan macht mir das mehr Spaß als die wirkliche Welt und das Spiel fegt die ganzen Gedanken aus meinem Kopf. Das brauche ich jetzt.

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04.03.2012

Atemnot

Es tut mir leid, dass ich mich nicht so oft melde – ich finde nur überhaupt keine Zeit dazu. Für nächste Woche muss ich:
  • Zwei Novellen lesen
  • Einen Film schauen + Referat drüber halten
  • Einen 400-Wörter-Text zu einem bescheuerten Thema schreiben
  • Statistik-Hausaufgaben
  • Sechs oder sieben Kapitel aus verschiedenen Studienbüchern lesen (je zwanzig bzw. dreißig Seiten)
  • Zwischendurch auch noch mal essen, schlafen und aufs Klo
Das Studienbücher-Lesen verschiebe ich meistens auf später, das heißt, ich muss von den letzten drei Wochen auch noch die ganzen Kapitel lesen. Vor allem in Psychologie, die in Deutsch hab ich meistens erledigt. Manchmal frage ich mich, was in mich gefahren ist, als ich mich für zwei Studiengänge gleichzeitig entschieden habe. Wie der Titel dieses Eintrags schon verrät, ab und zu gerate ich in Atemnot. Wenn ich mir nicht hin und wieder ein bisschen Faulheit gönnen würde, wäre ich jetzt schon völlig abgedreht.

Wie an diesem Wochenende. Oder eher, am Freitag und am Samstag. Und am Donnerstag ja auch, als ich mit der Freundin unterwegs war. Was übrigens recht schön und genauso lustig und locker und einfach toll war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Am Freitag kam dann Andy zu mir und wir haben den ganzen Nachmittag vorm Fernseher gehockt und Filme geguckt. American Beauty, weil ich den noch nicht gesehen hatte und Andy das für absolut notwendig hielt; dann The Emperor’s New Groove (Wikipedia sagt, dass der Film auf Deutsch „Ein Königreich für ein Lama“ heißt, was ich persönlich total lustig finde) und schließlich My Own Private Idaho, weil verschiedene Leute mir geraten hatten, den Film zu schauen, und das haben wir dann auch gemacht. Ein wunderschöner Film, allerdings ein wenig absurd. ;)

Am Samstag kam dann mein Papa aus Vietnam wieder nach Hause, ich bin kurz in die Bibliothek gegangen, um mir den Film auszuleihen, über den ich nächsten Mittwoch mein Referat halten muss, und dann habe ich erneut den Mittag vorm Fernseher verbracht, diesmal jedoch mit meinem Papa. Wir haben uns zum tausendsten Mal die BBC-Serie „Pride and Prejudice“ (Stolz und Vorurteil) angeschaut. Mit Jennifer Ehle und Colin Firth, der übrigens mein Lieblingsschauspieler ist, vielleicht neben Benno Fürmann. (Ja, ein deutscher Schauspieler!) Eine Lieblingsschauspielerin habe ich gar nicht. Oder es müsste Emma Thompson sein, weil sie eine tolle Stimme hat.
Egal. Punkt ist, dass ich an den drei Tagen kaum was für die Uni gemacht habe und das jetzt zu spüren bekomme. Ich hab morgen von neun bis fünf Vorlesungen und Seminare und weiß ich was, dann um zehn nach acht noch eine Stunde Bandprobe und ich. drehe. durch. Bitte erinnere mich nächstes Mal dran, keine drei Tage zu faulenzen… Einen, okay. Geht. Aber drei sind zu viele. Zu viele, hörst du! (Selbstgespräch. Ich bin eindeutig zu gestresst.)

Gute Nacht, schöne Träume!
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27.02.2012

Fräulein Fröhlichkeit

Heute einfach mal nichts Philosophisches, nichts Genervtes, nichts Frustriertes, nichts über Ängste und solche Sachen. Heute will ich wirklich nur glücklich sein und mich freuen.

Eigentlich würde ich am Donnerstag mit einer Freundin auf ein Konzert gehen, nur hat die Band leider abgesagt. Blöde Kanadier. Sie werden es natürlich irgendwann nachholen, aber ziemlich scheiße war es trotzdem, denn wir (die Freundin und ich) hatten uns schon riesig gefreut, uns wiederzusehen. Sie lebt nämlich am anderen Ende des Landes. Auch wenn die Niederlande gar nicht so groß sind, ist der Abstand etwas unpraktisch.
Auf jeden Fall fanden wir dann am Sontag heraus, dass die Band abgesagt hat. Und dann waren wir erstmals richtig enttäuscht, bis wir meinten, dass wir uns auch ohne Konzert einfach treffen können. Das heißt: am Donnerstag sehen wir uns wieder, das letzte Mal war soweit ich mich erinnere auf ihrer Geburtstagsparty im letzten Mai. Ich freue mich schon.
Dementsprechend hatte ich den ganzen Tag gute Laune und bin mit einem riesengroßen Lächeln aufm Gesicht an die Uni gegangen, wo sich dann alle gewundert haben, dass ich so gut drauf war. Was übrigens an meiner Laune nichts ändern konnte. Ich hatte fast schon vergessen, wie gut sich sowas anfühlt, sich einfach mal auf und über etwas zu freuen und schon beim Gedanken daran glücklich zu sein. Vielleicht ist es wirklich auch, weil der Frühling kommt. ;) Sogar die ganzen Hausaufgaben konnten mir heute den Tag nicht verderben.
Uuuund wir haben endlich wieder eine eigene, wirklich funktionierende Dusche! Das Bad ist zwar noch nicht ganz fertig, es fehlen noch die Türen der Duschkabine, deswegen noch kein Bild, aber wir können schon duschen! Nur müssen wir nachher das ganze Wasser aufwischen…

Stattdessen ein Bild meiner Katze, einfach weil Grover mal wieder unheimlich süß war und ich ihn liebe. Und dann lege ich mich schlafen. Schöne Träume! <3

Das ist das Band an meiner Kamera, mit dem er spielt. ;)
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23.02.2012

You’ve got to do your own growing

You’ve got to do your own growing, no matter how tall your grandfather was.
(Irisches Sprichwort)

In meinem Fall wäre es wohl mein Vater, der in dem Sprichwort eine Rolle spielt. Mein Großvater war gar nicht so groß. Obwohl, jetzt wo ich diese Sätze geschrieben habe, frage ich mich, ob es nicht eigentlich egal ist, wie groß der Großvater ist.

Auch egal.
Ich wollte diesen Eintrag eigentlich gestern schon schreiben, das hatte ich mir in aller Scheißfrüh vorgenommen und als ich um 17 Uhr endlich aus dem Seminar fliehen konnte, hatte ich es schon wieder vergessen. Ich wusste nur noch, dass ich etwas schreiben wollte.
Februar hat mir bis jetzt alles andere als gut gefallen. Das neue Semester frisst meine Zeit schneller als die Katzen ihr Futter (und das will was heißen, vor allem bei Lotje). Vor allem in Deutsch scheinen die Lehrer davon überzeugt zu sein, dass man nie genug Hausaufgaben haben kann. Auf meinem Notizblock steht schon seit eigenen Tagen der Satz: „Wenn du heute brav bist, bekommst du morgen noch mehr Hausaufgaben!“ Ich verbringe meine Tagen an meinem Laptop, Referate übend, Informationen suchend, Essays ohne Ende schreibend.

Aber darüber wollte ich heute gar nicht reden. Ich müsste mich jetzt zwar eigentlich meinen Statistikaufgaben widmen, wie an jedem Donnerstag, aber mir ist grade wieder eingefallen, was ich schreiben wollte. Also.

Im April werde ich siebzehn Jahre alt. Früher, als ich elf bzw. zwölf war, waren die Figuren in meinen Geschichten immer siebzehn Jahre alt. Das Alter eignete sich perfekt für viele Arten von Geschichten, zumindest, das glaubte ich damals: erwachsen doch jugendlich, mit dazugehörender Unsicherheit, emotionaler Instabilität und ganz viel Drama. In zwei Monaten bin ich genauso alt. Ein komischer Gedanke.
Ich kann keine Geschichten über mich selbst schreiben, oder über eine Figur, die mir sehr ähnlich sieht. Ich hab es mal versucht und bin kläglich gescheitert; die Geschichte kann ich bis heute nicht mehr sehen. In meinen Geschichten brauche ich immer einen Helden oder eine Heldin, und ich bin keine. Nicht unbedingt ein Held wie Herkules oder so, nein, aber auf jeden Fall eine Figur, die überzeugen kann. Die glaubwürdig ist, von der man sagen kann, dass diese Person wirklich die und die Sachen machen würde, wenn man ihr im wirklichen Leben begegnen würde. Ich bin keine.

Obwohl ich inzwischen, hoffentlich, weniger naiv bin als damals mit zwölf, hab ich immer noch dieses Bild vom Älterwerden. Siebzehn hört sich für mich immer noch „erwachsen“ an. Fast achtzehn, fast offiziell volljährig, fast selbständig, fast dies, fast das – direkt an der Grenze zum Erwachsensein. Im Gespräch mit Andy, meinem besten Freund, sagte er: „I feel younger than I should.“ Andy ist knapp sechs Monate älter als ich, und der Satz trifft auch genau auf mich zu.
Ich hab das Gefühl, dass ich in den letzten zwei Jahren irgendwie seriöser geworden bin, ich denke öfter über die willkürlichsten Sachen nach, ich bin zwar offener aber gleichzeitig auch stiller geworden. (Macht das überhaupt Sinn?) Ich lache nicht mehr so oft und wenn schon, dann frage ich mich nachher sofort wieso eigentlich. Mit Andy rumalbern und über Nichts reden und doofe Witze erzählen – das machen wir nur noch ganz selten. Andy hat richtig mit der Schule und mit sich selbst zu kämpfen, ich ertrinke momentan in den Uni-Aufgaben und irgendwie haben wir beide nie richtig Lust dazu, loszulachen.
Was jetzt das Sprichwort damit zu tun hat… Ich bin noch gar nicht dazu bereit, siebzehn zu werden. Ich fühle mich zu jung dafür. Das macht irgendwie gar keinen Sinn, aber so ist es. Ich fühle mich noch zu jung, um siebzehn Jahre alt zu sein. Nun ist siebzehn eigentlich gar nicht so alt und ich weiß auch, dass es blöd ist zu glauben, dass Leute mit siebzehn total erwachsen sind, aber ich werde trotzdem dieses Gefühl nicht los. „You’ve got to do your own growing, no matter how tall your grandfather was.“ Ich hab einfach noch zu viel „growing“ zu tun.

(Und heute vor genau zwei Jahren war ich beim Tokio-Hotel-Konzert. Wie die Zeit vergeht…)

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