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03.09.2013

Katzenskelett

Ich war im Stress, tut mir leid, dass ich mich nicht gemeldet habe. In den letzten Wochen war ich damit beschäftigt, das Chaos in meinem Zimmer zu beseitigen, außerdem habe ich mich mit Freunden getroffen und meiner Mama geholfen, das mit der Katze auf die Reihe zu kriegen.

Wir kriegen aber nichts auf die Reihe.

Vor einer Stunde kam Mama zu mir ins Zimmer und meinte, wir müssten mal über die Katze reden. Morgen fahren meine Eltern mit Grover zum Tierarzt – bis jetzt haben wir ihn jeden Tag ganz brav mit dem Insulin versorgt, aber es bringt nichts. Der Blutzuckerspiegel ist zu hoch, er nimmt nur noch ab und auch wenn er nicht länger ständig miaut, weil er Hunger hat, geht es ihm beschissen. Er wiegt nur noch 2,5 Kilo. Der Tierarzt meinte, das Gewicht eines Katzenskelettes beträgt durchschnittlich zwei Kilo. Das heißt, seine komplette Muskulatur wiegt nur noch ein halbes Kilo. Meine Katze besteht aus Skelett und Fell, sonst nichts.
Es gibt eine letzte Möglichkeit, eine letzte Erklärung dafür, dass das Insulin nicht funktioniert, denn es könnte so sein, dass er die falsche Art von Insulin bekommt. Anscheinend gibt es zwei Varianten. Ich frage mich aber, wieso es der Tierarzt nicht schon vorgeschlagen hat, die zweite Variante mal auszuprobieren. Hat er einfach nicht daran gedacht? Oder meint er, auch das wird nichts bringen?

Mama hat mich gefragt, ob ich es sofort wissen will, wenn sie und Papa sich dafür entscheiden, die Katze einschläfern zu lassen, oder ob ich es erst erfahren möchte, nachdem es schon passiert ist. Meine Antwort bestand daraus, dass ich in Tränen ausbrach.

Wenn ich hier irgendwann hinschreibe, er ist tot, dann wisst ihr, wen ich damit meine.


(Ich verspreche aber, dass mein nächster Eintrag etwas fröhlicher sein wird. Ich gebe mir Mühe, ich weiß schon, worüber ich schreiben möchte, aber es wird vielleicht noch ein wenig dauern, weil mir nach diesem Gespräch mit meiner Mama nicht mehr danach ist.)
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18.07.2013

Atelophobie

Heute kommt er endlich, ziemlich verspätet, aber (wie ihr sehen werdet) immer noch relevant: mein Eintrag über Pinkpop.

Die Musik war super. Meine persönlichen Highlights waren Thirty Seconds To Mars, Green Day und Puggy. Außerdem fand ich Paramore richtig gut und ich glaube, ich werde mir mal ein Album von The Killers kaufen. Und ich hab die Autogramme von Thirty Seconds To Mars. Ich hab mich eigentlich immer gefragt, was denn an Autogrammen so toll ist, aber ich verstehe es jetzt. Es ist irgendwie ein Beweis dafür, dass es diese Leute tatsächlich gibt, dass diese Band nicht bloß Beats aus einem Computer sind, sondern Künstler, die man treffen kann und mit denen man reden könnte, wenn sie nicht ständig auf Trab wären.

Ein Festival ist etwas ganz anderes als ein „normales“ Konzert. Ich habe jetzt entdeckt, dass ich so eine Festivalwiese bevorzuge, weil es einfach viel freier ist. Die Luft wird nie stickig, man kann sich immer irgendwo hinsetzen und trotzdem noch die Musik hören, es gibt große Bildschirme, sodass man auch noch etwas sehen kann, wenn man nicht in den ersten drei Reihen steht, und man kann die Sonne genießen, zumindest wenn sie scheint. Und wir hatten richtig schönes Wetter. Geregnet hat’s nur einmal und ganz kurz, und dann gab es einen Regenbogen. :D

Was mich aber noch mehr beeindruckt hat als der Regenbogen, das waren die Menschen. Nicht bloß weil es so viele waren, sondern vor allem weil sie so menschlich waren.
Atelophobie heißt Angst davor, imperfekt oder nicht „gut genug“ zu sein, und ich kenne das Gefühl schon, seit ich weiß, dass andere Leute etwas von mir erwarten könnten. Das bezieht sich nicht nur auf schulische Leistungen, sondern auch auf „körperliche“. Dank Werbeplakaten, Zeitschriftencovers und Co. mache ich mir immer Sorgen darüber, dass ich nicht wie ein in Photoshop bearbeitetes Bild aussehe.
Und dann … Pinkpop.
Und dann so viele Leute, denen das so unglaublich scheißegal war, oder zumindest sahen sie so aus, weil sie mit den hässlichsten Frisuren, peinlichsten Klamotten, haarigsten Beinen, richtig schlecht gezeichneten Tattoos und fetten Pickeln im Gesicht auf der Wiese standen und beim Mitbrüllen keinen einzigen Ton trafen und komplett aus dem Takt zur Musik tanzten und einfach solchen Spaß am Leben hatten, dass sie irgendwie schön waren.
Es war eine Erleichterung zu sehen, dass Menschen nicht wie Werbeplakate sind. Ich fühle mich in meinem eigenen Körper plötzlich nicht mal so schlecht.

Schöne Träume!


NaNo-Wortanzahl: 24319.
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05.05.2013

Die Zweifel eines pubertierenden Mädchens

Manchmal frage ich mich wirklich, ob es die richtige Entscheidung war, Psychologie zu studieren. Ich habe ab und zu das Gefühl, dass ich dadurch irgendwie unglücklicher geworden bin, und ich war nach dem Gymnasiumabschluss schon nicht ganz so glücklich.

Der Punkt ist, dass ich tatsächlich Einsicht in mein eigenes tägliches Funktionieren bekomme. Und manchmal kann ich damit einfach gar nicht umgehen. In einem meiner Kurse besprechen wir grade die Entwicklungen in der Pubertät und das ist so ein komisches Gefühl, diese wissenschaftlichen Theorien zu lesen. Die Wissenschaftler argumentieren und philosophieren über diese Phase und ich stecke noch mittendrin; die sitzen irgendwie in ihrem Elfenbeinturm und denken sich Erklärungen aus für die Sachen, die ich täglich spüre. Und manchmal hilft dieses Verständnis und manchmal eben nicht.

Ein wichtiges Merkmal der Pubertät ist das, was sie „social reorientation“ nennen, keine Ahnung, wie das auf Deutsch heißt. Es bedeutet einfach, dass Leute in der Pubertät anfangen, Kontakte mit Altersgenossen zu knüpfen und weniger Zeit mit ihrer Familie und im Familienhaus zu verbringen. Sie schließen Freundschaften und verlieben sich, führen eine Beziehung und machen Schluss. Solche Sachen.
Ich merke es mir selber an, dass ich grade ein bisschen nervös wurde, als ich das aufgeschrieben habe. Weil ich mich in dieser Beschreibung gar nicht wiedererkenne. Meine ersten richtigen Freundschaften entstanden erst an der Uni, da war ich schon siebzehn, und ich habe mich noch nie ernsthaft verliebt. Ich hab mittlerweile ein wenig Angst, dass ich es überhaupt nie schaffen werde,  mich auf die Art und Weise auf jemanden einzulassen.
Das muss jetzt keine Mitleidsnummer werden oder so. Aus meiner Schulzeit ist mir eine einzige Freundschaft erhalten geblieben und wenn ich ehrlich bin, dann ist das auch logisch, weil ich weiter auch keine Freunde hatte. Nicht richtig.

Das macht mir Angst. Irgendwie. Ich lese diese ganzen Theorien über Freundschaft und die Entwicklung von romantischen Gefühlen und weiß ich was noch, und dass Leute, die in der Pubertät halt keine Freunde haben und nicht die Chance bekommen, sich zu verlieben und auf jemanden einzulassen, später Probleme bekommen könnten, was mentale Gesundheit betrifft.
Ich kenne mich mittlerweile damit aus, wie Freundschaft die Entwicklung des Gehirns beeinflusst, und dann frage ich mich, wie meins wohl aussieht, das muss doch irgendwie anders sein, weil mir diese Erfahrungen fehlen.

Heute habe ich einen Artikel gelesen, in dem verschiedene Ursachen für die Entwicklung von depressiven Episoden in der Pubertät erläutert wurden. Die Umstände, die dazu beitragen, kamen mir bekannt vor. Auch das macht mir Angst. Gleichzeitig weiß ich, dass ich diese Störung nicht haben kann, weil ich mein Leben lebe und es funktioniert. Ich gehe an die Uni, ich treffe mich mit Freunden, ich bestehe meine Klausuren und meistens kann ich auch noch lachen und mich über Sachen freuen. Und dann falle ich wieder in ein Loch und habe Angst und denke über diese Theorien nach und kann nicht schlafen.

Es könnte auch einfach so sein, dass bei mir diese Entwicklung später einsetzt als bei anderen. Das könnte zum Beispiel mit der Tatsache, dass ich zwei Klassen übersprungen habe, zusammenhängen –  dass es irgendwie ein Missverhältnis zwischen meiner sozialen und meiner kognitiven Entwicklung gibt. Das ist durchaus möglich und könnte vieles erklären. Ist aber auch nicht sonderlich beruhigend, muss ich sagen.

Fazit. Ich fühle mich mit diesen Themen ziemlich unwohl und wünsche mir, ich hätte mich für einen Kurs entschieden, der sich nicht mit der Pubertät auseinandersetzt. Dann hätte ich vieles wahrscheinlich gar nicht verstanden, aber dann hätte ich mir auch nicht so viele Sorgen gemacht.
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04.11.2012

Es tut mir leid, aber …

Ich habe wirklich die ganze Woche gehofft, dass er das nicht als Date gemeint hat. Ich habe mir gesagt, dass ich das locker sehen muss, dass ich mir zu viele Sorgen mache, dass er bestimmt nicht solche Gefühle für mich hat – denn so toll bin ich nun wirklich nicht. Das mulmige Gefühl, dass da vielleicht doch mehr war, als er mich zum Konzert eingeladen hat und seine Augen zu strahlen begannen, als ich die Einladung angenommen habe, ließ sich aber nicht ganz verdrängen.

Und das mulmige Gefühl hatte Recht, denn er hat mich nach dem Konzert gefragt, ob ich mit ihm zusammen sein will. Es war so peinlich, so klischeehaft und so scheiße. Ich hab nein gesagt, weil ich nicht in ihn verliebt bin, er ist einfach ein normaler Freund für mich. Aber, mein Gott. Es tut mir leid – er tut mir leid. Ich wollte ihn ja nicht verletzen, trotzdem komme ich mir jetzt wie eine böse Hexe vor oder so. Ich hätte fast noch gedacht, dass es ja sowas von typisch ist, dass grade mir das passiert, aber es ist gar nicht typisch. Sowas ist mir noch nie passiert; der eine Junge aus der Grundschule, der mich mal gefragt hat, zählt nicht, denn ich war grade mal neun Jahre alt und es ging um Händchenhalten und nebeneinander in der Klasse sitzen.

Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt schon für eine Beziehung bereit bin. … das hört sich irgendwie komisch an. Der Satz, meine ich. Na gut.
Es gibt noch so vieles, das ich entdecken muss. Ich war noch nie verliebt – Figuren aus Filmen und Büchern oder auch Musiker zählen nicht, das ist ja nicht wirklich verliebt sein. Ich habe noch nicht mal endgültig und empirisch festgestellt, ob ich auf einen Traumprinzen oder eine Traumprinzessin warte (obwohl ich mir inzwischen zu neunzig Prozent sicher bin, dass es mir egal ist).
Irgendwie hab ich so ein Gefühl, dass ich das alles erst wissen werde, wenn ich nicht mehr hier in den Niederlanden, sondern in einem neuen Leben in Deutschland oder woanders bin. Von diesem Leben träume ich schon seit Jahren und meine Träume sind bestimmt total unrealistisch und romantisiert. Kann jemand mal die Pubertät abstellen, bitte?

Ich zweifle grade gewaltig an mir. Habe ich ihm auf irgendeine Art und Weise Hoffnung gemacht? Benehme ich mich ihm gegenüber anders als anderen gegenüber? Hätte ich vielleicht nicht mit aufs Konzert gehen sollen? Ich bin einfach komplett durcheinander. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass ich mich anders benehme. Vielleicht versteht er einfach nicht, dass ich bei meinen Freunden einfach so bin, wenn ich mich öffne, dann auch richtig. Er sollte mal wissen, wie oft ich Andy umarme oder mich einfach mal an ihn kuschele oder so. Andy und ich sind nicht zusammen und ich bin auch nicht in Andy verliebt.

Erzähle ich meiner Mutter, was passiert ist? Wir haben im Moment ein kleines Vertrauen-Tief, glaube ich, aber das muss ja nicht sein – vielleicht mache ich es auch wieder besser, wenn ich ihr davon erzähle. Irgendwie habe ich Angst, dass sie sagen wird, „Ich hab’s dir ja gesagt!“ Dabei hat sie es gar nicht gesagt, bloß angedeutet, dass es eine Möglichkeit wäre. Aber das reichte ja schon, denn mir ist auch immer wieder der Gedanke gekommen, dass er das vielleicht nicht ganz so freundschaftlich-neutral sieht wie ich.

Irgendwie komme ich mir jetzt wie Bella Swan aus der Twilight-Reihe vor, die sich anfangs darüber beklagt, dass es ihr so schwer fällt, Freundschaften zu schließen, und später beklagt sie sich, weil plötzlich alle Jungs mit ihr zusammen sein möchten. Aber das ist kein Grund, ja zu sagen, oder? Nur, weil bis jetzt noch niemand Interesse an mir gezeigt hat, muss ich mich nicht auf den erstbesten einlassen, der mich fragt. Auch wenn er mir leid tut und ich ihn nicht verletzen wollte.

Ganz schön scheiße, das ganze. Und es geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Deswegen werde ich jetzt erst mal frühstücken gehen (ja, ich weiß, dass es schon halb zwei ist) und mich dann meinen Hausaufgaben widmen, in der Hoffnung, dass die mich ablenken.
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14.08.2012

Glückspilz mit Zukunftsangst

Wieder zurück in Durham, nach einer wunderschönen Woche in Schottland, Orkney und nochmal Schottland. Plötzlich sieht England ganz langweilig aus, jetzt wo ich das schottische Hochland und die schönen Inseln gesehen habe. Die Natur in dieser Gegend ist auch schön, aber ich mag die schottischen Hügel einfach und bin ganz verliebt! :)

Und dann heute beim Mittagessen erzählte meine Mutter von verschiedenen E-Mails, die sie bekommen hat, und meine Laune sank sofort. Probleme, Probleme, Probleme in der Familie und im Freundeskreis.
Erstens hat eine meiner Cousinen einen Sohn bekommen und jetzt hat sie meiner Mutter vorgeschlagen, sich mal wieder zu treffen. Vor allem möchte sie meine Oma (also unsere Oma) mal wieder sehen und ihr das Baby zeigen und so. Sie hat sich aber komplett von der Familie abgeschottet, weil sie aus irgendeinem Grund, den nur sie kennt, ihre Mutter (also meine Tante und die Schwester meiner Mutter) nicht mehr sehen will. Und keiner weiß wieso, auch meine Tante selbst nicht, und meine Mutter hat jetzt keine Ahnung, was sie ihrer Nichte schreiben sollte. „Toll, verabreden wir einen Termin, und wir sagen deiner Mutter, meiner Schwester, nichts davon!“ Absurd.

Zweitens hatte eine gute Freundin meiner Eltern vor einigen Jahren einen Hirntumor, der dann bestrahlt wurde und jetzt ist er weg, aber Nebenwirkungen gibt es natürlich und sie hat jetzt auch noch Probleme mit ihrem Bein, Schmerzen und so. Die hat in den letzten drei Jahren immer nur Stress und Probleme mit ihrer Gesundheit und mit ihrer Mutter, der es auch nicht besonders gut geht, gehabt und sie braucht wirklich eine Pause, aber sie ist so ein Mensch, der immer durch die Gegend hetzt und immer etwas zu tun haben muss. Was sollte Mama ihr denn schreiben? „Alles wird gut.“ Ja, nein, das wäre gelogen, oder zumindest allzu optimistisch und nicht sehr realistisch. Das hilft nicht besonders viel.

Und drittens ist meine Tante (wieder die eine, die Schwester meiner Mutter – und Mama hat nur eine Schwester) mal wieder auf dem Weg, richtig depressiv zu werden, eben weil ihre Tochter grade ein Kind bekommen hat und sie trotzdem nicht sehen will, und sie hat auch Gesundheitsprobleme und und und… Ich muss sagen, meine Tante hat so die Tendenz, sich immer über alles zu beklagen, aber es geht ihr ja auch nicht wirklich gut und dass ihre Tochter sie aus einem uns völlig unbekannten Grund nicht mehr sehen will, macht ihr schon seit Jahren zu schaffen. Und jetzt noch mehr, weil sie jetzt Großmutter ist und das Kind wahrscheinlich erst in zwanzig Jahren oder überhaupt nie sehen wird.

Das musste ich mir von der Seele schreiben. Solche Sachen machen mich richtig traurig und erinnern mich daran, dass ich eigentlich ein totaler Glückspilz bin, weil ich solche Probleme noch nie gehabt habe. Und irgendwie – total bescheuert, ich weiß – macht es mir auch ein bisschen Angst, ich habe jetzt die Idee, dass ich nie erwachsen werden will, so wie Peter Pan, damit ich zumindest diese Probleme auch nie haben werde! Wie gesagt, total bescheuert.

Nun gut. Ich werde mich mal wieder meiner Geschichte widmen (oder mich in meine Geschichte flüchten, so könnte man’s auch ausdrücken) und hoffen, dass es euch allen gut geht.

Schöne Träume!

PS. Diesen Blog gibt es jetzt schon seit über einem Jahr! Mein kleines Baby, schon so alt! Und ich habe seinen Geburtstag verpasst… Was für eine blöde Mutter ich bin.

NaNo-Wortanzahl: 21057.
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09.08.2012

Blau und grün und gelb und Wind und Schafe

Wenn ein Maler die Orkney-Inseln malen würde, würden alle Kritiker ihm wahrscheinlich vorwerfen, die Farben übertrieben zu haben. Das Blau des Meeres, das Grün der Wiesen, das Gelb des Getreides… Alle Farben sind heller und stärker und weiß ich wie man das auf Deutsch beschreiben würde – alles mehr als zu Hause.

Früher fand ich Inseln immer schrecklich, weil ich vor allem Angst hatte: vor Überschwemmungen, vor Stürmen, Angst davor, ins Wasser zu fallen oder von einer Klippe zu stürzen, Angst vor Fischen und Walfischen und Haien und vor allem vor Schwertwalen. Bloß das Wort reicht schon, um mich schaudern zu lassen. (Ich wusste übrigens nicht, dass die so heißen! Wir sagen „orka“. Und auf Englisch heißen die „killer whales“. Toll, oder?)
Aber meine Meinung hat sich geändert. Na ja, nicht die über Schwertwale, sondern über Inseln. Ich finde es nämlich schon schade, dass wir morgen wieder nach Schottland fahren und die Orkney-Inseln verlassen. Es ist hier wunderwunderschön.





Vier Bilder nur, weil ich immer noch zu wenig NaNo-Wörter habe und ich sonst den ganzen Abend damit verbringe, die schönsten Bilder auszuwählen. Vielleicht kommen noch ein paar hinzu, wenn ich mehr Zeit habe, aber für heute reicht es wohl, dass ihr wisst, wie schön es hier ist!

Die Steine sind übrigens Teil eines Steinkreises, nämlich der „Ring of Brodgar“, und die grün-rote Figur neben dem einen bin ich. Der Steinkreis gehört zu den neolithischen Strukturen auf den Orkney-Inseln, wie auch das fünftausend Jahre alte Dorf Skara Brae und der Grabhügel Maeshowe (wird „Mees-hau“ ausgesprochen).
Mein Vater ist Hobby-Archäologe, das heißt, solche vormittelalterlichen Sachen interessieren ihn immer, deswegen besuchen wir die auch. Ich fand das früher immer total langweilig, aber je mehr ich sehe, desto interessanter wird’s, weil ich jetzt die verschiedenen Sachen irgendwie miteinander in Verbindung bringen kann. Man versteht das eine Ding besser, wenn man auch das andere gesehen hat.

Und jetzt: schöne Träume!

PS: ich habe einen neuen Freund gefunden!


NaNo-Wortanzahl: 12535.
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12.05.2012

Get this party started… or not

Ich bin eifersüchtig auf die Leute, die erst vor zwei Stunden aus dem Bett gekrochen sind und gedacht haben: Ah ja, heute Abend Party, ich geh gleich duschen… Und dann nach höchstens zehn Minuten Zweifel sich etwas anziehen und „frühstücken“ und gar nicht mehr drüber nachdenken. Während ich schon seit Stunden wach bin und immer noch nicht weiß, was ich anziehen werde, und mindestens eine Dreiviertelstunde unter der Dusche stand um mich auch wirklich gründlich zu waschen. Nicht, dass ich mich normalerweise nicht gründlich wasche. Ich war einfach so nervös.

Jetzt muss ich noch meine Haare föhnen und ich wollte mir noch die Fingernägel lackieren und … ich weiß immer noch nicht, was ich anziehen werde. Ich habe eine halbe Stunde vorm Spiegel gestanden und gegrübelt und ich hab immer noch keine Ahnung. Auf jeden Fall keine lange Hose, das ist langweilig. Für Strumpfhosen habe ich mich schon entschieden. Dann: Rock, Kleid oder kurze Hose? Und welches Oberteil dazu? Und Ohrringe? Eine Kette habe ich auch schon, das ist aber nur ein ganz kleiner Teil des Outfits.
Ich habe mir gedacht: Farben passend zum Nagellack. Und ich wollte mir die Nägel blau lackieren. Oder vielleicht eher grünblau. Ich kann mich nicht entscheiden und fühle mich dabei wie der letzte Idiot. Mein Gott, eine Geburtstagsparty, was ist denn dabei? Ja, gut, ich kenne da nur drei Menschen, aber dann lerne ich den Rest halt kennen! Wenn ich nicht sozial gestört wäre, ja. (Okay, ich bin nicht wirklich sozial gestört. Hoffe ich. Bloß „ein bisschen“ schüchtern.)

Ich habe auch keine Ahnung, was für Leute das sind. Aber über die Jungs mache ich mir keine Sorgen. Mit Jungs verstehe ich mich meistens besser als mit Mädchen. Ich fühle mich dann wenigstens weniger, als würden die mich unter die Lupe nehmen. Scrutinize, heißt das auf Englisch, ich weiß jetzt das deutsche Wort nicht. Vielleicht hat es damit zu tun, dass Mädchen früher aus der Pubertät raus sind als Jungs, und also früher „erwachsen sind“. Der Altersunterschied zwischen mir und den Mädchen/Frauen um mich rum scheint also größer zu sein, weil die eben schon etwas weiter in der Entwicklung sind als ich, während Jungs/Männer psychisch jünger sind. Oder so. Was weiß ich. Vielleicht liegt es einfach an mir.

Noch zwei Stunden, dann sitze ich wahrscheinlich im Zug und kaue nur nicht an den Nägeln, weil Nagellack so widerlich schmeckt. Ich höre jetzt einfach tausendmal dieses Lied von P!nk und tue so, als wäre ich diejenige, die spricht. Um mir selbst Mut zu machen.


Ehrlich, ich bin eine Katastrophe. G e b u r t s t a g s p a r t y. Keine Orgie. Warum bin ich so unnormal?
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30.03.2012

Weniger als vierundzwanzig Stunden…

… und dann fliege ich nach New York! Meine Mutter hält es nicht für nötig, dass ich meinen Laptop mitnehme, aber solange sie meine Tasche nicht tragen muss, ist das nicht ihre Entscheidung. Und ich möchte doch zumindest die Möglichkeit haben, in New York zu bloggen. Ich weiß nicht, ob ich da überhaupt Internet habe, ich vermute schon, aber man weiß ja nie. Und wenn es im Hotel Internet gibt, dann weiß ich immer noch nicht, ob ich Zeit haben werde. Denn ich will ja möglichst viel von New York sehen, versteht sich.

Auf jeden Fall werde ich Laptop und Kamera dabei haben. Ich muss aber meinen Koffer noch packen, das werde ich heute Abend nach meinem Bassunterricht wohl machen. Die Wettervorhersage ist für New York nicht wirklich anders als für die Niederlande, das heißt: nicht besonders warm und auch nicht besonders kalt, um die vierzehn Grad. Ja, das schöne Wetter hat sich inzwischen wieder verabschiedet, heute war bewölkt und ich habe die Sonne nur ganz kurz gespürt. Schade. Aber das Frühlingswetter kommt bestimmt bald wieder.

Das einzige, worauf ich mich nicht freue, ist der Flug. Ich hasse Flugzeuge und ich hasse es zu fliegen und ich habe bei dem Start und der Landung immer total Angst, dass irgendwas schiefgeht. Aber ich kann ja nicht mit dem Zug nach New York, also Augen zu und durch, nicht wahr. Wenn das Flugzeug auf der richtigen Höhe ist, geht’s auch wieder.

Und da ich in einer halben Stunde Bassunterricht habe, belasse ich es hierbei. War nicht besonders spannend, der Eintrag, aber egal. Ich freue mich einfach und wünsche euch ein schönes Wochenende, einen guten Wochenstart und schöne Träume :)

PS. Das hier ist Eintrag Nummer Siebzig! *puts on party hat*
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18.03.2012

„Der Freund“

Heute waren wir zum ersten Mal seit einigen Monaten wieder bei meiner Oma, der Mutter meines Vaters, zu Besuch. Sie lebt seit fast drei Jahren mit ihrem neuen Freund zusammen, mein Opa ist vor sechs oder sieben Jahren gestorben. Oder acht. Ich weiß es nicht genau, ich kann mir solche Zahlen nie merken.

Es war schön, meine Oma wiederzusehen. Früher, als mein Opa noch lebte, sind wir ganz oft in den Ferien zu ihnen gefahren und dann für eine Woche oder zwei Wochen geblieben. Sie lebten in einem alten Bauernhof mit einem richtig großen Garten, mit Obstbäumen und Hühnern und einem Weidebaum, dessen Zweige bis auf den Boden reichten, sodass es darunter richtig schön picknicken war.
Aber mein Bruder und ich sind jetzt älter und seitdem sie diesen neuen Freund hat, sehen wir unsere Oma nur noch ein oder zweimal pro Jahr. Sie ist meistens mit dem Freund irgendwo im Urlaub, und dann nicht bloß zwei oder drei Wochen, sondern eher zwei oder drei Monate lang. Und wenn sie da ist, bereitet sie sich wieder auf den nächsten Urlaub vor.

Das Problem ist auch, dass mein Vater den Freund nicht leiden kann. Das heißt, der Freund ist irgendwie der komplette Gegensatz zu meinem Opa und er geht meinem Vater schrecklich auf die Nerven. Meine Tante, also die Schwester meines Vaters, und ihr Ehemann kommen auch nicht so gut mit ihm zurecht. Aber meine Oma muss ihn wirklich liebhaben, sonst wäre sie ja nicht mit ihm zusammengezogen.
Auf jeden Fall hat mein Vater immer mit den sarkastischen Sprüchen zu kämpfen, wenn der Freund mitkommt oder wenn wir bei ihnen zu Besuch sind. Ich glaube, meine Oma weiß das genau. Und sie versteht es auch, sie sieht auch, wieso der Freund nervt. Er macht das übrigens nicht absichtlich, er meint es wirklich nett, aber er ist halt so ein bisschen spießig und mein Vater kann sowas absolut nicht ab.

Ich hatte Angst, dass meine Oma sich wegen dem neuen Freund verändern würde, dass sie dann genauso spießig sein würde. Mein Opa war verrückt (in a good way) und jetzt dieser Typ… Aber sie hat sich gar nicht verändert. Sie ist schon ein bisschen älter geworden, aber das wäre sie ja auch, wenn mein Opa noch gelebt hätte.
Ich hatte auch Angst, dass wir sie nur noch einmal im Jahr, nämlich an Sinterklaas, sehen würden, und dass es dann total peinlich und awkward sein würde. Auch das stellte sich als unnötig heraus – es war nicht peinlich, es war einfach schön, sie nach der ganzen Zeit wiederzusehen und mit ihr reden zu können. :)

Und jetzt, weil es schon nach Mitternacht ist und ich eigentlich am 17. posten wollte (gescheitert…), gute Nacht und schöne Träume!
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10.03.2012

Mal wieder nichts Schönes

Was haben die an der Uni bloß geraucht? Auf einmal sind alle Dozenten voll die Referat-Fans. In den letzten fünf Wochen habe ich schon drei Referate halten müssen, am kommenden Dienstag bin ich wieder dran. Und alle sagen: „Das ist doch gut, nur durch Übung wirst du deine Angst überwinden, das ist doch ganz wichtig, später wenn du einen Job hast, musst du bestimmt auch Sachen präsentieren, blablabla…“
Klar. Sie haben bestimmt Recht. Aber fast jede Woche ein Referat, ist das nicht ein bisschen zu viel des Guten? (Na ja. „Guten“.) Ich habe keine Lust mehr. Und weniger Angst hab ich auch noch nicht. Letzten Mittwoch hatte ich dieses Referat über den Film, ich hatte am Dienstag schon Magenschmerzen und hab den ganzen Mittwoch gezittert wie Espenlaub. Und dann hab ich fünfundzwanzig Minuten geredet. Irgendwie lustig, weil ich überhaupt nur zehn Minuten zu reden brauchte. Also, wenn ich einmal da stehe und rede, dann geht’s eigentlich. Nur dass ich vorher immer das Gefühl habe, gleich kotzen zu müssen.

Wenn wir schon mal beim Kotzen sind, letzten Dienstag hat mir im Zug ein unbekannter Kerl über das Bein gekotzt. Sehr schön. Ich weiß nicht, ob er betrunken oder ob ihm einfach nur schlecht war, aber das tut ja eigentlich auch nicht zur Sache. Wiiiiderlich. Zum Glück hatte ich Taschentücher und eine Wasserflasche dabei, sodass ich dann sofort meine Hose reinigen konnte. Es war auch nur ein kleiner Fleck, knapp unterm Knie, aber das war schon schlimm genug. Er hat auch gar nicht auf mich gezielt (ugh. Gezielt kotzen), sondern auf den kleinen Mülleimer, sonst hätte er mir wahrscheinlich in den Schoß gekotzt.
Okay, lassen wir das Thema, bevor ich mich jetzt auch noch erbrechen muss.

Und was ist sonst noch Schönes passiert? Rein gar nichts. Ich habe die Band verlassen – das war scheiße, denn eigentlich haben sie mich „gezwungen“. Das heißt, angeblich bin ich dran schuld, dass wir in den letzten Monaten nur dieselben sechs Songs geprobt haben, und der Gitarrist möchte nicht länger mit mir in einer Band sein. Er hat fast wortwörtlich gesagt: „Wenn du nicht gehst, gehe ich.“ Na, dann hatte ich auch nicht wirklich eine Wahl.

Gleichzeitig habe ich mich die ganze Woche so benommen, als würde es mir total gut gehen. Ich habe gelacht, Witze erzählt, Gespräche geführt und meine Hausaufgaben erledigt. Gestern hat sich dann die Traurigkeit vernachlässigt gefühlt und ich bin fast wieder in Tränen ausgebrochen. (Es hat mir eine ganze halbe Stunde gekostet, mir das niederländische Wort für „vernachlässigen“ ins Gedächtnis zu rufen… Wow.)
Weil ich in der realen Welt mehr schlecht als recht zurechtkomme, verbringe ich die wenigen freien Stunden in der Welt von RuneScape. Ja, ich weiß. Traurig. Aber momentan macht mir das mehr Spaß als die wirkliche Welt und das Spiel fegt die ganzen Gedanken aus meinem Kopf. Das brauche ich jetzt.

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03.02.2012

Die Welt is weiß

From: Coward
To: Snow
Subject: Bugger off!

Morgen hat meine Mama Geburtstag. (Ha, fast derselbe erste Satz wie im letzten Post. Ich bin ja soooo witzig.)
Also, eigentlich geht’s gar nicht um meine Mutter. Und der Titel hört sich ein bisschen politisch an, als würde ich gleich einen ganzen Vortrag schreiben über Diskrimination und „die Macht des Westens“ und weiß ich was noch. Dabei geht’s mir nur um den Schnee.

Ich mag Schnee. Eigentlich. Wenn ich schön warm drinnen sitze und weiß, dass ich nicht mehr raus muss, bis der Schnee weg ist. Das passiert also nur ganz, ganz selten. Schnee haben wir ja auch nur ganz, ganz selten. Und jedes Mal, wenn der Schnee kommt, bringt er Probleme mit sich.
Probleme mit dem Zug (weil die niederländische Bahn sich ja nie auf irgendwelche Wettersachen vorbereiten, die gehen einfach davon aus, dass die Sonne immer schön scheint und draußen die Lämmer auf den Wiesen spielen und alle Menschen glücklich sind). Meine Mama steckt grade in Amersfoort fest, weil die Züge nicht mehr nach Utrecht fahren. Vielleicht schafft sie es noch über Amsterdam nach Hause, aber das dauert so oder so zwei Stunden länger. Wenn nicht mehr. Dabei war schon seit Tagen klar, dass es heute schneien wurde. Aber komm schon, wieso denn die Bahn darauf vorbereiten? Sonst ist’s doch nicht spannend, und was ist das Leben ohne ein bisschen Abenteuer?



Mein ganz persönliches Problem mit Schnee hat mit dem Radfahren zu tun. Schnee führt mir immer wieder vor Augen, wie feige ich doch wirklich bin. Ich finde es nämlich ganz schlimm, durch den Schnee fahren zu müssen, und traue mich auch nicht. Das heißt: heute war ich bei meinem Vater auf der Arbeit, weil zu Hause zu viel Lärm war (erklär ich in einem späteren Eintrag vielleicht mal) und so gegen vier Uhr sagte mein Vater, dass er noch kurz in die Stadt wollte, um ein Geschenk zu kaufen. Für meine Mutter. Weil die ja morgen Geburtstag hatte. Toll, ich komme mit!
Ja, also, nein. Das war … ich wollte das auch, wirklich, aber dann habe ich den Schnee gesehen und mir gedacht, dass das nicht geht. Und es geht auch nicht. Ich bin nach Hause gelaufen, ganze vierzig Minuten in der Kälte, und ich war traurig und fühlte mich blöd und ich könnte mir immer noch eine dafür klatschen.
Mein Vater hat das wahrscheinlich längst wieder vergessen, den interessiert das halt nicht so viel, und meine Mama hat im Moment schon etwas anderes im Kopf. Die weiß ja gar nicht, wie sie heute nach Hause kommt. Aber ich weiß jetzt schon, dass ich mir das ganze Wochenende noch darüber den Kopf zerbrechen werde. Ich fühle mich schuldig, weil ich kein Geschenk habe, fühle mich blöd, weil drei Zentimeter Schnee mir Angst machen… Ich werde mindestens drei Tage noch gegen den Selbstspott bzw. –hass ankämpfen. Selbstunzufriedenheit. Das ist ja mal ein schönes Wort. Trifft heute genau auf mich zu.

Und weil ich jetzt mit der S-Bahn fahren muss, weil ich noch Bassunterricht habe, und das immer mindestens eine Viertelstunde länger dauert als mit dem Fahrrad, verabschiede ich mich wieder…

(Aber sind die Bilder nicht toll? Extra für euch auf dem Nachhauseweg noch gemacht. Dabei war ich genervt, sauer und froren mir die Finger ab!)
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27.10.2011

Ich will nicht…

… dass du mir egal bist.

Kannst du dich noch daran erinnern, dass wir mal beste Freundinnen waren? Dass wir uns alles anvertraut haben? Dass du manchmal meine Gedanken zu lesen schien, und ich deine? Dass wir über dieselben Sachen dasselbe dachten? Dass wir über dieselben Sachen gelacht haben? Dass wir zusammen an einer Geschichte arbeiten konnten?

Ich kann es noch. Aber es ist anders.

Geheimnisse, Ideen, Träume und Wünsche haben wir ausgetauscht, geteilt. Zusammen gingen wir auf ein Konzert; erinnerst du dich noch an den einen Song, als wir uns angeschaut haben und glaubten zu wissen, dass unsere Freundschaft für immer sei?
Inzwischen glaub ich zu wissen, dass wir damals falsch lagen.

Ich weiß nicht, was du heutzutage machst. Nur, dass du keine Zeit mehr hast, so oft online zu sein – und wir wohnen weit voneinander entfernt, Kontakt gibt’s nur übers Internet.
Die Leidenschaft fürs Schreiben haben wir beide, sonst hätten wir uns wahrscheinlich nie kennengelernt. Inzwischen schreibst du nicht mehr, den Eindruck hab ich zumindest. Auch die gemeinsame Geschichte hast du auf Eis gelegt, und E-Mails schreibst du nur selten. Wenn wir schon nicht gleichzeitig online sein, könnten wir doch über E-Mail Kontakt halten… Das hab ich mir gedacht, aber es funktioniert nicht. Du schreibst nicht mehr.

Du sollst wissen, dass ich kaum noch auf eine Antwort warte. Ich erwarte keine Antwort mehr. Es freut mich, wenn du mal antwortest, aber es bedrückt mich nicht mehr, wenn nicht. Es tut mir Leid, dass es so ist. Aber Freundschaft kann nicht nur von einer Person aus kommen, für Freundschaft braucht man zwei.
Bin ich dir inzwischen egal? Ist unsere Freundschaft dir egal? Ich hab Angst, dass sie mir egal ist. Ich will nicht, dass es so ist, weil ich mich an die tollen Zeiten erinnere. Aber glaubst du, dass die Freundschaft wieder so werden kann, wie sie mal war? Glaubst du das? Und wenn ja, wirst du dir auch Mühe geben?
Ich schon. Aber ich schaffe es nicht alleine.

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(Übrigens, ein großes Dankeschön an meine Leserin für die Kommentare! <3)
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22.10.2011

Verzeiht mir bitte die Fehler…

Ich achte immer so schrecklich auf Fehler. Es fällt mir jedes Mal schwer, meine Blogeinträge auch wirklich online zu stellen, weil ich sie nicht in meiner Muttersprache schreibe und ich also weiß, dass es Fehler geben kann. Und wenn ich irgendwas wirklich schlimm finde, ist es, Sachen falsch zu machen.

Inzwischen kann ich diese Eigenschaft aus zwei verschiedenen Gründen erklären. Der erste ist ganz einfach Perfektionismus. Wenn ich nicht hundertprozentig zufrieden bin, oder wenn ich weiß, dass ich nie hundertprozentig zufrieden werden kann, aber dass es trotzdem noch ein bisschen besser werden kann, dann… Dann muss es eben besser werden. (Der Satz ist so lang, dass ich ihn selber nicht mehr so gut verstehe.)
Dieser Perfektionismus führt auch dazu, dass Gruppenarbeit mich immer total nervös macht. Dann bin ich nämlich nicht die einzige, die die Kontrolle über die Arbeit hat. Vor allem bei Referaten, wenn ich nicht genau weiß, was andere sagen werden oder wie sie es sagen werden, stresse ich mich halbtot. Eigentlich ist es für mich nie gut genug. Dabei hasse ich es auch, ein Referat alleine zu machen, weil ich dann im Mittelpunkt stehe. Ironisch.

Der zweite Grund ist eigentlich auch Basis des Perfektionismus. Ich weiß nämlich, oder ich rede mir ein, dass es so ist, dass meine Eltern sehr hochgestellte Erwartungen von mir haben. Sie erwarten gute Leistungen, weil ich in der Schule immer gut war. (Das hört sich jetzt arrogant an. Es tut mir Leid ._.)
Und ich will sie nicht enttäuschen.

In der Vorlesung in Psychologie haben wir über psychische Störungen geredet, über Symptome und Ursachen und Folgen. Unter anderem auch über die „Medizinstudenten-Störung“, die eigentlich gar keine „richtige“ Störung ist. Es geht nur darum, dass Medizinstudenten, wenn sie Krankheitsbilder studieren, plötzlich anfangen zu glauben, selber all diese Krankheiten zu haben. Weil wir eben alle mal ein paar Symptome haben, wie Bauchschmerzen oder weiß ich was. Als beginnender Psychologie-Student hat man eigentlich fast dasselbe Problem, wenn man alle Störungen auswendig lernen muss.
Auch ich hab darüber nachgedacht, als ich die Störungen studiert habe. Manches kam mir so unglaublich bekannt vor – aber ich hatte die Warnung im Hinterkopf, dass ich mich nicht verrückt machen sollte. Und bei richtigen Störungen ist es natürlich so, dass die Symptome unglaublich viel stärker sind, als bei normalen Leuten.
Früher habe ich mir immer Sorgen gemacht und gedacht, ich hätte vielleicht ne psychische Störung, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, so anders als „die anderen“ (Mitschüler oder so) zu sein, aber so schlimm ist’s nun auch wieder nicht. Perfektionismus ist keine Störung, auf jeden Fall nicht, bis ich wegen des Perfektionismus nicht mehr normal leben kann. Das ist nämlich mit allen Störungen der Fall: wenn man ein einigermaßen normales Leben führen kann, darf man es offiziell nicht als Störung bezeichnen.
Das beruhigt mich schon ein bisschen. Es ist vielleicht nicht immer so toll, normal oder durchschnittlich zu sein, aber immerhin besser, als eine Störung zu haben.

Schöne Träume; und wünscht mir Glück, nächste Woche schreibe ich die ersten Klausuren in Psychologie…
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28.09.2011

Blut, Metall und Müdigkeit

Kennt ihr das Gefühl, wenn dir irgendwas peinliches passiert ist, und du einfach nicht aufhören kannst, daran zu denken? Also, ich schon, und zwar ganz gut. Und ich bin auch noch so ne Person, der eigentlich ziemlich viel peinlich ist. Oder, mir ist ziemlich schnell etwas peinlich. Ich bin dafür eben ziemlich empfindlich.

Meine Empfindlichkeit mal außen vor gelassen, ich schätze doch, dass es den meisten Leuten so geht, wenn etwas wirklich peinliches passiert. Das Hirn funktioniert eben so, würde ich sagen, es übertreibt quasi das Ereignis. Ich frag mich warum. Aus evolutionärem Blickwinkel hat es doch eigentlich keinen Sinn, keine Funktion, um peinlichen Sachen aus dem Weg gehen zu wollen. Die Person, der nie etwas peinliches passiert, hat bessere Chancen, Nachwuchs zu bekommen? Das hört sich ja albern an.

Noch so eine übertriebene Reaktion meines Hirns: auf dem Nachhauseweg nach der Vorlesung saß ich im Zug, war ein wenig müde, starrte vor mich hin. Dann hielt der Zug an, der Typ, der neben mir auf der Treppe gesessen hatte, stieg aus und ich sah aus dem Augenwinkel, wie er auf dem Gleis etwas in den Mülleimer schmiss. Und das erste, was mir durch den Kopf ging, das er vielleicht da weggeworfen haben könnte, war der Zünder einer Granate. Ich sah schon vor mir, wie die Granate explodiert und den Zug in ein Chaos aus Blut, zerrissenem Fleisch und Metall verwandelt.
Okay, ich war müde, aber trotzdem. Eine übertriebene, paranoide Angstreaktion. Viel wahrscheinlicher ist’s, dass er einfach seinen Kaugummi weggeschmissen hat, oder vielleicht einen Einkaufszettel, den er in seiner Hosentasche gefunden hatte. Rational ist mir das auch schon klar. Aber der erste Impuls ist immer irrational, würde ich sagen.

Auf jeden Fall ist diese Angstreaktion schon logischer zu erklären, als das mit der Peinlichkeit. Denn fürs Überleben ist’s ja wichtig, auf alles gefasst zu sein, auf alle Gefahr. Sonst wäre der Mensch längst ausgestorben. Obwohl der größte Teil dieser Reaktion wahrscheinlich mehr mit der Müdigkeit zu tun hatte, als mit irgendwelchen evolutionären Funktionen.

Müdigkeit hat so oder so viel mit Überreaktionen zu tun, glaube ich. Wenn ich müde bin, werde ich meistens sehr ausgelassen, wahrscheinlich weil mein Körper Adrenalin oder was ähnliches produziert, damit ich nicht einschlafe. Oder so. Ich war in Biologie nie sonderlich gut, entschuldigt. Jedenfalls kann ich mich so etwas aus dem Unterricht erinnern.
Es geht ja eigentlich auch nicht um den biologischen Prozess. Es geht darum, dass Müdigkeit irgendwie als Katalysator funktioniert, wenn es um Emotionen und Reaktionen geht. Man muss ja kein Biologe sein, um das irgendwann mal bemerkt zu haben.

Noch mal ein Beispiel für meine manchmal sehr ‚tiefen‘ Gedanken… Oder eben für die nutzlosen Sachen, die ich mir manchmal durch den Kopf gehen lasse. Für heute reicht’s wohl, denke ich mir.

Schöne Träume :)
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16.09.2011

Über geöffnete Gartenzäune

Ich hab letzte Nacht so komisch geträumt. Extra komisch, weil ich in letzter Zeit kaum geträumt habe, auf jeden Fall nicht nachts. Dabei hab ich mich früher immer an meine Träume erinnert; vielleicht war’s wegen der Ferien und dem Langschlafen, dass sie mir nicht beigeblieben sind.

Jedenfalls kann ich mich noch ganz genau an meinen Traum der letzten Nacht erinnern. Meine Mutter war auch drin, und unser Haus (komplett mit Garten und Gartenzaun und Spinnen) stand oben auf einem Berg. Wer sich noch an einen früheren Post erinnert, in den Niederlanden gibt es keine Berge. Das nur so als Seitensprung.
Meine Mama und ich gingen spazieren; wir verließen unsern Garten und liefen den süßen roten Sandweg entlang, den Berg hinunter. Dann kamen wir an eine Gabelung und konnten entweder weiter den Berg hinunter, oder geradeaus quasi um den Berg herum. Wir entschieden uns für den Weg geradeaus, also blieben wir ungefähr auf gleicher Höhe, als wir schon waren.
Der Weg  machte nach ein paar Schritten eine Rechtskurve. Kurz vor der Kurve aber saß, unter einem schönen Baum, ein Puma. Als wäre er eine Katze, leckte er eine seiner Pfoten und schaute uns nicht an. Dann, als meine Mama ihm näher kam, schnauzte er plötzlich und erhob sich, als wollte er uns angreifen.

Ich mein das übrigens ernst, ich hab das wirklich so geträumt. Das ist jetzt nicht nur irgendeine erfundene Geschichte, um dieses Blog oder mich irgendwie interessanter zu machen.

Also, der Puma wollte uns angreifen. Wir drehten uns rasch um und dort saßen plötzlich zwei oder drei Löwen, die uns genauso angestarrt haben. Das hat uns dann eben Angst gemacht (ist ja nicht wunderlich) und wir sind weggerannt, zurück den Berg hinauf, nach Hause. Als ich dort ankam, war meine Mama verschwunden – so geht das ja in Träumen – und ich ließ den Gartenzaun offen stehen, denn ich hatte zu viel Angst, um den zu schließen. Ich wollte sofort ins Haus. Dann hab ich noch die Haustür abgeschlossen und hab mich an den Tisch gesetzt.
(Keine Sorge, ich komme noch zum Punkt.)
Einen kurzen Moment später schaute ich zum Fenster heraus und sah – das ist jetzt kein Scherz – einen Gorilla. Ich schwöre es. Ich hab geträumt, dass ich am Tisch saß und einen Gorilla im Garten stehen sah. Er schaute mich ziemlich aggressiv an und kam auf die Haustür zu. Natürlich machte das mir Angst, ich sprang auf und lief davon. Dann schien ich plötzlich Augen in meinem Hinterkopf zu haben, denn ich sah noch, wie der Gorilla die Türklinke nach unten drückte. Und dann wachte ich auf.

Okay, nach diesem ganzen Gelaber kommt der Punkt dieses Blogposts. In einer Vorlesung in Psychologie haben wir über Träume und Traumdeutungen geredet und der Dozent erzählte über Freuds Art und Weise, Träumen eine Deutung beizumessen. Freud dachte nämlich, Träume seien eine umgekehrte Widerspiegelung eines Wunsches. Also sag mal, du würdest mal träumen, einen Klassenkameraden zu heiraten; Freud zufolge würde das heißen, dass du ihn eigentlich umbringen willst.

Ob Freud jetzt Recht hatte oder nicht, tut nicht zur Sache. Es gibt ja noch andere Weisen, Träume deuten zu wollen. /Ich frage mich eigentlich auch nicht, was dieser Traum bedeutet. Ich frage mich, was mich dazu veranlasst hat, mir solchen Blödsinn zusammen zu träumen. Wo kommen die ganzen großen Katzen her? Und der Gorilla? Und der Berg?

Ich hab wirklich keine Ahnung. In meinem Umfeld, in dem, was ich in letzter Zeit „erlebt“ habe (denn wirklich viel erlebt hab ich eigentlich nicht), da gibt’s eben nichts, das so einen Traum hätte triggern können. Meine Katze schläft ja jeden Abend auf meinem Kopfkissen, nur ist die nicht ganz Sorte Puma.

Das sind jetzt sechshundert Worte Gelaber über Träume und Pumas. Es tut mir Leid, dass ich heute  so was langweiliges poste. Auf jeden Fall wünsche ich euch (dir? Niemandem?) schöne Träume, am besten ohne Gorillas.

Bis demnächst!
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31.08.2011

Auf dem Hügel… oder war es Berg?

Ich hab Muskelkater an Muskeln, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie habe. Um genau zu sein, an den Muskeln, die man benutzt, um einen Hügel hinauf und hinab zu gehen. Denn in den Niederlanden gibt’s keine Hügel, oder auf jeden Fall keine, die höher sind als 322,7 Meter. Und das ist jetzt keine Fantasiezahl, der „Vaalserberg“ (der eigentlich gar kein Berg ist) ist 322,7 Meter hoch. Der höchste Punkt der Niederlande. Also, im Grunde ist der höchste Punkt der Niederlande etwas über 800 Meter hoch, nur liegt dieser Berg auf Saba, einer Insel in der Karibik, zufälligerweise auch einer speziellen Provinz der Niederland. Nur finde ich, dass das nicht wirklich zählt, das ist ja am anderen Ende der Welt.

Ende der Erdkundestunde; ich redete ja über meine Muskeln, die ich heute eingesetzt habe, einen Hügel hinauf und hinab zu gehen. Ich wollte ja die Aussicht über Zürich genießen und da es überhaupt keine Wolke gab, konnte ich das Sonnenlicht im See glitzern sehen. Wunderschön.

Und dann wurde meinen Plänen, den Tag oben auf dem Uetliberg zu verbringen, schroff einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn anscheinend hatte die ganze Wespenpopulation des Berges es auf meinen Berliner abgesehen. Und ich hasse Wespen. Obwohl ich eigentlich sagen sollte, ich habe Angst vor Wespen. Ich mag die Streifen und die Schwarz-Gelb-Kombination. Nur bringt die Tatsache, dass sie stechen, mich auf die Palme. Stechviecher sollten verboten werden.

Der Gedanke hat mich an Bill Kaulitz erinnert, der mal gesagt hat, er und sein Bruder seien „Drinnies“, womit er gemeint hat, dass sie nicht gerne aufs Land gehen. Also unberührte Natur vor allem, das geht in Deutschland gar nicht. Na, eben nicht nur in Deutschland. Bei mir zu Hause weben die Spinnen ihre Spinnennetze immer genau zwischen unserem Fahrradschuppen und den Pflanzen auf der anderen Seite des Gartenpfades. Vor allem in dieser Jahreszeit, denn sonst ist es ja zu kalt oder zu kurz nach dem Winter. Und jetzt diese Wespen, die mir das Mittagessen klauen wollten.

Dabei finde ich die Natur eigentlich ganz schön. (Ich weiß wirklich nicht, was ich eigentlich schreiben wollte, als ich über den Muskelkater geschrieben habe, aber egal. Jetzt reden wir einfach über unberührte Natur.)
Ich wollte den Tag dort auf dem Berg verbringen, mit dieser schönen Aussicht auf die Stadt, Inspiration zum Schreiben und einfach ganz viel Ruhe. Ich mag vor allem die Ruhe, ja, die in der Natur herrscht, obwohl die Bewohner ja nie unbeschäftigt sind. Eben, hast du schon mal eine Wespe oder einen Maikäfer gesehen, der sich auf ein Bänkchen setzt und sagt: „Na, ich mach auch mal Feierabend, heute war schon ein anstrengender Tag“?
Macht ja keinen Sinn. Und trotzdem sieht’s immer so ruhig aus, friedig, denn alle haben dort ihren Platz, die scheinen sich über Nichts Sorgen zu machen, die müssen sich über Nichts den Kopf zerbrechen… Unsicherheit und Zweifel und Arroganz und Empfindlichkeit und was weiß ich noch für menschliche Defekten scheint es dort gar nicht zu geben.

Ich fange an zu labern. Wahrscheinlich Zuckerdefizit; ich muss wirklich mal was essen.
Guten Appetit!
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06.08.2011

Sowas wie meine größte Angst

Ich hab oft empfunden, dass etwas aufschreiben mich beruhigt und mir die Angst wegnimmt.
Im Moment bin ich davon nicht ganz so überzeugt, denn diese Angst ist wohl meine größte und nicht so leicht zu vertreiben.

Ich rede jetzt von dem Tod.
Und bitte komm mir jetzt nicht mit „Vor dem Tod muss man sich gar nicht fürchten“ und „Wir sterben alle mal, dafür kannst du doch nichts, genieße zuerst mal dein Leben und mach dir darüber keinen Kopf“. Ich meine ja auch nicht, dass ich Angst hab vor dem Tod an sich. Wenn man stirbt, ist alles ja vorüber, ich bin nicht religiös und glaub nicht an irgendwelche Leben nach dem Tod.
Tod ist Tod, Ende.

Meine eigentliche Angst geht darum, zu sterben, bevor ich mich dazu bereit fühle. Schon wieder so ein Klischee, ich werde mich erklären.
Ich hab Angst, zu sterben, ohne dass man darauf gefasst ist. Zum Beispiel jetzt, in diesem Moment, wo meine Eltern auf eine Party sind, die zweieinhalb Stunden von mir entfernt ist, und wo mein Bruder sich unten im Wohnzimmer befindet und übel riechende Suppe isst. Keiner erwartet meinen Tod. Ich auch nicht. Und trotzdem frag ich mich, was wohl passieren würde, wenn meine Eltern nach Hause kommen und mich tot hinter dem Rechner vorfinden würden.
Was passiert dann mit all den Sachen, die ich noch nicht beendet habe?
Mit diesem Blog?
Mit meinen Geschichten, die ich noch nicht zu Ende geschrieben habe?
Mit meinen Freunden bzw. Freundinnen?
Mit meinen Studien, die diesen September anfangen sollen?
Mit meinen Träumen, dem Traum, irgendwann in Berlin zu leben, irgendwann ein Buch zu veröffentlichen, irgendwann zu heiraten und Kinder zu bekommen?
Mit meinem Zimmer, und allen Sachen in diesem Zimmer?
Mit der Katze, die abends zu mir kommt und sich auf meinem Kopfkissen zu schlafen legt?

Ich hasse es, Sachen zu essen bzw. zu trinken, die das Mindesthaltbarkeits-datum überschritten haben, denn in meinen ängstlichsten Gedanken bringen die mich um. Das ist jetzt kein Scherz und alle, die sich über mich lustig machen wollen, verschwinden jetzt bitteschön von diesem Blog. Ich hab eben eine sehr lebendige Fantasie, wenn es darum geht, mir selbst Angst einzuflößen. Deswegen kann ich auch keine Horrorfilme oder so gucken, denn nachher finde ich nie in den Schlaf. Tagsüber geht’s schon, das Licht vertreibt die Angst ein bisschen, aber nachts bin ich einfach zu ängstlich und paranoide.

Mir ist klar, dass dies alles sehr persönlich ist und manche jetzt denken, die hat nen Schaden und lassen wir dieses Blog, was interessiert mich dieses Gelaber. Es tut mir Leid, wenn du so darüber denkst, denn mir setzen diese Gedanken zu und ich hab wirklich keine Ahnung, ob es anderen auch mal so geht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich die einzige bin, die sich darüber den Kopf zerbricht.
Vielleicht liegt es daran, dass ich heute schon ein wenig komisch drauf bin, dass ich das jetzt hier alles hinschreibe.

Ich glaube, ich hab mehr Angst davor, alles zu verpassen, was ich mit meinem Leben noch machen will, als vor dem Tod an sich.

Ich glaube, das ist, was ich eigentlich sagen wollte.

An allen schöne Träume gewünscht!

PS. Und ich bin übrigens nicht suizidal.
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