31.08.2011

Auf dem Hügel… oder war es Berg?

Ich hab Muskelkater an Muskeln, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie habe. Um genau zu sein, an den Muskeln, die man benutzt, um einen Hügel hinauf und hinab zu gehen. Denn in den Niederlanden gibt’s keine Hügel, oder auf jeden Fall keine, die höher sind als 322,7 Meter. Und das ist jetzt keine Fantasiezahl, der „Vaalserberg“ (der eigentlich gar kein Berg ist) ist 322,7 Meter hoch. Der höchste Punkt der Niederlande. Also, im Grunde ist der höchste Punkt der Niederlande etwas über 800 Meter hoch, nur liegt dieser Berg auf Saba, einer Insel in der Karibik, zufälligerweise auch einer speziellen Provinz der Niederland. Nur finde ich, dass das nicht wirklich zählt, das ist ja am anderen Ende der Welt.

Ende der Erdkundestunde; ich redete ja über meine Muskeln, die ich heute eingesetzt habe, einen Hügel hinauf und hinab zu gehen. Ich wollte ja die Aussicht über Zürich genießen und da es überhaupt keine Wolke gab, konnte ich das Sonnenlicht im See glitzern sehen. Wunderschön.

Und dann wurde meinen Plänen, den Tag oben auf dem Uetliberg zu verbringen, schroff einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn anscheinend hatte die ganze Wespenpopulation des Berges es auf meinen Berliner abgesehen. Und ich hasse Wespen. Obwohl ich eigentlich sagen sollte, ich habe Angst vor Wespen. Ich mag die Streifen und die Schwarz-Gelb-Kombination. Nur bringt die Tatsache, dass sie stechen, mich auf die Palme. Stechviecher sollten verboten werden.

Der Gedanke hat mich an Bill Kaulitz erinnert, der mal gesagt hat, er und sein Bruder seien „Drinnies“, womit er gemeint hat, dass sie nicht gerne aufs Land gehen. Also unberührte Natur vor allem, das geht in Deutschland gar nicht. Na, eben nicht nur in Deutschland. Bei mir zu Hause weben die Spinnen ihre Spinnennetze immer genau zwischen unserem Fahrradschuppen und den Pflanzen auf der anderen Seite des Gartenpfades. Vor allem in dieser Jahreszeit, denn sonst ist es ja zu kalt oder zu kurz nach dem Winter. Und jetzt diese Wespen, die mir das Mittagessen klauen wollten.

Dabei finde ich die Natur eigentlich ganz schön. (Ich weiß wirklich nicht, was ich eigentlich schreiben wollte, als ich über den Muskelkater geschrieben habe, aber egal. Jetzt reden wir einfach über unberührte Natur.)
Ich wollte den Tag dort auf dem Berg verbringen, mit dieser schönen Aussicht auf die Stadt, Inspiration zum Schreiben und einfach ganz viel Ruhe. Ich mag vor allem die Ruhe, ja, die in der Natur herrscht, obwohl die Bewohner ja nie unbeschäftigt sind. Eben, hast du schon mal eine Wespe oder einen Maikäfer gesehen, der sich auf ein Bänkchen setzt und sagt: „Na, ich mach auch mal Feierabend, heute war schon ein anstrengender Tag“?
Macht ja keinen Sinn. Und trotzdem sieht’s immer so ruhig aus, friedig, denn alle haben dort ihren Platz, die scheinen sich über Nichts Sorgen zu machen, die müssen sich über Nichts den Kopf zerbrechen… Unsicherheit und Zweifel und Arroganz und Empfindlichkeit und was weiß ich noch für menschliche Defekten scheint es dort gar nicht zu geben.

Ich fange an zu labern. Wahrscheinlich Zuckerdefizit; ich muss wirklich mal was essen.
Guten Appetit!
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30.08.2011

Schwäne auf der Limmat

Zürich ist schwer zu beschreiben. Manchmal erinnert die Stadt mich an Nürnberg, manchmal an Regensburg, ein paar Stellen würden auch zu Wien perfekt passen. Das Landesmuseum sieht aus wie ein riesengroßes, mittelalterliches Kloster und der Hauptbahnhof, direkt gegenüber dem Museum, ist so hässlich und modern, dass es einen zum Lachen bringt.

In meinem Reiseführer steht „alle Sehenswürdigkeiten liegen auf engstem Raum“ und genauso ist es; obwohl die Trams alle fünf Minuten vorbeikommen, brauch ich überhaupt nicht mitzufahren (und nicht nur, weil ich ein beschränktes Budget habe), denn alles ist problemlos zu Fuß erreichbar. Es sei denn, ich wolle mir das Rotlichtviertel anschauen, doch darauf verzichte ich.

Unwillkürlich vergleiche ich Zürich mit Berlin und schlussfolgere, dass Zürich älter aussieht. Berlin ist eine Mischung aus Hässlichem und Schönem, Altem und Modernem. Zürich ist irgendwie statischer, wie eine mittelalterliche Stadt, die nur hie und da ans moderne Leben angepasst wurde, statt dass sie dem modernen den Freiraum gegeben hätte, sich aktiv einzumischen. Die ganzen kleinen Straßen, die unerwarteten kleinen Plätze, die süßen kleinen Läden, die geben so ein Gefühl der Vergangenheit, als wäre es immer so gewesen, als hätte sich nur das Warenangebot der Läden im Laufe der Zeit verändert.

Als ich heute mit dem Regionalzug nach Zürich gefahren bin (denn das Hotel ist in Uitikon Waldegg, einem kleinen Dorf in der Nähe), stiegen mit mir ein paar Leute ein, die ganz deutlich Einwohner des Dorfes waren. So ältere Leute, mit Lachfalten. Und sofort wünschte ich mir, eine von ihnen zu sein. Nicht, weil ich für immer hier bleiben wollen würde, dieser Wunsch gilt immer noch Berlin, sondern weil mir klar wurde, dass man als Tourist immer nur eine Seite der Stadt kennenlernt. Dabei würde ich so gerne wissen, wie man hier lebt. Wie es ist, hier zu leben.
An blöden Werbesprüchen fehlt es auf jeden Fall auch in Zürich nicht. Was hältst du denn von „Wir haben gute Nasen für deine Ohren“? Doch ein Spruch, den ich in der Innenstadt entdeckt habe, gefällt mir. Er gehörte zu einem Spirituosenladen (dessen Namen ich leider vergessen habe), wo auf dem Werbeplakat am Fenster in großen goldenen Buchstaben stand: „Liquid Pearls“.

Im Stadtpark, halb im Schatten, halb in der Sonne, lege ich mich auf den Rasen und höre zu. Um mich herum erklingt überall der schweizerische Akzent, und ich vergleiche ihn mit dem österreichischen und dem hochdeutschen. Ich schlussfolgere: hier in der Schweiz redet man langsam und stückweise, als käme mitten im Satz plötzlich ein Punkt. Dafür reden die Leute in Österreich so schnell, dass man die nur schwer versteht, und Hochdeutsch ist zwar langsamer als Österreichisch, doch schneller als Schweizerisch. Trotz fettem R und brüchigem Gerede konnte ich die Leute hier besser verstehen als in Wien.
(Nur die Frau hinter der Theke bei der Bäckerei, die hat schnell geredet und sofort verstand ich nichts mehr.)

Zürich gefällt mir. Die Stadt kommt mir irgendwie entspannt vor, vielleicht auch wegen des schönen Wetters (einundzwanzig Grad!), vielleicht weil ich niemanden habe eilen sehen. Und, Pluspunkt: ich habe noch nirgendwo jemanden Niederländisch reden hören.

Schöne Träume, ich schicke euch (dir?) in Gedanken ein bisschen schweizerischen Sonnenschein!

P.S. Die Limmat ist einer der Flüsse, die durch Zürich strömen. ;)
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25.08.2011

Summer days, driftin’ away

Long time, no see!
Kidding, it’s only been five days.

I’ve had a very productive day. My mom would have been proud of me, if only she hadn’t been in China. (Don’t worry, she’s coming back, she’s at some conference.) I did the dishes, I vacuum cleaned the living room, I went shopping. And then I sat outside in the garden, in the sun, and wrote another chapter on one of my stories. And to think I thought today would be terrible!

When I wake up and feel like I don’t want to get up because the day looks depressing, usually the day ends up depressing. Wishful thinking, except it’s not much of a wish. Today, however, I started out with my laptop, slouching on the couch, pretending I was the only person in the world. Until I decided to really do something, get my ass off the couch and make something out of today.

My brother got up at a quarter past two, ate breakfast in what seemed like forever, and then went back up to his room to his bed. He doesn’t seem to mind at all, but I wonder how you can live like that. He’s been doing nothing for the past two years, basically, a small attempt at college snuck in the middle, and he seems to be totally cool with that. Whereas I get annoyed after two weeks of holiday, because the waking-up-late and doing-nothing makes me feel bad about myself.

In one of my earlier posts I mentioned the real summer feeling of being able to do anything. Well, it usually is like that, but waking up late makes me uncreative and slow. Today proved it doesn’t have to be that way. So there’s only one week of summer left, and I’ll be spending it in Switzerland, but that won’t stop me from saying to you (if there actually is anyone reading this): make something out of it. Out of summer, whatever there’s left. I know for some people school’s already started again, but that doesn’t matter. Make something out of your day. It’s possible, you know.

Just needs a little convincing.

Sweet dreams :)
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20.08.2011

Rückwärts und Mehrwert

Dass die Sonne sich plötzlich gemeldet hat, können meine Nase und mein Hals bestätigen. Die tun nämlich weh, denn die sind verbrannt. Ich wollte Sonne, aber ich hatte kurz vergessen, dass ich Hitze und Sonnenlicht nicht gut vertrage.

Trotz Sonne war das „Sommergefühl“ leider bei weitem nicht zu finden. Ich habe wahrscheinlich schon erwähnt, dass ich im Herbst mit meinen Studien anfangen werde, und diese Woche also Bekanntschaft mit der Universität und der Universitätsstadt gemacht habe. Kein Picknick. Mit dem Fahrrad in den Zug kommen ist die reinste Hölle, und mit dem Fahrrad die Treppe nicht runterfallen möglichst schlimmer. Denn natürlich war der Fahrstuhl defekt. Schön.

Ich habe eine ganze Woche zwischen Studenten verbracht und nicht mal einen Tropfen Alkohol getrunken. Dabei darf ich ja eigentlich, denn ich bin inzwischen sechzehn Jahre alt, nur hatte ich nicht die geringste Lust, mein erstes Bier, das mehr als zwei Zentimeter hoch kommt, in der Gegenwart von zwei Dutzend Studenten zu nehmen.

Ein merkwürdiges Erlebnis war der Abend, den ich zwischen betrunkenen Studenten verbracht habe. Wir zogen von Kneipe zu Kneipe und in jeder tranken wir einen Schluck; die ganzen Colas hatten bei mir eine Menge Energie zur Folge, meinen Gefährten stieg das Bier ganz schnell zu Kopfe. Mit jedem Schluck wurden die ausgelassener, lustiger und langsamer. Wie die über die Straße getanzt haben... So langsam, ich konnte rückwärts laufen und war trotzdem noch schneller.

Das tolle an der Sache war, dass keiner über Studentenverbindungen oder so geredet hat, denn sie waren alle zu beschäftigt, Spaß zu haben. Ich wusste zwar, dass in dieser Universitätsstadt die Studentenverbindungen eine ziemlich wichtige Rolle im Studentenleben einnehmen, wichtiger als in den meisten Städten, nur hatte ich keine Ahnung, dass man die ganze Woche über nur darüber reden wollte. Dabei hatte ich nicht die Idee, mich einer Verbindung anzuschließen, und das ganze Gerede machte mich ein wenig widerspenstig.

Alle Verbindungsmitglieder, die ich gesprochen habe, ganz egal welcher Verbindung, haben mir gesagt, dass alle Verbindungen ganz toll seien, und eigentlich würde man überall eine schöne Studentenzeit verbringen können, und eigentlich käme es doch ganz auf die Person selbst an, ob sie sich irgendwo zu Hause fühle, und so weiter und so fort.
Also ist es im Prinzip völlig egal, welcher Verbindung man sich anschließt, denn alle sind im Grunde gleich. Oder so.
Wie auch immer, ich hab mich keiner angeschlossen, ich werde auch nächstes Jahr nicht mit dem ganzen mitmachen und ich fühle mich tausendmal besser dabei. Bin ich die Einzige, die nicht einsieht, was überhaupt der Mehrwert einer Verbindung ist?

Ich schreibe das alles an meinem neuen Laptop, oder „Klapprechner“, wie die Sprachpuristen gerne hören (obwohl die Google-Chrome-Rechtschreibprüfung das Wort nicht mal erkennt). Mein Laptop ist nicht weiter interessant, es ist nur toll, dass ich jetzt eins habe, denn übernächsten Montag fahre ich nach Zürich und mit dem Laptop im Gepäck heißt es, dass ich dort noch ins Internet komme. Hurra.
Denn es dürfte inzwischen klar sein, dass ich ohne Internet ein ziemlich leeres Leben habe.

Und ganz im Widerspruch zu diesem letzten Satz werde ich das Internet jetzt verlassen, ich hab noch zu tun. (Das heißt, ich hab Lust zu schreiben, und das klappt nicht am Computer.)

Schöne Träume!
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