10.06.2014

Hilfe!

Ganz kurz, ganz kurz - ich brauche eure Hilfe. Ich muss für die Uni eine Umfrage machen und brauche dafür deutsche Muttersprachler. Deutsche Muttersprachler, älter als sechzehn, am besten Gymnasiasten oder eben mit Abitur. Trotz meiner vier Hamburg-Monate kenne ich nicht wirklich viele, die diesen Kriterien entsprechen - ihr vielleicht? Wenn ja, würde ich mich richtig freuen, wenn ihr diese Umfrage ausfüllen und weiterleiten könntet.

Danke und schöne Träume!
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23.04.2014

Aus dem Versteck gekrochen

Heute hat mein Papa Geburtstag.

Das ist euch bestimmt völlig egal, aber ich dachte, ich fange mal mit einer erfreulichen Nachricht an.

Wie jetzt? Mich gibt es noch? Ja, scheint so. Es tut mir wirklich leid, dass ich mich nicht gemeldet habe und dass ich gleich auch wieder gehen muss. Es warten noch gefühlte drei Kilo Hausaufgaben auf mich, außerdem muss ich ganz dringend auf Klo.

Wieso ich nicht da war:

Am 31. Januar habe ich Hamburg verlassen, da mein Semester dort zu Ende war. Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich von dem Schock zu erholen, weil ich am liebsten geblieben wäre und der Kontrast zum Leben in meiner Heimatstadt ziemlich groß war. Bis ich mich wieder daran gewöhnt hatte, dass meine Mama nur an manchen Tagen daran interessiert ist, ein richtiges Gespräch mit mir zu führen anstatt mir über ihre scheiternde Dissertation einen Vortrag zu halten, war schon ein Monat vergangen.

Mein Papa ist öfter im Ausland als zu Hause und macht gerne bescheuerte Witze, die immer darauf hinauslaufen, dass ich ihm gerne mit dem größten Kochlöffel, den wir haben, eine reinhauen würde. Mein Bruder redet ausschließlich über eins von zwei Themen und zwar entweder darüber, was er heute im Unterricht gelernt hat (immer Sprachwissenschaften), oder darüber, was er heute in seinem Computerspiel gemacht hat (immer irgendwelche Kobolde geköpft).

Nachdem ich vier Monate mehr oder weniger alleine gelebt habe, kann ich mit diesen Sachen nicht mehr so richtig umgehen. Ich ärgere mich ständig und streite mich öfter mit meiner Mama als vorhin – mit meinem Papa streite ich mich nie, weil er so gut wie nie da ist, und mit meinem Bruder habe ich mich in unserer Jugend schon so oft gestritten, dass ich es gar nicht mehr versuche. Blöderweise fange ich immer an zu weinen, wenn ich richtig sauer bin, und dann geht der Effekt meiner Wut verloren.

Meine Katze ist immer noch krank und es wird nur schlimmer. Meine Oma war im Krankenhaus und ist seitdem so wirr im Kopf, dass sie meine Geburtstagsparty verlassen hat, ohne sich von jemandem zu verabschieden – dabei musste sie von meiner Tante nach Hause gefahren werden. Sonst besteht sie darauf, dass mein Bruder und ich sie zum Abschied auf beide Wangen küssen und „Tschüss, Oma!“ sagen.

Es geht mir nicht besonders gut.

Kein Grund zur Panik, aber es ist nun mal so. Ich weise leicht depressive Züge auf, außerdem wurden bei mir Anämie und Vitamin-D-Defizit festgestellt, sodass ich heute meine Medikamente bei der Apotheke abholen durfte, und ich muss bis zum 30. April eine zwanzigseitige Hausarbeit einreichen, obwohl ich noch nicht mal angefangen habe zu schreiben. Die Deadline für diese Arbeit wurde schon einmal verschoben, nochmal kann ich wirklich nicht um Terminverlängerung bitten. Ich habe seit Januar kein Wort mehr zu Papier bekommen, das nicht mit meinen Uni-Aufgaben zu tun hatte, und ich habe noch nie in meinem Leben so oft wegen meiner akademischen Leistungen bzw. wegen meiner eigenen Unfähigkeit, mit den Aufgaben fertigzuwerden, weinen müssen.

Mir wurde mein ganzes Leben lang gesagt, dass ich überdurchschnittlich intelligent bin und es besonders weit schaffen werde. Mir wurde nie gesagt, dass an der Uni alle überdurchschnittlich intelligent sind und manche – wenn nicht sogar viele – Leute es weiter schaffen werden als ich. Demzufolge halte ich mich für einen Versager, wenn jemand etwas besser kann als ich. Es ist ein schreckliches Gefühl, sich selbst eingestehen zu müssen, dass man glaubt, nur geliebt werden zu dürfen, wenn man in der Schule gut abschneidet.

Im Moment habe ich Konzentrationsprobleme, Wortfindungsprobleme sowohl im Niederländischen als auch im Englischen und Deutschen, und Gedächtnisprobleme. Ich bin plötzlich zu einem sehr langsamen Leser geworden und vergesse ständig irgendwelche Termine oder Unterlagen, die ich für den Unterricht brauche. Ich schlafe zehn bis zwölf Stunden pro Nacht und bin drei Stunden nach dem Erwachen schon wieder müde. Ich habe den Spaß am Unterricht, am Musikmachen und sogar am Schreiben verloren.

Es schmerzt, das alles hinzuschreiben. Ich studiere Psychologie und weiß ganz genau, dass es noch nie funktioniert hat, die ganzen negativen Dinge im Leben aufzuschreiben, weil man sie dann immer wieder liest und denkt: „Genauso schlimm ist es – und genauso schlimm wird es auch bleiben.“

Positive Dinge zu benennen ist wichtig.

Ich habe Freunde. Ich wüsste wirklich nicht, wie ich es ohne sie aushalten würde. Wir sehen uns zwar nicht oft, weil wir keinen gemeinsamen Unterricht mehr haben, aber wir schreiben uns täglich, schicken uns lustige Fotos per Email und verabreden uns zum Kaffee. Am Samstag gehe ich auf eine Geburtstagsparty, wir gehen zusammen ins Kino (Captain America – The Winter Soldier, wir sind alle ganz superheldenverrückt) und ich freue mich wie wahnsinnig darauf, alle wiederzusehen und ihre Stimmen und unsere Insiderwitze zu hören.

Meine beste Freundin macht eine Therapie, weil sie eine Angststörung hat. Das ist zwar nicht positiv, aber sie redet mit mir darüber und auch wenn ich ihr nicht richtig helfen kann, beruhigt es mich. Ich bin froh darüber, dass sie mit mir redet, wenn es ihr schlecht geht, weil ich dadurch weiß, dass ich ihr wirklich wichtig bin. Ich wünsche mir natürlich, dass es ihr nicht schlecht geht, aber ich bin froh, dass wir nicht nur über blödes, triviales Zeug reden, sondern dass wir uns gegenseitig so ziemlich alles anvertrauen können.

Ich hatte Geburtstag und ich habe richtig tolle Geschenke bekommen, unter anderem die komplette Harry-Potter-Reihe auf Deutsch in einer der schönsten Ausgaben, die ich je gesehen habe.

Eine alte Freundin, die urplötzlich aus meinem Leben verschwand, ist zurückgekehrt und hat sich sehr lieb für ihr Verschwinden entschuldigt. Sie studiert auch Deutsch (zwar nicht an meiner Uni) und ich freue mich, dass ich diese Begeisterung für die deutsche Sprache und Kultur mit ihr teilen kann.

Ich habe in den letzten zwei Wochen zwei schöne, luftige Sommerkleidchen gekauft und das Wetter ist gerade so gut, dass ich sie auch tatsächlich tragen kann. Ich fühle mich in meinem Körper trotz Anämie und Vitamin-D-Defizit wohl.

Ich war im März auf dem Fall-Out-Boy-Konzert in Amsterdam. Es gehört eindeutig zu den besten Konzerten meines Lebens.

Dieser Blogeintrag beträgt jetzt (ohne diesen Satz) genau 1000 Wörter. Dabei muss ich immer noch auf Toilette.


Irgendwo im Februar wurde ich von Utopie getaggt, was ich völlig übersehen habe. Ich hole das irgendwann noch nach, das verspreche ich, jetzt muss ich allerdings wirklich wieder an die Arbeit. Ich wünsche euch schönes Wetter und schöne Träume!
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10.01.2014

Dezember: eine Zusammenfassung

„Ach so, du kommst gar nicht aus Deutschland?“
„Nee, ich bin Niederländerin.“
„Niederlande? Ich war schon mal in Amsterdam!“ Rauchergeste und ein Zwinkern. Ich seufze.


 „Hast du schon gesehen? Es kommt ein Sturm auf uns zu.“
„Ein Sturm? Mist, ich fahre doch am Freitag nach Hause…“
„Ach, keine Sorge, dein Zug fährt bestimmt, du musst doch nicht nach Schleswig-Holstein. Ich mache mir nur Sorgen, dass der Fernsehturm vielleicht umkippt. Wenn du mich heute Nacht schreien hörst, weißt du ja, was passiert ist.“
Komischerweise beruhigt mich das sofort. Mein Zug fährt tatsächlich und der Fernsehturm steht noch.


„Guten Morgen, willkommen in der ersten Klasse der deutschen Bahn. Kann ich Ihnen eine Tüte Gummibärchen anbieten?“
„Sehr gerne, danke.“ Das alte Ehepaar auf den Sitzplätzen vor mir nimmt die Tütchen lächelnd entgegen.

„Beispiele von intransitiven Verben, da gibt’s eine ganze Menge: Er sitzt, er wartet, er blinzelt, er trinkt… Okay, da wird’s komisch.“


„Sie sind Vegetarierin? Oh, wie schön!  Also – es tut mir leid, wenn ich Ihnen damit zu nahe trete, aber… Wenn Sie ja kein Fleisch essen, was essen Sie dann zu Weihnachten?“
„Äh… Gemüse halt.“
„Klar, natürlich. Aber… keinen Weihnachtsbraten?“

„Guck mal, was ich mir auf dem Weihnachtsmarkt gekauft habe!“ Meine Mitbewohnerin hält mir einen Becher aus Milchglas hin, den ein Schriftzug ziert: Hamburg, die schönste Stadt. „Ja, wir Hamburger sind ein wenig selbstverliebt!“


„Tut mir leid, das mit dem Spenden geht wohl nicht, ich hab kein deutsches Bankkonto.“
„Wie jetzt? Du bist nicht deutsch?“
„Nein, ich bin nur bis Ende Januar hier. Auslandsemester.“
„Das ist nicht dein Ernst! Wie kannst du Hamburg nur so schnell wieder verlassen?“


Das frage ich mich auch.
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13.11.2013

So unfassbar wissenschaftlich

Nach einem ruhigen Start ins Semester hat die Uni jetzt so richtig angefangen. An meinem ersten richtigen Unterrichtstag fühlte ich mich wie in einer Parallelwelt: dreißig Germanistikstudenten, das gibt’s doch nicht? In der ersten Woche reichen die Sitzplätze im Seminarraum nicht aus, die verspäteten Teilnehmer müssen mit der Fensterbank vorlieb nehmen und ich staune nicht schlecht. Wo kommen sie alle her?

Es sieht ganz danach aus, dass Germanistik in Deutschland die Stelle einnimmt, die in den Niederlanden vom Psychologiestudium gefüllt wird. Wer nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll, verschiebt die Entscheidung auf später und studiert erst einfach mal Germanistik. Kann ja nicht schaden.

Dabei ist die Germanistik tatsächlich eine sehr ernstzunehmende Wissenschaft. So erzieht das Institut für Germanistik zumindest seine Studenten, die mit lateinischen Begriffen, fünfsilbrigen Wörtern und tiefgründigen Literaturanalysen um sich werfen, als wären sie Zwarte Pieten. Ich sitze daneben und fühle mich strohdoof. Meine Gedanken hören sich ungefähr so an: „Wie bitte? Was meinst du? Ach so. Der Protagonist ist traurig. Ja, genau. Das hätte ich dir auch sagen können und zwar in einer Sprache, die wir alle verstehen.“

Mittlerweile habe ich den Dreh raus und kratze mich nicht länger ständig an der Stirn, aber in den ersten Wochen machte ich durchgehend große Augen. Irgendwann schüchtern die langen Wörter einfach nicht mehr ein, denn irgendwann versteht man: Diese Studenten wissen wirklich nicht mehr als ich, sie haben nur gelernt, ihre Unwissenheit in Pseudo-Latein zu verpacken.

Als ich mit meinem Referat dran war, musste ich mir richtig Mühe geben, den Figuren keine schrägen Spitznamen zu verpassen, so wie ich es zu Hause immer mache. Ich habe mich selbst dabei ertappt, wie mein Kopf „Erec, Ritter des Artushofes“ durch „der Typ mit seinem Zwergproblem“ ersetzen wollte.

In den Niederlanden wurde mir oft genug gesagt, dass ich zu informell spreche. Da war es mir aber in den meisten Situation erlaubt, auch wenn die Dozenten manchmal geseufzt haben. In Deutschland traue ich mich nicht. Hier sind alle so unfassbar wissenschaftlich, fast elitär. Das passt irgendwie gar nicht zu der Feststellung, dass Germanistik ein Studium für die unverbesserlich Faulen und schrecklich Unmotivierten ist, aber es ist trotzdem so.


Ich habe bis jetzt aber jede Sitzung überstanden (inklusive Referat) und es geht mir gut. Der erste Monat war ganz schön schnell vorbei. Weniger als drei Monate übrig. Die Zeit läuft, halt sie auf…
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Zwarte Pieten gehören übrigens zum niederländischen Sinterklaas-Fest. Wenn ihr die Anspielung nicht versteht, es gibt einen Wikipedia-Artikel über diese Tradition. ;)
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24.10.2013

Uni überall

Der Schanzenpark trennt das Szeneviertel vom Stadtteil Rotherbaum – und diesem Stadtteil ist die große Ehre vorbehalten, das Univiertel zu sein. Von der Rothenbaumer Seite des Parks sind es nur zehn Gehminuten bis zum Von-Melle-Park, wo die Geisteswissenschaftler in ihrem Philosophenturm das Zepter schwingen. Wenn man sich in diesem Viertel voller Copyshops und Dönerbuden verirrt, können es auch mal dreißig Gehminuten werden (was eurer Berichterstatterin natürlich noch nie passiert ist).

Von-Melle-Park.
Der Campus sieht auf den ersten Blick nicht besonders groß aus. Ein paar Gebäude, eher kompakt gestaltet, nich allzu weit voneinander entfernt. In der Mitte befinden sich eine hübsche Grünfläche, in dieser Jahreszeit mit farbigen Herbstblättern übersät, und ein kleiner Teich, genauso herbstlich ausgestattet. Aus den Mensen strömen die herrlichen Düfte des sehr preiswerten Essens. Wer sich daran vorbei traut, zwängt sich in einen überfüllten Aufzug und steigt auf zu Macht und Wissen.

Der Philosophenturm.
Die Seminarräume des Germanistikinstituts befinden sich im dreizehnten Stock.

Eigentlich ganz gut, dass der Aufzug im zwölften Stock endet. Es gibt im Viertel unzählige Bäckereien, mindestens hundert Cafés, ein Dutzend Falafel- und Dönerläden, zwei bis zehn Eisdielen, einen Kiosk (oder auch fünf) und sogar einen Typen, der Backkartoffeln verkauft und dank der Unmengen von hungrigen Studenten vermutlich eine Million am Tag verdient. Die meisten Läden tragen irgendwo die Aufschrift „Uni“ – Uni-Buchhandlung, Uni-Copyshop, Uni-Pommesbude – und haben immer ein Studentenangebot. Vielleicht muss ich dem Fitnessstudio direkt gegenüber meinem Zimmer bald mal einen Besuch abstatten.

Oder ich besorge mir ein Fahrrad, denn hier wird fleißig gefahren – und zwar oft, schnell und nicht immer mit den nötigen Sicherheitsmaßnahmen. Ich lebe schon seit drei Wochen als Fußgänger und kann immer noch nicht so genau zwischen Bürgersteig und Fahrradweg unterscheiden. Außerdem scheinen die Radfahrer eher selten eine Klingel zu besitzen, geschweige denn sie zu benutzen. Hier wird man entweder überfahren oder angeschrien. Geht auch.

Papendamm - in dieser Straße befindet sich mein Zimmer.
So sieht das Leben momentan aus: in malerischen Herbstfarben gestrichen, duftend nach Kaffee und Mensaspaghetti, und wenn die Sonne scheint, ist der Philosophenturm gar nicht mal so hässlich. An dieses Leben könnte ich mich glatt gewöhnen.
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14.10.2013

Schön entspannt nervös

Die Tür zur Damentoilette quietscht schrecklich, wenn sie aufgestoßen wird. Das heißt, sie quietscht in Endlosschleife, denn diese Toiletten befinden sich in unmittelbarer Nähe zu den großen Hörsälen im Erdgeschoss des Philosophenturms und sind also für sämtliche Geisteswissenschaften-Studentinnen die letzte Station vor der zweistündigen Vorlesung.

Ich wasche mir die Hände, trockne sie mit einem Papierhandtuch und begebe mich langsam zum Hörsaal. Dort wische ich mir nervös die Hände an der Hose ab, ehe ich mir einen Platz suche und meinen Notizblock aus der Tasche krame. Ich atme einmal tief durch und rede mir ein, dass ich ganz genau weiß, was gleich passieren wird.

Artus und die Ritter der Tafelrunde. Meine erste Vorlesung in Deutschland. In Wirklichkeit habe ich keine Ahnung, was auf mich zukommt.

Die Vorlesung läuft erstaunlich normal ab. Ich schlafe in der ersten Viertelstunde fast ein, weil der Dozent etwas Organisatorisches erklärt, das auf mich als Erasmus-Studentin nicht zutrifft. Danach erzählt er kurz, was er uns gerne beibringen möchte, und macht ein paar Witze, wofür ich ihm dankbar bin. Sobald wir uns dem eigentlichen Unterrichtsstoff widmen, stelle ich fest, dass da für mich nicht viel Neues dabei ist. Es ist ja auch nur die Einführung. Außerdem ist es schön entspannt, wenn ich nicht wie wahnsinnig mitschreiben muss.

Nach einer knappen Stunde legen wir eine zehnminütige Pause ein. Ich blicke mich verstohlen um und sehe, wie die meisten Studenten nach einem Snack greifen. Manche trinken einen Kaffee, manche verschwinden nach draußen, um eine zu rauchen. Der einzige Unterschied zu den Vorlesungen in Leiden, den ich bis jetzt entdecken kann, besteht darin, dass der Hörsaal einen Balkon hat, wo sich die Raucher häufen.

Eine Dreiviertelstunde später, laut Stundenplan fünfzehn Minuten zu früh, entlässt der Dozent uns in die Freiheit. Die Studenten klopfen Beifall auf die Tische – ich ziehe verwirrt die Augenbrauen hoch und dann fällt mir ein, dass mir dieser Brauch eigentlich bekannt ist. Ich bin sowieso eine, die den Applaus nach einer Vorlesung doof findet. Der Dozent macht doch nur seinen Job und ich klatsche ja auch nicht, wenn die Kassiererin meine Einkäufe erfolgreich gescannt hat. Das passt gerade gut, denn ich mache mich wenigstens nicht zum Affen, indem ich als Einzige in die Hände klatsche.


Viel gelernt habe ich heute nicht, dafür aber wichtige Erkenntnisse gewonnen: Vorlesungen in Deutschland unterscheiden sich kaum von denen zu Hause (und die Stühle im Hörsaal sind bequemer).
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07.10.2013

Darf ich vorstellen: Hamburg

Es tut mir echt leid, dass ich mich solange nicht gemeldet hab! Ich hatte die ganze Zeit zu tun, bin zwischendurch nach Hamburg gezogen, dann hatte ich plötzlich kein Zimmer in Hamburg, dann herrschte erst einmal das Chaos, dann gab’s ein Zimmer, dann musste ich wieder umziehen… Jetzt bin ich (hoffentlich) zum letzten Mal umgezogen und kann mich wieder anderen Sachen widmen, wie zum Beispiel meinem Blog.

Ich habe jetzt für meine Mitstudenten in den Niederlanden auch einen Blog, auf der Webseite des Studienvereins. Den Eintrag hier (außer diesen zwei Absätzen) habe ich für den Blog geschrieben, aber das macht ja nichts. Die Einträge für den Blog da kriegt ihr einfach auch, dann gibt’s vielleicht etwas regelmäßiger Lesestoff für euch. :)

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Wer sich Hamburg aus dem Süden nähert, findet sich zuerst in einem Labyrinth aus Kränen und Containern wieder. Man fährt über die Hochstraße, die einen sicher zur Stadt führt, und bemerkt irgendwann, dass die Kräne den Gebäuden gewichen sind. Gebäuden aus Stahl und Glas, einem Industriegebiet. Dann fährt man unter einer Brücke hindurch und siehe: Man ist in Altona.

Links und rechts stehen die Altbauhäuser. Meistens vier oder fünf Stockwerke, Stufen, die zur Eingangstür führen. Drinnen das große Treppenhaus, die hohen Decken und die Holzböden, die bei jedem noch so leisen Schritt aufstöhnen, als hätte man ihnen mit einer Axt gedroht. Hohe Fenster, kleine Balkons, heller Putz.
  


Graffiti.

Sämtliche Gebäude im Bezirk Altona, im westlichen Teil von Hamburg, scheinen getaggt zu sein – mit Graffiti vollgesprüht. Wer durchs Schanzenviertel, im östlichen Altona, läuft, sieht zunächst nur die aufgemalten Wörter, unleserlich, wie Geheimsprache. Ob Altbau, renovierter Altbau oder wie Altbau aussehender Neubau, überall ziert das Graffiti die Backsteinhäuser. Hie und da entdeckt ein aufmerksamer Tourist ein richtiges Bild, ein Piece. Außer die Neuankömmlinge schaut keiner hin. Jeder Hauseingang ist bemalt und mit Flyern zugeklebt.

Respektlosigkeit?
Künstlerische Freiheit?
Langeweile?
Vandalismus?
Modernisierung?
Individualität?


Es gibt keine großen Ladenketten in diesem Teil von Hamburg. Wer bei H&M eine Shoppingtour einlegen möchte, muss zum Jungfernstieg; an der Alster in der Altstadt befinden sich die Markenläden. Nicht nur H&M, sondern auch die Geschäfte für Leute, die sich mehr leisten können: Gucci, Hugo Boss, Bulgari, Louis Vuitton. Hier befindet sich Hamburgs 5th Avenue.

Altona ist Hamburgs SoHo, zumindest das Schanzenviertel und Sankt Pauli sind es. Alternativläden, freischaffende Künstler, Schneider und Tischler, mutige Einzelpersonen, die einen Waschsalon, ein Café oder einen Musikladen betreiben. Wie zusammengewürfelt, nur vom überall anwesenden Graffiti zusammengehalten.


Nicht umsonst  ist das hier das Studentenviertel, das Szenenviertel. Hier gibt es die Cafés, die Bars, die Clubs, die Toleranz für alles Denkbare. Im Supermarkt steht ein Punker mit blauem Irokesenschnitt, er trägt Netzstrümpfe in seinen regenbogenfarbenen Dr. Martens, karierte Shorts und eine Jacke voller Buttons. Er fragt einen Mitarbeiter, der eindeutig türkischer Herkunft ist, ob er sich eine Tomate aus einer Viererpackung nehmen darf, da die einzeln verkauften Tomaten alle sind. Der Mitarbeiter kratzt sich am Kopf, aber verzieht kein einziges Mal das Gesicht. Er ist bestimmt Ausgeflippteres gewohnt.


Vier Monate in Hamburg-Altona?
Kriege ich hin.
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09.09.2013

Reise durch den Kleiderschrank

Neulich habe ich meinen Kleiderschrank aufgeräumt. Ausgeräumt, könnte man auch sagen. Ich habe mir in München nämlich ein paar neue Sachen gekauft und dann festgestellt, dass mein Schrank ein wenig überfüllt war. Also habe ich meine uralten Klamotten aussortiert.

Es hat sich ein wenig wie eine Reise durch meine Gymnasiumzeit angefühlt. Manche Klamotten habe ich in der ersten Klasse des Gymnasiums auch schon getragen, die lagen immer noch ganz hinten im Schrank aufgestapelt und grinsten mir zu. Für manche Sachen habe ich mich beim Aufräumen echt geschämt, ich konnte gar nicht fassen, dass ich die tatsächlich irgendwann mal schön fand. Ich denke aber, das gehört auch irgendwie dazu.

Ich habe auch feststellen müssen, dass ich mit 11 genau dieselben Klamotten getragen habe wie mit 16, oder zumindest denselben Stil – Jeans und T-Shirt. Ich erinnere mich noch genau daran, dass ich irgendwann mit meiner Mama nach der perfekten Jeans gesucht habe. Damals verstand ich unter „der perfekten Jeans“ eine dunkelblaue, etwas enganliegende Hose. Was ich damit ausdrücken wollte, weiß ich eigentlich nicht. Ich weiß nur, dass ich niemandem aufgefallen bin.

Es ist mir fast ein wenig peinlich, wie stolz ich darauf bin, dass ich in den letzten zwei Jahren kein einziges Mal eine Jeans getragen habe – bzw. keine „normale“ Bluejeans, denn ich besitze eine schwarze Jeanshose mit aufgedruckten Sternen, die ich gerne trage.

Was ich eigentlich damit meine: Ich habe irgendwann angefangen zu verstehen, dass ich mich in diesem Jeans-und-T-Shirt-Stil nie wohlgefühlt habe. Es war zwar in gewisser Weise ein „sicherer“ Stil, weil ich niemandem negativ aufgefallen bin, keine Blicke auf mich gezogen habe, mir keine Sprüche anhören musste. Ich war mehr oder weniger unsichtbar und irgendwann fand ich den Mut, diese Unsichtbarkeit abzuschütteln.

Nicht, dass ich eines Tages aufgewacht bin und meine Jeans in den Müll geschmissen habe. Es war vielmehr ein schleichender Prozess, der wohl damit anfing, dass ich mir statt einer Hose einen Rock anzog. Dann kam die Zeit, in der ich nur noch Röcke und Kleider getragen habe, dann kam der Winter, in dem mir irgendwann so kalt war, dass ich mir dann doch lieber eine Hose anzog – aber eine mit Schottenmuster. Nach und nach verschwanden die alten Zeichentrickfiguren-Shirts (obwohl ich die manchmal immer noch als Pyjama benutze).

Okay, irgendwann sollte dieser Eintrag zum Punkt kommen, ich erinnere mich aber nicht mehr, was der Punkt ist.

Die Reise, genau. Ich fand es irgendwie lustig, beim Aufräumen genau die Entwicklung sehen zu können, die ich in den letzten Jahren was Persönlichkeit betrifft durchgemacht habe, diese Entwicklung vom totalen Mauerblümchen hin zu… na ja, ich bin definitiv kein Partymensch und werde wohl nie gerne im Mittelpunkt stehen, aber unsichtbar bin ich nicht und ich habe auch keine Angst mehr, etwas Auffälliges zu tragen, wie eben meine Schottenmusterhose oder gestreifte Overknee-Strümpfe oder meinen heißgeliebten knallgelben Wintermantel.

Dass man diese Entwicklung in meinem Kleiderschrank sehen kann – das war der Punkt, glaube ich.


Schöne Träume!
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03.09.2013

Katzenskelett

Ich war im Stress, tut mir leid, dass ich mich nicht gemeldet habe. In den letzten Wochen war ich damit beschäftigt, das Chaos in meinem Zimmer zu beseitigen, außerdem habe ich mich mit Freunden getroffen und meiner Mama geholfen, das mit der Katze auf die Reihe zu kriegen.

Wir kriegen aber nichts auf die Reihe.

Vor einer Stunde kam Mama zu mir ins Zimmer und meinte, wir müssten mal über die Katze reden. Morgen fahren meine Eltern mit Grover zum Tierarzt – bis jetzt haben wir ihn jeden Tag ganz brav mit dem Insulin versorgt, aber es bringt nichts. Der Blutzuckerspiegel ist zu hoch, er nimmt nur noch ab und auch wenn er nicht länger ständig miaut, weil er Hunger hat, geht es ihm beschissen. Er wiegt nur noch 2,5 Kilo. Der Tierarzt meinte, das Gewicht eines Katzenskelettes beträgt durchschnittlich zwei Kilo. Das heißt, seine komplette Muskulatur wiegt nur noch ein halbes Kilo. Meine Katze besteht aus Skelett und Fell, sonst nichts.
Es gibt eine letzte Möglichkeit, eine letzte Erklärung dafür, dass das Insulin nicht funktioniert, denn es könnte so sein, dass er die falsche Art von Insulin bekommt. Anscheinend gibt es zwei Varianten. Ich frage mich aber, wieso es der Tierarzt nicht schon vorgeschlagen hat, die zweite Variante mal auszuprobieren. Hat er einfach nicht daran gedacht? Oder meint er, auch das wird nichts bringen?

Mama hat mich gefragt, ob ich es sofort wissen will, wenn sie und Papa sich dafür entscheiden, die Katze einschläfern zu lassen, oder ob ich es erst erfahren möchte, nachdem es schon passiert ist. Meine Antwort bestand daraus, dass ich in Tränen ausbrach.

Wenn ich hier irgendwann hinschreibe, er ist tot, dann wisst ihr, wen ich damit meine.


(Ich verspreche aber, dass mein nächster Eintrag etwas fröhlicher sein wird. Ich gebe mir Mühe, ich weiß schon, worüber ich schreiben möchte, aber es wird vielleicht noch ein wenig dauern, weil mir nach diesem Gespräch mit meiner Mama nicht mehr danach ist.)
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14.08.2013

Sachen, die wir nicht gemacht haben

  • Wir sind nicht am Sonntagmorgen in den Englischen Garten gegangen, um dort in der Kühle (die immer noch heiß ist) ein paar Stunden mit Lesen und Schlafen zu verbringen.
  • Wir haben weder Badminton noch Volleyball gespielt, dabei waren wir uns im Juli doch so sicher, dass wir beides tun würden.
  • Wir haben weder Innsbruck noch Würzburg noch Augsburg noch Nürnberg noch Heidelberg noch Regensburg noch irgendeine Burg besucht.
  • Wir haben keine Ausflüge zu viert gemacht.

Unser Familienleben steht zurzeit etwas unter Druck.
Etwas?
Gewaltig.
Unsere Katze – meine süße, doofe, kleine Lieblingskatze, die auf meinem Kopfkissen und den Heften mit meinen Geschichten schläft und über meinen Schreibtisch spaziert, wenn ich versuche zu studieren – diese Katze, Grover, ist vor kurzem an Diabetes erkrankt und der Tierarzt hat nur eine Sache angemerkt, über die man positiv sein kann, und zwar dass er in der letzten Woche nur ein halbes Kilo abgenommen hat. Uns bleiben nur drei Kilo einer Katze übrig.
Grover bekommt Insulin gespritzt, zweimal täglich, aber bis jetzt scheint das völlig überflüssig zu sein, denn sein Blutzuckerspiegel ist immer noch zu hoch und daran hat sich auch nach Erhöhung der Insulindose nichts geändert. Er hat ständig Hunger und ist langsam, fast schläfrig. Zweimal haben wir schon gedacht, es geht ihm so schlecht, er überlebt das Wochenende nicht.
Mama ist mit der kranken Katze ganz alleine. Sie muss ihm seine Spritzen geben, ihm beim Essen zusehen, dafür sorgen, dass er weder zu viel noch zu wenig isst. Gleichzeitig muss sie arbeiten, ihre Dissertation schreiben, für den Haushalt sorgen und abends ohne Papa einschlafen. Krise – also brechen mein Bruder und ich unseren Urlaub in München ab und fahren am Samstag nach Hause, um Mama zu unterstützen. Papa muss hier in München noch arbeiten.

Wieso entspricht die Realität nie unseren Erwartungen? Ich hatte mir den Sommer hundertmal schöner vorgestellt. Das einzige Unschöne hätte sein sollen, dass Mama nicht jede Woche zu uns nach München kommen konnte. Stattdessen war das einzige Schöne unser Festivaltag, den wir eigentlich zu viert hätten genießen sollen. Dass ich Camp NaNoWriMo geschafft habe war auch nicht schlecht.
Klar gab es schöne Momente – aber ich habe in den letzten Wochen so oft geweint, Angst wegen meiner Katze gehabt, mir Sorgen um meine Mama gemacht, das Schicksal verflucht, weil es uns den schönen Familienurlaub unmöglich gemacht hat, dass alle tollen Momente in den Hintergrund rücken, sobald sie vorüber sind.
Und dann fragt sich Papa immer noch, wieso ich mich an ihn kuschele, wenn er abends nach der Arbeit endlich wieder da ist. Gestern hat er mir wortwörtlich gesagt: „Das wundert mich, weil du doch schon achtzehn bist.“
Du musst mich trösten, hörst du. Da ist mein Alter doch scheißegal.

Es macht mich unendlich traurig, dass keine meiner schönen Vorstellungen Wahrheit geworden ist. Wieso ist im realen Leben nichts so toll wie in meiner Fantasie? Ich würde so gern jeden glücklich sehen. Im Moment ist wohl niemand so richtig glücklich.

Die Realität kotzt mich an.
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12.08.2013

Tag! III

Ich habe wieder einen Blogaward bekommen, danke an das kleine Nichts! :) Da ich diesen Award schon mal bekommen habe und den damals schon nicht wirklich weiter verleihen konnte, versuche ich es diesmal erst gar nicht und beantworte nur die fünf Fragen. Ich hoffe, das ist okay.

1. Auf welches Konzert würdest du gerne gehen? Ich bin grade voll in Konzertstimmung, da ich ja vor drei Tagen auf einem Festival war, und ich würde die Ärzte schon gerne nochmal sehen, diesmal mit besseren Songkenntnissen. Editors nochmal wäre auch nicht schlecht, außerdem kommen Thirty Seconds To Mars bald nach Europa und ich hoffe soooo sehr, dass Tokio Hotel irgendwann wieder anfangen zu touren. Fall Out Boy würde ich auch ganz gerne live sehen.
2. Was bewegt dich gerade? Alles. Musik hauptsächlich. Glückliche Momente. Ich bin ständig auf der Suche nach dem Glücksgefühl und finde das im Schreiben, in der Musik, in Büchern. Dabei bin ich im Allgemeinen ein sentimentaler Mensch, also sobald irgendwas schön ist, fange ich an zu weinen oder wie ein Kaninchen in der Wohnung rumzuhüpfen.
3. Welche Jahreszeit gefällt dir am besten und wieso? Schwierig. Ich würde sagen, ich mag die letzten Frühlingswochen und die ersten Sommertage und die Mitte des Herbstes (sagt man das so?) und die Momente im Winter, wo es schneit.
Den Winter kann ich am wenigsten leiden, weil mir so schnell kalt ist und mich die Dunkelheit deprimiert. Herbst ist mir zu grau, ich mag aber die Bäume und den Moment mitten im Herbst, wo man sich plötzlich umschaut und sieht, dass alle Blätter sich verfärbt haben. Im Sommer mag ich das Gefühl der Freiheit, dass ich keine Jacke tragen oder gar mitnehmen muss, wenn ich aus dem Haus gehe.
Vor allem mag ich aber den Frühling, wenn alles anfängt grüner und heller zu werden, wenn es wieder junge Tiere gibt und ich nicht im Dunklen aufstehen muss. Da verschwindet dann endlich dieses trübe Wintergefühl.
4. Wo wärst du jetzt gerne? Irgendwo mit meinen Freunden auf einer Festivalwiese, gute Musik im Hintergrund und ganz viel Sonnenschein. (Jaaaa, ich bin grade festivalsüchtig, tut mir leid, ich kann einfach nicht aufhören, davon zu schwärmen.)
5. Dürfen Vegetarier Mücken erschlagen? Natürlich dürfen sie das.
Erstens bedeutet „vegetarisch“ im Grunde genommen nur, dass man weder Fleisch noch Fisch isst, das hat mit Insekten gar nichts zu tun. Ich würde zwar keine Insekten essen, aber das ist hauptsächlich nur, weil ich die eklig finde. Manche Leute finden, das Boykotten von Lederwaren gehört auch dazu – muss aber nicht sein, meiner Meinung nach. Das kommt natürlich schon ein wenig auf den persönlichen Grund an, weswegen man Vegetarier ist.
Ich zum Beispiel bin Vegetarierin, weil ich die intensive Tierhaltung und Fischerei schrecklich finde. Ich mag halt den Gedanken nicht, dass ich indirekt zu dieser Intensivtierhaltung beitragen würde, wenn ich deren Produkte kaufen und essen würde. Dann wäre es natürlich möglich, biologische Produkte zu kaufen, aber ich finde, um irgendwie Bewusstsein bei den Leuten zu schaffen, sollte man komplett auf Fleisch und Fisch verzichten. (Außerdem finde ich Schweine einfach zu putzig. Ich liiiebe Schweine, und zwar lebendige.) Das hat eben auch nichts mit Mücken zu tun.
Zweitens sind Mücken Ungeziefer, können Krankheitsüberträger sein und allergische Reaktionen auslösen – das heißt, sie können gefährlich sein. Da hat jeder das Recht, sie zu erschlagen. Vegetarier zu sein bedeutet nicht, Mitleid mit jedem einzelnen Tier zu haben oder sich aktiv für Tierrechte einzusetzen oder sich irgendwo im Regenwald an einen Baum zu ketten, um den Lebensraum der Chamäleons zu schützen. Es bedeutet einfach nur, dass man aus welchem Grund auch immer auf Fleisch und Fisch verzichtet.
Aber wie immer gilt: wenn man den Gedanken nicht ertragen kann, dann muss man ja nicht. Wer meint, als Vegetarier keine Mücken erschlagen zu dürfen, der muss auch gar keine Mücken erschlagen. Ich finde es nur ätzend, wenn Leute anderen Menschen so etwas vorschreiben. Du darfst das nicht, weil... Hör bloß auf. Wenn es nicht irgendwie gesetzlich festgelegt ist, was man darf und nicht darf, dann ist das eine individuelle Entscheidung. Meine ist, dass Vegetarier durchaus Mücken erschlagen dürfen.

Schöne Träume!
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11.08.2013

Ein Kopf voller Musik

Vorgestern war das Taubertal-Festival. Ich wollte eigentlich schon gestern darüber berichten, aber ich war einfach zu müde. Das heißt aber schon, dass das Festival geil war. :D

Wir sind am Donnerstag schon in Rothenburg ob der Tauber angekommen, damit wir eine ruhige Nacht im Hotel verbringen und dann am Freitagmorgen noch ein wenig durch die Stadt wandern konnten, bevor es dann mit dem Festival losging. Wir hätten zu viert sein sollen, meine Eltern, mein Bruder und ich, aber meine Mama konnte leider nicht aus den Niederlanden weg und somit waren wir zu dritt. Das war schon ziemlich schade. Ich hatte mich darauf gefreut, endlich mal wieder etwas zu viert zu unternehmen, und das hat doch nicht geklappt.

So gegen drei Uhr mittags fing es dann an, wir befanden uns auf dem Konzertgelände. Es sah schon wunderschön aus, das Festival heißt nicht ohne Grund Taubertal, denn es findet tatsächlich in einem Tal statt und ist komplett von Bäumen und Hügeln umgeben.



Mein Bruder mag keinen Lärm. Wieso er mit aufs Festival wollte, werde ich wohl nie verstehen, aber jedenfalls hat er sich ganz oben in eine Ecke zurückgezogen und von dort aus das ganze beobachtet, wo die Musik nicht so laut war. Mein Papa und ich haben uns eher vorne hingesetzt, auf dem Teil des Geländes, der etwas höher war als der Rest. Ich konnte sogar die Bühne ganz gut sehen.

Als die erste Band (Intronomic, hieß sie) angefangen hat zu spielen, standen nur so dreißig Leute vorne bei der Bühne. Die Band tat mir total leid, man hat ihnen angesehen, dass sie voll nervös waren, außerdem war es ihr erster großer Auftritt, soweit ich das mitbekommen habe. Und dann spielten sie vor einem so kleinen Publikum. Der Sänger hat irgendwann versucht, sie zum Mitsingen zu bewegen, aber das hat er nicht geschafft. Ich fand die Band gar nicht so schlecht, sie wirkten halt nur so schüchtern und nicht besonders überzeugend. Bei den letzten Songs wurde es etwas besser, da haben sie sich endlich getraut, etwas lauter zu spielen. Trotzdem habe ich jetzt schon wieder vergessen, was für Musik sie gespielt haben.

Die zweite Performance des Tages war von Jennifer Rostock. Ich kannte nur den Namen und irgendwie habe ich mir immer eine süße Singer-Songwriterin vorgestellt, ich war total geschockt, als sich herausstellte, dass es sich um eine Rockband handelte. Sie waren aber richtig gut. Tolle Songs, sehr professionell, voller Energie. Da konnte man nur mit dem Kopf wippen und grinsen, weil es einfach überdeutlich war, dass es ihnen Spaß machte, auf der Bühne zu stehen und zu spielen. Ich kaufe mir mal ein Album von denen.

Die dritte Band habe ich nicht ganz mitgekriegt, weil die richtig langweilig waren. Ich habe im Internet ein paar Kommentare über die Band gelesen (… Trail Of Dead) und die haben sie alle gelobt, aber ich fand sie langweilig. Sie haben irgendwie die ganze Zeit denselben Song gespielt, so hat es sich zumindest angehört, und die Gitarre war ganz wichtig und ab und zu hat der Sänger zwei Sätze gesungen. Es waren keine richtigen Lieder, nur Gitarrensound. Sogar mein Bruder fand sie langweilig und der steht auf solche laute, nicht unbedingt melodiöse Musik.

Der vierte Auftritt war der, auf den mein Papa sich wie ein kleines Kind gefreut hat. Editors. Sie sind zurzeit seine Lieblingsband und er hört sie ständig, im Auto, zu Hause, beim Kochen, bei allem einfach. Ich mag sie auch, ihre Lieder sind schön und der Sänger kann unfassbar gut singen, also haben wir uns beide gefreut und wir standen dann zusammen im zweiten Fach vor der Bühne, relativ in der Mitte. Gute Aussicht, aber nicht allzu weit nach vorne, also in Sicherheit. Kein Moshpit in der Nähe.
Die Band war richtig gut. Der Sänger hat alle begeistert und ich fand den Drummer niedlich, der ist total abgegangen und hat, glaube ich, nichts mitbekommen außer die Musik. Irgendein angetrunkener Typ stand hinter uns im Publikum und wusste gar nicht, wie die Band heißt, aber er meinte irgendwann während des Auftritts: „Ey, super, keine Scheiße, einfach spielen.“ Das stimmt auch so. Die Band redet nur wenig, sie sagten hin und wieder danke, sie stehen einfach auf der Bühne und machen Musik und reißen die Leute komplett mit. Ich habe sogar ein wenig getanzt, ein wahres Wunder.
Außerdem war es richtig toll, meinen Papa so glücklich zu sehen. Ich wusste ja, dass er Musik liebt, aber wir waren noch nie zusammen auf einem Konzert (wieso eigentlich nicht?) und es hat mich gefreut, dass er total entspannt war und es offensichtlich genossen hat, die Band live zu sehen.


Editors. Gitarrist, Sänger und Bassist.
Der Abschluss des Abends waren die Ärzte. Es hat mich umgehauen, wie viele Leute plötzlich auf der Wiese standen, das hätte ich nie erwartet, wirklich alle Festivalbesucher waren da. Und alle haben mitgebrüllt, alle waren unfassbar textsicher. Bei keiner niederländischen Band würde ein Festivalpublikum jeden einzelnen Song mitsingen können, da bin ich mir sicher, so was gibt es bei uns einfach nicht.
Es war unbeschreiblich. Ich kannte nur ein paar Songs und trotzdem habe ich die zwei Stunden genossen. Sie waren auch total professionell, haben zwischendurch Witze gemacht und miteinander geredet, als wäre das komplett normal auf einer Bühne während einer Performance, und dann folgten wieder ein paar Lieder. Es war klar, dass die Bandmitglieder sich schon seit Ewigkeiten kennen. Oft brauchten sie sich nicht mal anzuschauen, um trotzdem gleichzeitig mit dem Spielen anzufangen.
Und ich habe schon seit Freitag den Ohrwurm: Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wäre nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.

Alles in allem: Taubertal war der Wahnsinn!

Schöne Träume :)
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18.07.2013

Atelophobie

Heute kommt er endlich, ziemlich verspätet, aber (wie ihr sehen werdet) immer noch relevant: mein Eintrag über Pinkpop.

Die Musik war super. Meine persönlichen Highlights waren Thirty Seconds To Mars, Green Day und Puggy. Außerdem fand ich Paramore richtig gut und ich glaube, ich werde mir mal ein Album von The Killers kaufen. Und ich hab die Autogramme von Thirty Seconds To Mars. Ich hab mich eigentlich immer gefragt, was denn an Autogrammen so toll ist, aber ich verstehe es jetzt. Es ist irgendwie ein Beweis dafür, dass es diese Leute tatsächlich gibt, dass diese Band nicht bloß Beats aus einem Computer sind, sondern Künstler, die man treffen kann und mit denen man reden könnte, wenn sie nicht ständig auf Trab wären.

Ein Festival ist etwas ganz anderes als ein „normales“ Konzert. Ich habe jetzt entdeckt, dass ich so eine Festivalwiese bevorzuge, weil es einfach viel freier ist. Die Luft wird nie stickig, man kann sich immer irgendwo hinsetzen und trotzdem noch die Musik hören, es gibt große Bildschirme, sodass man auch noch etwas sehen kann, wenn man nicht in den ersten drei Reihen steht, und man kann die Sonne genießen, zumindest wenn sie scheint. Und wir hatten richtig schönes Wetter. Geregnet hat’s nur einmal und ganz kurz, und dann gab es einen Regenbogen. :D

Was mich aber noch mehr beeindruckt hat als der Regenbogen, das waren die Menschen. Nicht bloß weil es so viele waren, sondern vor allem weil sie so menschlich waren.
Atelophobie heißt Angst davor, imperfekt oder nicht „gut genug“ zu sein, und ich kenne das Gefühl schon, seit ich weiß, dass andere Leute etwas von mir erwarten könnten. Das bezieht sich nicht nur auf schulische Leistungen, sondern auch auf „körperliche“. Dank Werbeplakaten, Zeitschriftencovers und Co. mache ich mir immer Sorgen darüber, dass ich nicht wie ein in Photoshop bearbeitetes Bild aussehe.
Und dann … Pinkpop.
Und dann so viele Leute, denen das so unglaublich scheißegal war, oder zumindest sahen sie so aus, weil sie mit den hässlichsten Frisuren, peinlichsten Klamotten, haarigsten Beinen, richtig schlecht gezeichneten Tattoos und fetten Pickeln im Gesicht auf der Wiese standen und beim Mitbrüllen keinen einzigen Ton trafen und komplett aus dem Takt zur Musik tanzten und einfach solchen Spaß am Leben hatten, dass sie irgendwie schön waren.
Es war eine Erleichterung zu sehen, dass Menschen nicht wie Werbeplakate sind. Ich fühle mich in meinem eigenen Körper plötzlich nicht mal so schlecht.

Schöne Träume!


NaNo-Wortanzahl: 24319.
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01.07.2013

Tag! II

Ich wurde getaggt und zwar von Utopie, danke dafür!


1. Die Person, die dir den Award gegeben hat, verlinken.
2. Zeige den Award auf deinem Blog.
3. Erzähle fünf Dinge über dich.
4. Beantworte die fünf Fragen der Person.
5. Stelle selber fünf Fragen und verleihe den Award an fünf andere Blogger.
6. Zurücktaggen ist nicht erlaubt.

Fünf Dinge über mich:
1. Ich bin grade in Deutschland und fühle mich nicht einmal schuldig darüber, dass ich die Leute ständig belausche, weil ich einfach möglichst viel von der Sprache aufschnappen möchte. Auch wenn meine Lehrer sich sicherlich nicht darüber freuen werden, wenn ich plötzlich Bairisch spreche.
2. Ich habe mir aus Frankreich einen üblen Sonnenbrand mitgebracht und mir juckt deswegen ständig der Rücken, knapp über dem Hosenbund, sodass ich meinen Rock jetzt tiefer tragen muss, als mir lieb ist.
3. Ich nehme diesen Sommer wieder an Camp NaNoWriMo teil, das heißt, dass ich versuche, 50.000 Wörter in einem Monat zu schreiben. Heute hat es angefangen – wünscht mir Glück!
4. Heute bin ich zum ersten Mal in meinem Leben in einen Waschsalon gegangen. Die Wohnung in München, die mein Papa für den Sommer gemietet hat, hat keine Waschmaschine.
5. Ich liebe Apfelschorle.

Die fünf Fragen:
1. Gibt es eine Person, die alles über dich weiß? Ich glaube nicht… Ich weiß selbst nicht mal alles über mich.
2. Was müsste heute noch  passieren damit du richtig glücklich bist? Ich hätte gerne einen Milchkaffee und wenn ich dann noch weitere 1000 Wörter schreibe, bin ich glücklich.
3. Magst du deine Heimat? Ja und nein. Einerseits mag ich sie, weil ich mich dort auskenne und mich schöne Erinnerungen mit ihr verbinden. Andererseits bin ich immer auf der Suche nach neuen „Heimaten“, ich möchte reisen, die ganze Welt sehen, mal was ganz anderes erleben.
4. Wann & warum warst du das letzte Mal so richtig glücklich? So richtig glücklich war ich, als ich heute Morgen mit meinem Papa einkaufen gegangen bin und die Sonne schien. Mehr habe ich in dem Moment nicht gebraucht, um glücklich zu sein, als ein wenig Sonnenschein und frische Luft und einen Supermarkt.
5. Was wäre das beste Geburtstagsgeschenk für dich? Eins, worüber sich die Leute wirklich Gedanken gemacht haben. Ich bin da nicht wählerisch, ich finde nur so Gutscheine immer ein wenig unpersönlich.

Meine fünf Fragen:
1. Was möchtest du in deinem Leben unbedingt erreichen?
2. Was ist dein Lieblingsbuch (und wieso)?
3. Magst du deine Eltern?
4. Was befindet sich grade in deiner Tasche?
5. Wo gehst du am liebsten einkaufen?

Jeder, der vorbeikommt, kann sich getaggt fühlen!

So und jetzt gibt es bei mir tatsächlich Milchkaffee, ich verschwinde also und wünsche euch schöne Träume!

NaNo-Wortanzahl: 1115.
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27.06.2013

Human connect to human

Ich bin grade auf einer Konferenz in Südfrankreich. Na ja, ich bin nicht wirklich wegen der Konferenz hier, sondern ich bin hier, weil mein Papa auf diese Konferenz und ich Urlaub in einem schön warmen Land wollte. An der Mittelmeerküste in Südfrankreich also. Es ist hier tatsächlich sehr warm, auch wenn der Wind vom Meer her durch die Stadt weht und dadurch gefühlsmäßig die Temperatur etwas niedriger ist. Immer noch warm, aber nicht glühend heiß.

Manchmal bekommt man eine Frage gestellt und weiß erst, wenn man schon geantwortet hat, dass die Antwort richtig war. Heute wurde mich gefragt, wieso ich mit auf die Konferenz gekommen bin, wenn es doch wirklich nicht mein Thema ist. Ich habe geantwortet, dass man auf diesen Konferenzen immer mit interessanten Leuten in Kontakt kommt und ich mag es, neue Leute kennenzulernen und mit ihnen zu reden. Erst als ich diese Antwort aussprach, wurde mir klar, dass sie stimmt.

Ich habe zum Beispiel mit einem Herrn gesprochen, der schon in Rente ist und trotzdem oft auf Konferenzen geht. Anfangs hat er mich ein wenig eingeschüchtert, weil er schon siebzig oder sogar älter ist und sehr präzise, sehr direkte Fragen stellt. Er hat so ein altes Gesicht mit scharfen Augen, die jedes kleine Detail zu sehen scheinen. Gestern habe ich rausgefunden, dass er eigentlich sehr freundlich ist. Er hat tatsächlich ein Auge für Details, aber auf gute Art und Weise. Er hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es hier auf dem großen Platz in der Stadt keine Kirche gibt, sondern eine Oper – irgendwie komisch und gleichzeitig typisch, man könnte sagen symbolisch.

Außerdem habe ich gestern einen Autor getroffen. Eine Kollegin meines Vaters kannte einen weiteren Kollegen, der neben seinem „normalen“ Job an der Universität Bücher schreibt und auch schon veröffentlicht wurde. Er hat Fantasy und Sci-Fi geschrieben, manchmal sogar eine Mischung von diesen beiden Genres. Ich hatte noch nie von ihm gehört, aber ich werde mir mal ein Buch von ihm kaufen.
Wir haben übers Schreiben gesprochen und er hat mir Tipps gegeben, wie man beim Schreiben vorgehen könnte und vor allem, wenn man veröffentlicht werden möchte. Er hat mir erzählt, wie es in einem Verlag aussieht und wie man Verlage am besten ansprechen kann. Dann haben wir über die Psychologie geredet, weil ich ihm erzählte, dass ich Psychologie studiere, und irgendwann sogar über Politik und die Lage in der Türkei und in Rio de Janeiro. Er hat mir das Gefühl gegeben, dass ich mitreden kann, dass ich tatsächlich etwas hinzufüge, wenn ich meine Meinung ausspreche. Ich habe etwas über die Französische Revolution und Kants Ansichten gesagt, er hat das weitergeführt, wir haben darüber ein wenig diskutiert. Es war eine gute Diskussion, er ist nie davon ausgegangen, dass seine Argumente besser waren als meine, bloß weil er älter ist.
Ich fand ihn schon irgendwie einen sehr typischen Autor. Er hat sehr gerne über sich selbst und seine Bücher gesprochen, wirkte manchmal ein wenig überheblich, er war sehr gebildet und sehr ruhig, ein wenig zurückgezogen. Ich weiß jetzt nicht, inwiefern ich selbst diesem Bild entspreche, aber ich denke, wenn sich Leute einen Autor vorstellen, dann stellen sie sich so einen wie ihn vor. Auf jeden Fall war es ein tolles Gespräch und ich habe mich gefreut, dass er meinte, ich sollte doch einfach mal einen Verlag ansprechen. Er hat mich quasi dazu angespornt, diesen Traum von Veröffentlichung in die Tat umzusetzen, und das fand ich großartig.


Ich hoffe, ihr hattet alle einen so schönen Abend wie ich!
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23.06.2013

Sommerglück

Was ich an Sommerabenden mag, ist, dass ich keine Jacke mitzunehmen brauche, wenn ich mal aus dem Haus gehe. Ich bin grade in Frankreich und war am Freitag in München, wo ich den ganzen Tag in meinem Lieblingssommerkleid rumgelaufen bin, sogar noch nach dem Abendessen, das bis elf Uhr dauerte, weil wir mit einer Gruppe unterwegs waren. Der Geruch von Hitze lag noch in der Luft, es war kühl aber nicht kalt, der Himmel färbte sich schwarzblau. Sterne konnte ich keine sehen, wegen der Straßenbeleuchtung, aber trotzdem war es wunderschön.

Im Sommer sind wir ehrlich zueinander. Ich saß heute mit meinen Eltern auf der Terrasse hinter einer Pizzeria; wir haben noch ganz ruhig um viertel nach neun Pizza gegessen, das ist in Frankreich völlig normal. Meine Mama meinte, in Spanien machen die Restaurants eh erst um neun oder halb zehn auf. Und wir haben geredet. Über den Urlaub in Argentinien vor acht Jahren, ein richtiges Abenteuer, und über uns als Familie.
Aus irgendeinem Grund fiel es uns nicht schwer, Sachen auszusprechen, die wir zu Hause nur andeuten würden, weil es uns peinlich wäre, so offen darüber zu reden. Meine Eltern besprachen, inwiefern sich ihre Erziehungsmethoden voneinander unterscheiden, und was mein Papa an der Methode meiner Mama nicht mag und andersrum, und dann besprachen wir mich und meinen Bruder und unsere Eigentümlichkeiten, und alles war in Ordnung.

Ich bin müde und muss morgen wieder früh aufstehen, denn wir fahren morgen weiter in den Süden, nächste Woche verbringen wir an der französischen Mittelmeerküste. Trotzdem wollte ich euch mal kurz mitteilen, dass es mir gut geht, sehr gut sogar! Pinkpop war schön, dem widme ich noch mal einen Eintrag, aber nicht heute, und ich wurde getaggt, danke dafür, freut mich total! :) Der Eintrag kommt also auch noch.


Ich wünsche euch aus Frankreich schöne Träume!
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27.05.2013

Auch ohne Sonnenschein

Vor weniger als fünf Minuten habe ich meinen Wohnheimantrag fürs Wintersemester 2013/14 an der Universität Hamburg verschickt. Ich bin so aufgeregt, Leute. Das Auslandsemester kommt immer näher, jetzt geht’s richtig los mit dem ganzen Papierkram und hoffentlich fahre ich dann im Oktober nach Hamburg und erlebe das Semester meines Lebens. :D
Ich versuche aber, mir möglichst wenig Vorstellungen davon zu machen, weil ich weiß, dass es eh ganz anders kommt als gedacht – ich habe ja im Grunde genommen keine Ahnung, wie es dort sein wird, und ich möchte wirklich nicht enttäuscht werden, aber egal. Ich freue mich.

Ich freue mich jetzt einfach auf den Sommer. Nur noch ein paar Klausuren, nur noch ein paar Wochen, und dann stehen die schönen Sachen des Lebens schon vor der Tür. Ich habe mir (und euch) eine Liste gemacht:

  1. Pinkpop, eins der größten Musikfestivals der Niederlande. Headliners: Green Day, 30 Seconds to Mars und Paramore. (Ieeeeh!)
  2. München, zwei Monate (Juli und August). Genau wie letztes Jahr in England irgendwie, mein Papa hat ein Fellowship von der Uni München bekommen. Das heißt, er arbeitet jetzt für ein halbes Jahr dort und wir dürfen dann im Sommer mit nach München und haben dort eine kleine Wohnung. 
  3. Montpellier, eine Woche, Ende Juni. Meine Eltern gehen auf eine Konferenz in Frankreich und ich darf mit, nicht wegen der Konferenz, sondern einfach weil es Spaß macht und ich dann eine Woche Urlaub in Frankreich hab, richtig Urlaub, weil die zwei Monate in München irgendwie kein richtiger Urlaub sind.
  4. Taubertal, ebenfalls ein Musikfestival, diesmal in Deutschland. Wir werden die Editors und die Ärzte sehen, Leute. WIE GEIL IST DAS DENN. Ich könnte kreischen. (Das hab ich übrigens auch gemacht, als mein Papa mal ganz nebenbei erwähnte, dass nicht nur die Editors, sondern auch die Ärzte auftreten.)
  5. Camp NaNoWriMo. Genau wie letztes Jahr hoffe ich auch dieses Jahr da mitzumachen und 50.000 Wörter in einem Monat zu schreiben. Ich weiß jetzt nicht so genau, ob das auch wirklich klappen wird, weil es im Juli ist und da irgendwie mehr Sachen anstehen als letztes Jahr im August. Außerdem habe ich noch keine Ahnung, was für eine Geschichte ich dann schreiben will. Also vielleicht mach ich mit, vielleicht aber auch nicht. Mal sehen.
  6. Oktober: Hamburg.
  7. November: Hamburg.
  8. Dezember: Hamburg / München (weil mein Papa dann immer noch in München ist.) 
  9. Januar: Hamburg.
  10. WHAAAAAAAAAAAAA.

Irgendwie kann ich mich nicht so ganz auf meine Klausuren konzentrieren. Wundert mich echt, ich frag mich wieso… Hmmm…. Vielleicht habt ihr eine Ahnung?

Ich bin grade so glücklich. Auch wenn das Wetter relativ scheiße ist und wir heute ausnahmsweise mal wieder Sonne hatten.
Küsschen und Glück für alle! :D
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05.05.2013

Die Zweifel eines pubertierenden Mädchens

Manchmal frage ich mich wirklich, ob es die richtige Entscheidung war, Psychologie zu studieren. Ich habe ab und zu das Gefühl, dass ich dadurch irgendwie unglücklicher geworden bin, und ich war nach dem Gymnasiumabschluss schon nicht ganz so glücklich.

Der Punkt ist, dass ich tatsächlich Einsicht in mein eigenes tägliches Funktionieren bekomme. Und manchmal kann ich damit einfach gar nicht umgehen. In einem meiner Kurse besprechen wir grade die Entwicklungen in der Pubertät und das ist so ein komisches Gefühl, diese wissenschaftlichen Theorien zu lesen. Die Wissenschaftler argumentieren und philosophieren über diese Phase und ich stecke noch mittendrin; die sitzen irgendwie in ihrem Elfenbeinturm und denken sich Erklärungen aus für die Sachen, die ich täglich spüre. Und manchmal hilft dieses Verständnis und manchmal eben nicht.

Ein wichtiges Merkmal der Pubertät ist das, was sie „social reorientation“ nennen, keine Ahnung, wie das auf Deutsch heißt. Es bedeutet einfach, dass Leute in der Pubertät anfangen, Kontakte mit Altersgenossen zu knüpfen und weniger Zeit mit ihrer Familie und im Familienhaus zu verbringen. Sie schließen Freundschaften und verlieben sich, führen eine Beziehung und machen Schluss. Solche Sachen.
Ich merke es mir selber an, dass ich grade ein bisschen nervös wurde, als ich das aufgeschrieben habe. Weil ich mich in dieser Beschreibung gar nicht wiedererkenne. Meine ersten richtigen Freundschaften entstanden erst an der Uni, da war ich schon siebzehn, und ich habe mich noch nie ernsthaft verliebt. Ich hab mittlerweile ein wenig Angst, dass ich es überhaupt nie schaffen werde,  mich auf die Art und Weise auf jemanden einzulassen.
Das muss jetzt keine Mitleidsnummer werden oder so. Aus meiner Schulzeit ist mir eine einzige Freundschaft erhalten geblieben und wenn ich ehrlich bin, dann ist das auch logisch, weil ich weiter auch keine Freunde hatte. Nicht richtig.

Das macht mir Angst. Irgendwie. Ich lese diese ganzen Theorien über Freundschaft und die Entwicklung von romantischen Gefühlen und weiß ich was noch, und dass Leute, die in der Pubertät halt keine Freunde haben und nicht die Chance bekommen, sich zu verlieben und auf jemanden einzulassen, später Probleme bekommen könnten, was mentale Gesundheit betrifft.
Ich kenne mich mittlerweile damit aus, wie Freundschaft die Entwicklung des Gehirns beeinflusst, und dann frage ich mich, wie meins wohl aussieht, das muss doch irgendwie anders sein, weil mir diese Erfahrungen fehlen.

Heute habe ich einen Artikel gelesen, in dem verschiedene Ursachen für die Entwicklung von depressiven Episoden in der Pubertät erläutert wurden. Die Umstände, die dazu beitragen, kamen mir bekannt vor. Auch das macht mir Angst. Gleichzeitig weiß ich, dass ich diese Störung nicht haben kann, weil ich mein Leben lebe und es funktioniert. Ich gehe an die Uni, ich treffe mich mit Freunden, ich bestehe meine Klausuren und meistens kann ich auch noch lachen und mich über Sachen freuen. Und dann falle ich wieder in ein Loch und habe Angst und denke über diese Theorien nach und kann nicht schlafen.

Es könnte auch einfach so sein, dass bei mir diese Entwicklung später einsetzt als bei anderen. Das könnte zum Beispiel mit der Tatsache, dass ich zwei Klassen übersprungen habe, zusammenhängen –  dass es irgendwie ein Missverhältnis zwischen meiner sozialen und meiner kognitiven Entwicklung gibt. Das ist durchaus möglich und könnte vieles erklären. Ist aber auch nicht sonderlich beruhigend, muss ich sagen.

Fazit. Ich fühle mich mit diesen Themen ziemlich unwohl und wünsche mir, ich hätte mich für einen Kurs entschieden, der sich nicht mit der Pubertät auseinandersetzt. Dann hätte ich vieles wahrscheinlich gar nicht verstanden, aber dann hätte ich mir auch nicht so viele Sorgen gemacht.
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26.04.2013

The Fault in Our Stars

Was ich an meiner besten Freundin (sie ist meine, auch wenn ich nicht ihre bin. Dieses Detail macht mich grade nicht mal traurig) mag, ist die Tatsache, dass ich mit ihr einerseits ganz gut über die kleinsten Sachen reden kann – über Nagellack, Radfahren im Regen und Facebook – und andererseits auch über die ganz großen Fragen der Philosophie.
Wir reden über den Sinn des Lebens, sie glaubt nicht an einen Sinn des Lebens, ich würde gerne daran glauben, kann es aber irgendwie nicht. Wir reden über Menschen und ob sich Leute ändern können, wenn sie nur wünschen (darüber werde ich ganz sicher noch einen Eintrag verfassen). Und dann reden wir über die Sims und das Taubenküken auf ihrem Balkon und vergessen, dass wir über das Universum philosophiert haben. Das alles an einem Tag.

Als  Kind denkt man da nicht drüber nach, ob das Leben Sinn hat, weil die Mama und der Papa da sind, und die lieben einen, und das reicht. Kein Tag gleicht dem nächsten, weil es immer wieder Dinge gibt, über die man sich wundern kann. Irgendwann wundert man sich nur noch. Ob es vorbeigeht. Und wenn ja, ob es dann Sinn gehabt hat. Und ob es, nachdem es vorbeigegangen ist, wieder Sinn geben kann.

Das sind die Worte von einer Figur aus einer Geschichte, die ich noch nicht geschrieben habe aber irgendwann vielleicht schreiben werde. Auf Deutsch, ich weiß also nicht, ob alles stimmt.
Irgendwie hängt der Sinn des Lebens ein wenig mit der Existenz einer Seele zusammen. Es ist, glaube ich, leichter an einen Sinn zu glauben, wenn man daran glaubt, dass wir eine Seele haben. Ich bin nicht religiös und ich wäre auch ein schlechter Philosoph, aber ich denke relativ oft über diese Sachen nach und bin noch zu keinem Schluss gekommen. Es würde mich beruhigen, an etwas zu glauben. Aber ich kann es nicht, weil ich dann doch zu nüchtern dafür bin.

Was diesen philosophischen Eintrag ausgelöst hat, ist das Buch „The Fault in Our Stars“ von John Green. Es ist ein wunderwunderschönes Buch und wenn ihr es noch nicht gelesen habt, dann solltet ihr das unbedingt mal machen. Ich möchte hier nicht allzu viel verraten, weil ein schönes Buch noch schöner ist, wenn man ohne zu wissen, was man lesen wird, anfängt zu lesen. Ich möchte hier nur den Absatz zitieren, wo der Titel erklärt wird, weil das nämlich sonst über die Geschichte nichts verrät (und wenn ihr es nicht lesen wollt, dann könnt ihr den nächsten Absatz einfach überspringen).

(…) it is the nature of stars to cross, and never was Shakespeare more wrong than when he had Cassius note, “The fault, dear Brutus, is not in our stars / But in ourselves.” Easy enough to say when you’re a Roman nobleman (or Shakespeare!), but there is no shortage of fault to be found amid our stars.
© John Green, 2012

So. Und jetzt geht und kauft euch dieses Buch und lest es und ich wünsche euch natürlich wie immer schöne Träume. <3
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