Ganz kurz, ganz kurz - ich brauche eure Hilfe. Ich muss für die Uni eine Umfrage machen und brauche dafür deutsche Muttersprachler. Deutsche Muttersprachler, älter als sechzehn, am besten Gymnasiasten oder eben mit Abitur. Trotz meiner vier Hamburg-Monate kenne ich nicht wirklich viele, die diesen Kriterien entsprechen - ihr vielleicht? Wenn ja, würde ich mich richtig freuen, wenn ihr diese Umfrage ausfüllen und weiterleiten könntet.
Danke und schöne Träume!
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10.06.2014
23.04.2014
Aus dem Versteck gekrochen
Heute hat mein Papa
Geburtstag.
Das ist euch
bestimmt völlig egal, aber ich dachte, ich fange mal mit einer erfreulichen
Nachricht an.
Wie jetzt? Mich
gibt es noch? Ja, scheint so. Es tut mir wirklich leid, dass ich mich nicht
gemeldet habe und dass ich gleich auch wieder gehen muss. Es warten noch
gefühlte drei Kilo Hausaufgaben auf mich, außerdem muss ich ganz dringend auf
Klo.
Wieso ich nicht
da war:
Am 31. Januar
habe ich Hamburg verlassen, da mein Semester dort zu Ende war. Ich habe einige
Zeit gebraucht, um mich von dem Schock zu erholen, weil ich am liebsten geblieben
wäre und der Kontrast zum Leben in meiner Heimatstadt ziemlich groß war. Bis ich
mich wieder daran gewöhnt hatte, dass meine Mama nur an manchen Tagen daran
interessiert ist, ein richtiges Gespräch mit mir zu führen anstatt mir über
ihre scheiternde Dissertation einen Vortrag zu halten, war schon ein Monat
vergangen.
Mein Papa ist
öfter im Ausland als zu Hause und macht gerne bescheuerte Witze, die immer
darauf hinauslaufen, dass ich ihm gerne mit dem größten Kochlöffel, den wir
haben, eine reinhauen würde. Mein Bruder redet ausschließlich über eins von
zwei Themen und zwar entweder darüber, was er heute im Unterricht gelernt hat
(immer Sprachwissenschaften), oder darüber, was er heute in seinem
Computerspiel gemacht hat (immer irgendwelche Kobolde geköpft).
Nachdem ich vier
Monate mehr oder weniger alleine gelebt habe, kann ich mit diesen Sachen nicht mehr
so richtig umgehen. Ich ärgere mich ständig und streite mich öfter mit meiner
Mama als vorhin – mit meinem Papa streite ich mich nie, weil er so gut wie nie
da ist, und mit meinem Bruder habe ich mich in unserer Jugend schon so oft
gestritten, dass ich es gar nicht mehr versuche. Blöderweise fange ich immer an
zu weinen, wenn ich richtig sauer bin, und dann geht der Effekt meiner Wut
verloren.
Meine Katze ist
immer noch krank und es wird nur schlimmer. Meine Oma war im Krankenhaus und
ist seitdem so wirr im Kopf, dass sie meine Geburtstagsparty verlassen hat,
ohne sich von jemandem zu verabschieden – dabei musste sie von meiner Tante
nach Hause gefahren werden. Sonst besteht sie darauf, dass mein Bruder und ich
sie zum Abschied auf beide Wangen küssen und „Tschüss, Oma!“ sagen.
Es geht mir nicht
besonders gut.
Kein Grund zur
Panik, aber es ist nun mal so. Ich weise leicht depressive Züge auf, außerdem
wurden bei mir Anämie und Vitamin-D-Defizit festgestellt, sodass ich heute
meine Medikamente bei der Apotheke abholen durfte, und ich muss bis zum 30.
April eine zwanzigseitige Hausarbeit einreichen, obwohl ich noch nicht mal
angefangen habe zu schreiben. Die Deadline für diese Arbeit wurde schon einmal
verschoben, nochmal kann ich wirklich nicht um Terminverlängerung bitten. Ich habe
seit Januar kein Wort mehr zu Papier bekommen, das nicht mit meinen Uni-Aufgaben
zu tun hatte, und ich habe noch nie in meinem Leben so oft wegen meiner
akademischen Leistungen bzw. wegen meiner eigenen Unfähigkeit, mit den Aufgaben
fertigzuwerden, weinen müssen.
Mir wurde mein
ganzes Leben lang gesagt, dass ich überdurchschnittlich intelligent bin und es
besonders weit schaffen werde. Mir wurde nie gesagt, dass an der Uni alle
überdurchschnittlich intelligent sind und manche – wenn nicht sogar viele –
Leute es weiter schaffen werden als ich. Demzufolge halte ich mich für einen
Versager, wenn jemand etwas besser kann als ich. Es ist ein schreckliches Gefühl,
sich selbst eingestehen zu müssen, dass man glaubt, nur geliebt werden zu
dürfen, wenn man in der Schule gut abschneidet.
Im Moment habe
ich Konzentrationsprobleme, Wortfindungsprobleme sowohl im Niederländischen als
auch im Englischen und Deutschen, und Gedächtnisprobleme. Ich bin plötzlich zu
einem sehr langsamen Leser geworden und vergesse ständig irgendwelche Termine
oder Unterlagen, die ich für den Unterricht brauche. Ich schlafe zehn bis zwölf
Stunden pro Nacht und bin drei Stunden nach dem Erwachen schon wieder müde. Ich
habe den Spaß am Unterricht, am Musikmachen und sogar am Schreiben verloren.
Es schmerzt, das
alles hinzuschreiben. Ich studiere Psychologie und weiß ganz genau, dass es
noch nie funktioniert hat, die ganzen negativen Dinge im Leben aufzuschreiben,
weil man sie dann immer wieder liest und denkt: „Genauso schlimm ist es – und genauso
schlimm wird es auch bleiben.“
Positive Dinge zu
benennen ist wichtig.
Ich habe Freunde.
Ich wüsste wirklich nicht, wie ich es ohne sie aushalten würde. Wir sehen uns
zwar nicht oft, weil wir keinen gemeinsamen Unterricht mehr haben, aber wir
schreiben uns täglich, schicken uns lustige Fotos per Email und verabreden uns
zum Kaffee. Am Samstag gehe ich auf eine Geburtstagsparty, wir gehen zusammen
ins Kino (Captain America – The Winter Soldier, wir sind alle ganz
superheldenverrückt) und ich freue mich wie wahnsinnig darauf, alle
wiederzusehen und ihre Stimmen und unsere Insiderwitze zu hören.
Meine beste
Freundin macht eine Therapie, weil sie eine Angststörung hat. Das ist zwar
nicht positiv, aber sie redet mit mir darüber und auch wenn ich ihr nicht
richtig helfen kann, beruhigt es mich. Ich bin froh darüber, dass sie mit mir
redet, wenn es ihr schlecht geht, weil ich dadurch weiß, dass ich ihr wirklich
wichtig bin. Ich wünsche mir natürlich, dass es ihr nicht schlecht geht, aber ich bin froh, dass wir nicht nur über
blödes, triviales Zeug reden, sondern dass wir uns gegenseitig so ziemlich
alles anvertrauen können.
Ich hatte
Geburtstag und ich habe richtig tolle Geschenke bekommen, unter anderem die
komplette Harry-Potter-Reihe auf Deutsch in einer der schönsten Ausgaben, die ich
je gesehen habe.
Eine alte
Freundin, die urplötzlich aus meinem Leben verschwand, ist zurückgekehrt und
hat sich sehr lieb für ihr Verschwinden entschuldigt. Sie studiert auch Deutsch
(zwar nicht an meiner Uni) und ich freue mich, dass ich diese Begeisterung für
die deutsche Sprache und Kultur mit ihr teilen kann.
Ich habe in den
letzten zwei Wochen zwei schöne, luftige Sommerkleidchen gekauft und das Wetter
ist gerade so gut, dass ich sie auch tatsächlich tragen kann. Ich fühle mich in
meinem Körper trotz Anämie und Vitamin-D-Defizit wohl.
Ich war im März
auf dem Fall-Out-Boy-Konzert in Amsterdam. Es gehört eindeutig zu den besten
Konzerten meines Lebens.
Dieser
Blogeintrag beträgt jetzt (ohne diesen Satz) genau 1000 Wörter. Dabei muss ich
immer noch auf Toilette.
Irgendwo im
Februar wurde ich von Utopie getaggt, was ich völlig übersehen habe. Ich hole
das irgendwann noch nach, das verspreche ich, jetzt muss ich allerdings
wirklich wieder an die Arbeit. Ich wünsche euch schönes Wetter und schöne
Träume!
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10.01.2014
Dezember: eine Zusammenfassung
„Ach so, du kommst gar nicht aus Deutschland?“
„Nee, ich bin Niederländerin.“
„Niederlande? Ich war schon mal in Amsterdam!“
Rauchergeste und ein Zwinkern. Ich seufze.
„Hast du schon gesehen? Es kommt ein Sturm auf uns zu.“
„Ein Sturm? Mist, ich fahre doch am Freitag
nach Hause…“
„Ach, keine Sorge, dein Zug fährt bestimmt, du
musst doch nicht nach Schleswig-Holstein. Ich mache mir nur Sorgen, dass der
Fernsehturm vielleicht umkippt. Wenn du mich heute Nacht schreien hörst, weißt
du ja, was passiert ist.“
Komischerweise beruhigt mich das sofort. Mein Zug
fährt tatsächlich und der Fernsehturm steht noch.
„Guten Morgen, willkommen in der ersten Klasse
der deutschen Bahn. Kann ich Ihnen eine Tüte Gummibärchen anbieten?“
„Sehr gerne, danke.“ Das alte Ehepaar auf den
Sitzplätzen vor mir nimmt die Tütchen lächelnd entgegen.
„Beispiele von intransitiven Verben, da gibt’s
eine ganze Menge: Er sitzt, er wartet, er blinzelt, er trinkt… Okay, da wird’s komisch.“
„Sie sind Vegetarierin? Oh, wie schön! Also – es tut mir leid, wenn ich Ihnen damit
zu nahe trete, aber… Wenn Sie ja kein Fleisch essen, was essen Sie dann zu
Weihnachten?“
„Äh… Gemüse halt.“
„Klar, natürlich. Aber… keinen
Weihnachtsbraten?“
„Guck mal, was ich mir auf dem Weihnachtsmarkt
gekauft habe!“ Meine Mitbewohnerin hält mir einen Becher aus Milchglas hin, den
ein Schriftzug ziert: Hamburg, die
schönste Stadt. „Ja, wir Hamburger sind ein wenig selbstverliebt!“
„Tut mir leid, das mit dem Spenden geht wohl
nicht, ich hab kein deutsches Bankkonto.“
„Wie jetzt? Du bist nicht deutsch?“
„Nein, ich bin nur bis Ende Januar hier.
Auslandsemester.“
„Das ist nicht dein Ernst! Wie kannst du
Hamburg nur so schnell wieder verlassen?“
Das frage ich mich auch.
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13.11.2013
So unfassbar wissenschaftlich
Nach einem ruhigen Start ins Semester hat die
Uni jetzt so richtig angefangen. An meinem ersten richtigen Unterrichtstag
fühlte ich mich wie in einer Parallelwelt: dreißig Germanistikstudenten, das
gibt’s doch nicht? In der ersten Woche reichen die Sitzplätze im Seminarraum
nicht aus, die verspäteten Teilnehmer müssen mit der Fensterbank vorlieb nehmen
und ich staune nicht schlecht. Wo kommen sie alle her?
Es sieht ganz danach aus, dass Germanistik in
Deutschland die Stelle einnimmt, die in den Niederlanden vom Psychologiestudium
gefüllt wird. Wer nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll, verschiebt
die Entscheidung auf später und studiert erst einfach mal Germanistik. Kann ja nicht
schaden.
Dabei ist die Germanistik tatsächlich eine
sehr ernstzunehmende Wissenschaft. So erzieht das Institut für Germanistik
zumindest seine Studenten, die mit lateinischen Begriffen, fünfsilbrigen
Wörtern und tiefgründigen Literaturanalysen um sich werfen, als wären sie
Zwarte Pieten. Ich sitze daneben und fühle mich strohdoof. Meine Gedanken hören
sich ungefähr so an: „Wie bitte? Was meinst du? Ach so. Der Protagonist ist
traurig. Ja, genau. Das hätte ich dir auch sagen können und zwar in einer
Sprache, die wir alle verstehen.“
Mittlerweile habe ich den Dreh raus und kratze
mich nicht länger ständig an der Stirn, aber in den ersten Wochen machte ich
durchgehend große Augen. Irgendwann schüchtern die langen Wörter einfach nicht
mehr ein, denn irgendwann versteht man: Diese Studenten wissen wirklich nicht
mehr als ich, sie haben nur gelernt, ihre Unwissenheit in Pseudo-Latein zu
verpacken.
Als ich mit meinem Referat dran war, musste ich
mir richtig Mühe geben, den Figuren keine schrägen Spitznamen zu verpassen, so
wie ich es zu Hause immer mache. Ich habe mich selbst dabei ertappt, wie mein
Kopf „Erec, Ritter des Artushofes“ durch „der Typ mit seinem Zwergproblem“
ersetzen wollte.
In den Niederlanden wurde mir oft genug
gesagt, dass ich zu informell spreche. Da war es mir aber in den meisten
Situation erlaubt, auch wenn die Dozenten manchmal geseufzt haben. In Deutschland
traue ich mich nicht. Hier sind alle so unfassbar wissenschaftlich, fast
elitär. Das passt irgendwie gar nicht zu der Feststellung, dass Germanistik ein
Studium für die unverbesserlich Faulen und schrecklich Unmotivierten ist, aber
es ist trotzdem so.
Ich habe bis jetzt aber jede Sitzung
überstanden (inklusive Referat) und es geht mir gut. Der erste Monat war ganz
schön schnell vorbei. Weniger als drei Monate übrig. Die Zeit läuft, halt sie
auf…
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Zwarte Pieten gehören übrigens zum niederländischen Sinterklaas-Fest. Wenn ihr die Anspielung nicht versteht, es gibt einen Wikipedia-Artikel über diese Tradition. ;)
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24.10.2013
Uni überall
Der Schanzenpark trennt das Szeneviertel vom
Stadtteil Rotherbaum – und diesem Stadtteil ist die große Ehre vorbehalten, das
Univiertel zu sein. Von der Rothenbaumer Seite des Parks sind es nur zehn
Gehminuten bis zum Von-Melle-Park, wo die Geisteswissenschaftler in ihrem
Philosophenturm das Zepter schwingen. Wenn man sich in diesem Viertel voller
Copyshops und Dönerbuden verirrt, können es auch mal dreißig Gehminuten werden
(was eurer Berichterstatterin natürlich noch nie passiert ist).
| Von-Melle-Park. |
Der Campus sieht auf den ersten Blick nicht
besonders groß aus. Ein paar Gebäude, eher kompakt gestaltet, nich allzu weit
voneinander entfernt. In der Mitte befinden sich eine hübsche Grünfläche, in
dieser Jahreszeit mit farbigen Herbstblättern übersät, und ein kleiner Teich,
genauso herbstlich ausgestattet. Aus den Mensen strömen die herrlichen Düfte
des sehr preiswerten Essens. Wer sich daran vorbei traut, zwängt sich in einen
überfüllten Aufzug und steigt auf zu Macht und Wissen.
| Der Philosophenturm. |
Die Seminarräume des Germanistikinstituts
befinden sich im dreizehnten Stock.
Eigentlich ganz gut, dass der Aufzug im
zwölften Stock endet. Es gibt im Viertel unzählige Bäckereien, mindestens
hundert Cafés, ein Dutzend Falafel- und Dönerläden, zwei bis zehn Eisdielen,
einen Kiosk (oder auch fünf) und sogar einen Typen, der Backkartoffeln verkauft
und dank der Unmengen von hungrigen Studenten vermutlich eine Million am Tag
verdient. Die meisten Läden tragen irgendwo die Aufschrift „Uni“ – Uni-Buchhandlung,
Uni-Copyshop, Uni-Pommesbude – und haben immer ein Studentenangebot. Vielleicht
muss ich dem Fitnessstudio direkt gegenüber meinem Zimmer bald mal einen Besuch
abstatten.
Oder ich besorge mir ein Fahrrad, denn hier
wird fleißig gefahren – und zwar oft, schnell und nicht immer mit den nötigen
Sicherheitsmaßnahmen. Ich lebe schon seit drei Wochen als Fußgänger und kann
immer noch nicht so genau zwischen Bürgersteig und Fahrradweg unterscheiden.
Außerdem scheinen die Radfahrer eher selten eine Klingel zu besitzen,
geschweige denn sie zu benutzen. Hier wird man entweder überfahren oder
angeschrien. Geht auch.
| Papendamm - in dieser Straße befindet sich mein Zimmer. |
So sieht das Leben momentan aus: in
malerischen Herbstfarben gestrichen, duftend nach Kaffee und Mensaspaghetti,
und wenn die Sonne scheint, ist der Philosophenturm gar nicht mal so hässlich.
An dieses Leben könnte ich mich glatt gewöhnen.
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14.10.2013
Schön entspannt nervös
Die Tür zur Damentoilette quietscht
schrecklich, wenn sie aufgestoßen wird. Das heißt, sie quietscht in
Endlosschleife, denn diese Toiletten befinden sich in unmittelbarer Nähe zu den
großen Hörsälen im Erdgeschoss des Philosophenturms und sind also für sämtliche
Geisteswissenschaften-Studentinnen die letzte Station vor der zweistündigen
Vorlesung.
Ich wasche mir die Hände, trockne sie mit
einem Papierhandtuch und begebe mich langsam zum Hörsaal. Dort wische ich mir
nervös die Hände an der Hose ab, ehe ich mir einen Platz suche und meinen Notizblock
aus der Tasche krame. Ich atme einmal tief durch und rede mir ein, dass ich
ganz genau weiß, was gleich passieren wird.
Artus
und die Ritter der Tafelrunde. Meine erste Vorlesung
in Deutschland. In Wirklichkeit habe ich keine Ahnung, was auf mich zukommt.
Die Vorlesung läuft erstaunlich normal ab. Ich
schlafe in der ersten Viertelstunde fast ein, weil der Dozent etwas
Organisatorisches erklärt, das auf mich als Erasmus-Studentin nicht zutrifft. Danach
erzählt er kurz, was er uns gerne beibringen möchte, und macht ein paar Witze,
wofür ich ihm dankbar bin. Sobald wir uns dem eigentlichen Unterrichtsstoff
widmen, stelle ich fest, dass da für mich nicht viel Neues dabei ist. Es ist ja
auch nur die Einführung. Außerdem ist es schön entspannt, wenn ich nicht wie
wahnsinnig mitschreiben muss.
Nach einer knappen Stunde legen wir eine zehnminütige
Pause ein. Ich blicke mich verstohlen um und sehe, wie die meisten Studenten
nach einem Snack greifen. Manche trinken einen Kaffee, manche verschwinden nach
draußen, um eine zu rauchen. Der einzige Unterschied zu den Vorlesungen in
Leiden, den ich bis jetzt entdecken kann, besteht darin, dass der Hörsaal einen
Balkon hat, wo sich die Raucher häufen.
Eine Dreiviertelstunde später, laut
Stundenplan fünfzehn Minuten zu früh, entlässt der Dozent uns in die Freiheit. Die
Studenten klopfen Beifall auf die Tische – ich ziehe verwirrt die Augenbrauen
hoch und dann fällt mir ein, dass mir dieser Brauch eigentlich bekannt ist. Ich
bin sowieso eine, die den Applaus nach einer Vorlesung doof findet. Der Dozent
macht doch nur seinen Job und ich klatsche ja auch nicht, wenn die Kassiererin
meine Einkäufe erfolgreich gescannt hat. Das passt gerade gut, denn ich mache
mich wenigstens nicht zum Affen, indem ich als Einzige in die Hände klatsche.
Viel gelernt habe ich heute nicht, dafür aber wichtige
Erkenntnisse gewonnen: Vorlesungen in Deutschland unterscheiden sich kaum von
denen zu Hause (und die Stühle im Hörsaal sind bequemer).
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07.10.2013
Darf ich vorstellen: Hamburg
Es tut mir echt leid, dass ich mich solange
nicht gemeldet hab! Ich hatte die ganze Zeit zu tun, bin zwischendurch nach
Hamburg gezogen, dann hatte ich plötzlich kein Zimmer in Hamburg, dann herrschte
erst einmal das Chaos, dann gab’s ein Zimmer, dann musste ich wieder umziehen…
Jetzt bin ich (hoffentlich) zum letzten Mal umgezogen und kann mich wieder
anderen Sachen widmen, wie zum Beispiel meinem Blog.
Ich habe jetzt für meine Mitstudenten in den
Niederlanden auch einen Blog, auf der Webseite des Studienvereins. Den Eintrag
hier (außer diesen zwei Absätzen) habe ich für den Blog geschrieben, aber das
macht ja nichts. Die Einträge für den Blog da kriegt ihr einfach auch, dann gibt’s
vielleicht etwas regelmäßiger Lesestoff für euch. :)
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Wer sich Hamburg aus dem Süden nähert, findet
sich zuerst in einem Labyrinth aus Kränen und Containern wieder. Man fährt über
die Hochstraße, die einen sicher zur Stadt führt, und bemerkt irgendwann, dass
die Kräne den Gebäuden gewichen sind. Gebäuden aus Stahl und Glas, einem Industriegebiet.
Dann fährt man unter einer Brücke hindurch und siehe: Man ist in Altona.
Links und rechts stehen die Altbauhäuser. Meistens
vier oder fünf Stockwerke, Stufen, die zur Eingangstür führen. Drinnen das große
Treppenhaus, die hohen Decken und die Holzböden, die bei jedem noch so leisen
Schritt aufstöhnen, als hätte man ihnen mit einer Axt gedroht. Hohe Fenster,
kleine Balkons, heller Putz.
Graffiti.
Sämtliche Gebäude im Bezirk Altona, im
westlichen Teil von Hamburg, scheinen getaggt zu sein – mit Graffiti
vollgesprüht. Wer durchs Schanzenviertel, im östlichen Altona, läuft, sieht
zunächst nur die aufgemalten Wörter, unleserlich, wie Geheimsprache. Ob Altbau,
renovierter Altbau oder wie Altbau aussehender Neubau, überall ziert das
Graffiti die Backsteinhäuser. Hie und da entdeckt ein aufmerksamer Tourist ein
richtiges Bild, ein Piece. Außer die
Neuankömmlinge schaut keiner hin. Jeder Hauseingang ist bemalt und mit Flyern
zugeklebt.
Respektlosigkeit?
Künstlerische Freiheit?
Langeweile?
Vandalismus?
Modernisierung?
Individualität?
Es gibt keine großen Ladenketten in diesem
Teil von Hamburg. Wer bei H&M eine Shoppingtour einlegen möchte, muss zum
Jungfernstieg; an der Alster in der Altstadt befinden sich die Markenläden.
Nicht nur H&M, sondern auch die Geschäfte für Leute, die sich mehr leisten
können: Gucci, Hugo Boss, Bulgari, Louis Vuitton. Hier befindet sich Hamburgs
5th Avenue.
Altona ist Hamburgs SoHo, zumindest das Schanzenviertel
und Sankt Pauli sind es. Alternativläden, freischaffende Künstler, Schneider
und Tischler, mutige Einzelpersonen, die einen Waschsalon, ein Café oder einen
Musikladen betreiben. Wie zusammengewürfelt, nur vom überall anwesenden
Graffiti zusammengehalten.
Nicht umsonst ist das hier das Studentenviertel, das
Szenenviertel. Hier gibt es die Cafés, die Bars, die Clubs, die Toleranz für
alles Denkbare. Im Supermarkt steht ein Punker mit blauem Irokesenschnitt, er
trägt Netzstrümpfe in seinen regenbogenfarbenen Dr. Martens, karierte Shorts
und eine Jacke voller Buttons. Er fragt einen Mitarbeiter, der eindeutig türkischer Herkunft ist, ob er sich eine Tomate aus einer Viererpackung nehmen
darf, da die einzeln verkauften Tomaten alle sind. Der Mitarbeiter kratzt sich
am Kopf, aber verzieht kein einziges Mal das Gesicht. Er ist bestimmt Ausgeflippteres
gewohnt.
Vier Monate in Hamburg-Altona?
Kriege ich hin.
Kriege ich hin.
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09.09.2013
Reise durch den Kleiderschrank
Neulich habe ich meinen Kleiderschrank aufgeräumt.
Ausgeräumt, könnte man auch sagen. Ich habe mir in München nämlich ein paar
neue Sachen gekauft und dann festgestellt, dass mein Schrank ein wenig
überfüllt war. Also habe ich meine uralten Klamotten aussortiert.
Es hat sich ein wenig wie eine Reise durch
meine Gymnasiumzeit angefühlt. Manche Klamotten habe ich in der ersten Klasse
des Gymnasiums auch schon getragen, die lagen immer noch ganz hinten im Schrank
aufgestapelt und grinsten mir zu. Für manche Sachen habe ich mich beim
Aufräumen echt geschämt, ich konnte gar nicht fassen, dass ich die tatsächlich
irgendwann mal schön fand. Ich denke aber, das gehört auch irgendwie dazu.
Ich habe auch feststellen müssen, dass ich mit
11 genau dieselben Klamotten getragen habe wie mit 16, oder zumindest denselben
Stil – Jeans und T-Shirt. Ich erinnere mich noch genau daran, dass ich
irgendwann mit meiner Mama nach der perfekten Jeans gesucht habe. Damals
verstand ich unter „der perfekten Jeans“ eine dunkelblaue, etwas enganliegende Hose.
Was ich damit ausdrücken wollte, weiß ich eigentlich nicht. Ich weiß nur, dass
ich niemandem aufgefallen bin.
Es ist mir fast ein wenig peinlich, wie stolz ich
darauf bin, dass ich in den letzten zwei Jahren kein einziges Mal eine Jeans
getragen habe – bzw. keine „normale“ Bluejeans, denn ich besitze eine schwarze
Jeanshose mit aufgedruckten Sternen, die ich gerne trage.
Was ich eigentlich damit meine: Ich habe
irgendwann angefangen zu verstehen, dass ich mich in diesem
Jeans-und-T-Shirt-Stil nie wohlgefühlt habe. Es war zwar in gewisser Weise ein „sicherer“
Stil, weil ich niemandem negativ aufgefallen bin, keine Blicke auf mich gezogen
habe, mir keine Sprüche anhören musste. Ich war mehr oder weniger unsichtbar
und irgendwann fand ich den Mut, diese Unsichtbarkeit abzuschütteln.
Nicht, dass ich eines Tages aufgewacht bin und
meine Jeans in den Müll geschmissen habe. Es war vielmehr ein schleichender
Prozess, der wohl damit anfing, dass ich mir statt einer Hose einen Rock anzog.
Dann kam die Zeit, in der ich nur noch Röcke und Kleider getragen habe, dann
kam der Winter, in dem mir irgendwann so kalt war, dass ich mir dann doch
lieber eine Hose anzog – aber eine mit Schottenmuster. Nach und nach
verschwanden die alten Zeichentrickfiguren-Shirts (obwohl ich die manchmal immer noch als
Pyjama benutze).
Okay, irgendwann sollte dieser Eintrag zum
Punkt kommen, ich erinnere mich aber nicht mehr, was der Punkt ist.
Die Reise, genau. Ich fand es irgendwie
lustig, beim Aufräumen genau die Entwicklung sehen zu können, die ich in den
letzten Jahren was Persönlichkeit betrifft durchgemacht habe, diese Entwicklung
vom totalen Mauerblümchen hin zu… na ja, ich bin definitiv kein Partymensch und
werde wohl nie gerne im Mittelpunkt stehen, aber unsichtbar bin ich nicht und
ich habe auch keine Angst mehr, etwas Auffälliges zu tragen, wie eben meine
Schottenmusterhose oder gestreifte Overknee-Strümpfe oder meinen heißgeliebten
knallgelben Wintermantel.
Dass man diese Entwicklung in meinem
Kleiderschrank sehen kann – das war der Punkt, glaube ich.
Schöne Träume!
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03.09.2013
Katzenskelett
Ich war im Stress, tut mir leid, dass ich mich
nicht gemeldet habe. In den letzten Wochen war ich damit beschäftigt, das Chaos
in meinem Zimmer zu beseitigen, außerdem habe ich mich mit Freunden getroffen
und meiner Mama geholfen, das mit der Katze auf die Reihe zu kriegen.
Wir kriegen aber nichts auf die Reihe.
Vor einer Stunde kam Mama zu mir ins Zimmer und
meinte, wir müssten mal über die Katze reden. Morgen fahren meine Eltern mit
Grover zum Tierarzt – bis jetzt haben wir ihn jeden Tag ganz brav mit dem
Insulin versorgt, aber es bringt nichts. Der Blutzuckerspiegel ist zu hoch, er
nimmt nur noch ab und auch wenn er nicht länger ständig miaut, weil er Hunger
hat, geht es ihm beschissen. Er wiegt nur noch 2,5 Kilo. Der Tierarzt meinte,
das Gewicht eines Katzenskelettes beträgt durchschnittlich zwei Kilo. Das heißt,
seine komplette Muskulatur wiegt nur noch ein halbes Kilo. Meine Katze besteht aus
Skelett und Fell, sonst nichts.
Es gibt eine letzte Möglichkeit, eine letzte
Erklärung dafür, dass das Insulin nicht funktioniert, denn es könnte so sein,
dass er die falsche Art von Insulin bekommt. Anscheinend gibt es zwei
Varianten. Ich frage mich aber, wieso es der Tierarzt nicht schon vorgeschlagen
hat, die zweite Variante mal auszuprobieren. Hat er einfach nicht daran
gedacht? Oder meint er, auch das wird nichts bringen?
Mama hat mich gefragt, ob ich es sofort wissen
will, wenn sie und Papa sich dafür entscheiden, die Katze einschläfern zu
lassen, oder ob ich es erst erfahren möchte, nachdem es schon passiert ist. Meine
Antwort bestand daraus, dass ich in Tränen ausbrach.
Wenn ich hier irgendwann hinschreibe, er ist tot, dann wisst ihr, wen ich
damit meine.
(Ich verspreche aber, dass mein nächster Eintrag
etwas fröhlicher sein wird. Ich gebe mir Mühe, ich weiß schon, worüber ich
schreiben möchte, aber es wird vielleicht noch ein wenig dauern, weil mir nach
diesem Gespräch mit meiner Mama nicht mehr danach ist.)
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Traurigkeit
14.08.2013
Sachen, die wir nicht gemacht haben
- Wir sind nicht am Sonntagmorgen in den Englischen Garten gegangen, um dort in der Kühle (die immer noch heiß ist) ein paar Stunden mit Lesen und Schlafen zu verbringen.
- Wir haben weder Badminton noch Volleyball gespielt, dabei waren wir uns im Juli doch so sicher, dass wir beides tun würden.
- Wir haben weder Innsbruck noch Würzburg noch Augsburg noch Nürnberg noch Heidelberg noch Regensburg noch irgendeine Burg besucht.
- Wir haben keine Ausflüge zu viert gemacht.
Unser Familienleben steht zurzeit etwas unter Druck.
Etwas?
Gewaltig.
Unsere Katze – meine süße, doofe, kleine
Lieblingskatze, die auf meinem Kopfkissen und den Heften mit meinen Geschichten
schläft und über meinen Schreibtisch spaziert, wenn ich versuche zu studieren –
diese Katze, Grover, ist vor kurzem an Diabetes erkrankt und der Tierarzt hat
nur eine Sache angemerkt, über die man positiv sein kann, und zwar dass er in
der letzten Woche nur ein halbes Kilo abgenommen hat. Uns bleiben nur drei Kilo
einer Katze übrig.
Grover bekommt Insulin gespritzt, zweimal
täglich, aber bis jetzt scheint das völlig überflüssig zu sein, denn sein
Blutzuckerspiegel ist immer noch zu hoch und daran hat sich auch nach Erhöhung
der Insulindose nichts geändert. Er hat ständig Hunger und ist langsam, fast
schläfrig. Zweimal haben wir schon gedacht, es geht ihm so schlecht, er
überlebt das Wochenende nicht.
Mama ist mit der kranken Katze ganz alleine. Sie
muss ihm seine Spritzen geben, ihm beim Essen zusehen, dafür sorgen, dass er
weder zu viel noch zu wenig isst. Gleichzeitig muss sie arbeiten, ihre
Dissertation schreiben, für den Haushalt sorgen und abends ohne Papa einschlafen.
Krise – also brechen mein Bruder und ich unseren Urlaub in München ab und
fahren am Samstag nach Hause, um Mama zu unterstützen. Papa muss hier in
München noch arbeiten.
Wieso entspricht die Realität nie unseren
Erwartungen? Ich hatte mir den Sommer hundertmal schöner vorgestellt. Das einzige
Unschöne hätte sein sollen, dass Mama nicht jede Woche zu uns nach München
kommen konnte. Stattdessen war das einzige Schöne unser Festivaltag, den wir eigentlich
zu viert hätten genießen sollen. Dass ich Camp NaNoWriMo geschafft habe war
auch nicht schlecht.
Klar gab es schöne Momente – aber ich habe in
den letzten Wochen so oft geweint, Angst wegen meiner Katze gehabt, mir Sorgen
um meine Mama gemacht, das Schicksal verflucht, weil es uns den schönen Familienurlaub
unmöglich gemacht hat, dass alle tollen Momente in den Hintergrund rücken,
sobald sie vorüber sind.
Und dann fragt sich Papa immer noch, wieso ich
mich an ihn kuschele, wenn er abends nach der Arbeit endlich wieder da ist. Gestern
hat er mir wortwörtlich gesagt: „Das wundert mich, weil du doch schon achtzehn
bist.“
Du musst mich trösten, hörst du. Da ist mein
Alter doch scheißegal.
Es macht mich unendlich traurig, dass keine
meiner schönen Vorstellungen Wahrheit geworden ist. Wieso ist im realen Leben
nichts so toll wie in meiner Fantasie? Ich würde so gern jeden glücklich sehen.
Im Moment ist wohl niemand so richtig glücklich.
Die Realität kotzt mich an.
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12.08.2013
Tag! III
Ich habe wieder einen Blogaward bekommen,
danke an das kleine Nichts! :) Da ich diesen Award schon mal bekommen habe und den damals schon nicht
wirklich weiter verleihen konnte, versuche ich es diesmal erst gar nicht und
beantworte nur die fünf Fragen. Ich hoffe, das ist okay.
1. Auf
welches Konzert würdest du gerne gehen? Ich bin grade
voll in Konzertstimmung, da ich ja vor drei Tagen auf einem Festival war, und
ich würde die Ärzte schon gerne nochmal sehen, diesmal mit besseren
Songkenntnissen. Editors nochmal wäre auch nicht schlecht, außerdem kommen
Thirty Seconds To Mars bald nach Europa und ich hoffe soooo sehr,
dass Tokio Hotel irgendwann wieder anfangen zu touren. Fall Out Boy würde ich
auch ganz gerne live sehen.
2. Was bewegt dich gerade? Alles. Musik hauptsächlich. Glückliche Momente. Ich bin ständig auf der Suche nach dem Glücksgefühl und finde das im Schreiben, in der Musik, in Büchern. Dabei bin ich im Allgemeinen ein sentimentaler Mensch, also sobald irgendwas schön ist, fange ich an zu weinen oder wie ein Kaninchen in der Wohnung rumzuhüpfen.
3. Welche Jahreszeit gefällt dir am besten und wieso? Schwierig. Ich würde sagen, ich mag die letzten Frühlingswochen und die ersten Sommertage und die Mitte des Herbstes (sagt man das so?) und die Momente im Winter, wo es schneit.
2. Was bewegt dich gerade? Alles. Musik hauptsächlich. Glückliche Momente. Ich bin ständig auf der Suche nach dem Glücksgefühl und finde das im Schreiben, in der Musik, in Büchern. Dabei bin ich im Allgemeinen ein sentimentaler Mensch, also sobald irgendwas schön ist, fange ich an zu weinen oder wie ein Kaninchen in der Wohnung rumzuhüpfen.
3. Welche Jahreszeit gefällt dir am besten und wieso? Schwierig. Ich würde sagen, ich mag die letzten Frühlingswochen und die ersten Sommertage und die Mitte des Herbstes (sagt man das so?) und die Momente im Winter, wo es schneit.
Den Winter kann ich am wenigsten leiden, weil
mir so schnell kalt ist und mich die Dunkelheit deprimiert. Herbst ist mir zu
grau, ich mag aber die Bäume und den Moment mitten im Herbst, wo man sich
plötzlich umschaut und sieht, dass alle Blätter sich verfärbt haben. Im Sommer
mag ich das Gefühl der Freiheit, dass ich keine Jacke tragen oder gar mitnehmen
muss, wenn ich aus dem Haus gehe.
Vor allem mag ich aber den Frühling, wenn
alles anfängt grüner und heller zu werden, wenn es wieder junge Tiere gibt und
ich nicht im Dunklen aufstehen muss. Da verschwindet dann endlich dieses trübe
Wintergefühl.
4. Wo wärst du jetzt gerne? Irgendwo mit meinen Freunden auf einer Festivalwiese, gute Musik im Hintergrund und ganz viel Sonnenschein. (Jaaaa, ich bin grade festivalsüchtig, tut mir leid, ich kann einfach nicht aufhören, davon zu schwärmen.)
5. Dürfen Vegetarier Mücken erschlagen? Natürlich dürfen sie das.
4. Wo wärst du jetzt gerne? Irgendwo mit meinen Freunden auf einer Festivalwiese, gute Musik im Hintergrund und ganz viel Sonnenschein. (Jaaaa, ich bin grade festivalsüchtig, tut mir leid, ich kann einfach nicht aufhören, davon zu schwärmen.)
5. Dürfen Vegetarier Mücken erschlagen? Natürlich dürfen sie das.
Erstens bedeutet „vegetarisch“ im Grunde
genommen nur, dass man weder Fleisch noch Fisch isst, das hat mit Insekten gar
nichts zu tun. Ich würde zwar keine Insekten essen, aber das ist hauptsächlich nur,
weil ich die eklig finde. Manche Leute finden, das Boykotten von Lederwaren
gehört auch dazu – muss aber nicht sein, meiner Meinung nach. Das kommt
natürlich schon ein wenig auf den persönlichen Grund an, weswegen man
Vegetarier ist.
Ich zum Beispiel bin Vegetarierin, weil ich
die intensive Tierhaltung und Fischerei schrecklich finde. Ich mag halt den
Gedanken nicht, dass ich indirekt zu dieser Intensivtierhaltung beitragen
würde, wenn ich deren Produkte kaufen und essen würde. Dann wäre es natürlich
möglich, biologische Produkte zu kaufen, aber ich finde, um irgendwie Bewusstsein
bei den Leuten zu schaffen, sollte man komplett auf Fleisch und Fisch
verzichten. (Außerdem finde ich Schweine einfach zu putzig. Ich liiiebe
Schweine, und zwar lebendige.) Das hat eben auch nichts mit Mücken zu tun.
Zweitens sind Mücken Ungeziefer, können
Krankheitsüberträger sein und allergische Reaktionen auslösen – das heißt, sie
können gefährlich sein. Da hat jeder das Recht, sie zu erschlagen. Vegetarier zu
sein bedeutet nicht, Mitleid mit jedem einzelnen Tier zu haben oder sich aktiv
für Tierrechte einzusetzen oder sich irgendwo im Regenwald an einen Baum zu
ketten, um den Lebensraum der Chamäleons zu schützen. Es bedeutet einfach nur,
dass man aus welchem Grund auch immer auf Fleisch und Fisch verzichtet.
Aber wie immer gilt: wenn man den Gedanken nicht ertragen kann, dann muss man ja nicht. Wer meint, als Vegetarier keine Mücken erschlagen zu dürfen, der muss auch gar keine Mücken erschlagen. Ich finde es nur ätzend, wenn Leute anderen Menschen so etwas vorschreiben. Du darfst das nicht, weil... Hör bloß auf. Wenn es nicht irgendwie gesetzlich festgelegt ist, was man darf und nicht darf, dann ist das eine individuelle Entscheidung. Meine ist, dass Vegetarier durchaus Mücken erschlagen dürfen.
Aber wie immer gilt: wenn man den Gedanken nicht ertragen kann, dann muss man ja nicht. Wer meint, als Vegetarier keine Mücken erschlagen zu dürfen, der muss auch gar keine Mücken erschlagen. Ich finde es nur ätzend, wenn Leute anderen Menschen so etwas vorschreiben. Du darfst das nicht, weil... Hör bloß auf. Wenn es nicht irgendwie gesetzlich festgelegt ist, was man darf und nicht darf, dann ist das eine individuelle Entscheidung. Meine ist, dass Vegetarier durchaus Mücken erschlagen dürfen.
Schöne Träume!
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11.08.2013
Ein Kopf voller Musik
Vorgestern war das Taubertal-Festival. Ich wollte
eigentlich schon gestern darüber berichten, aber ich war einfach zu müde. Das heißt
aber schon, dass das Festival geil war. :D
Wir sind am Donnerstag schon in Rothenburg ob
der Tauber angekommen, damit wir eine ruhige Nacht im Hotel verbringen und dann
am Freitagmorgen noch ein wenig durch die Stadt wandern konnten, bevor es dann
mit dem Festival losging. Wir hätten zu viert sein sollen, meine Eltern, mein
Bruder und ich, aber meine Mama konnte leider nicht aus den Niederlanden weg
und somit waren wir zu dritt. Das war schon ziemlich schade. Ich hatte mich
darauf gefreut, endlich mal wieder etwas zu viert zu unternehmen, und das hat doch
nicht geklappt.
So gegen drei Uhr mittags fing es dann an, wir
befanden uns auf dem Konzertgelände. Es sah schon wunderschön aus, das Festival
heißt nicht ohne Grund Taubertal, denn es findet tatsächlich in einem Tal statt
und ist komplett von Bäumen und Hügeln umgeben.
Mein Bruder mag keinen Lärm. Wieso er mit aufs
Festival wollte, werde ich wohl nie verstehen, aber jedenfalls hat er sich ganz
oben in eine Ecke zurückgezogen und von dort aus das ganze beobachtet, wo die
Musik nicht so laut war. Mein Papa und ich haben uns eher vorne hingesetzt, auf
dem Teil des Geländes, der etwas höher war als der Rest. Ich konnte sogar die Bühne
ganz gut sehen.
Als die erste Band (Intronomic, hieß sie)
angefangen hat zu spielen, standen nur so dreißig Leute vorne bei der Bühne. Die
Band tat mir total leid, man hat ihnen angesehen, dass sie voll nervös waren,
außerdem war es ihr erster großer Auftritt, soweit ich das mitbekommen habe. Und
dann spielten sie vor einem so kleinen Publikum. Der Sänger hat irgendwann
versucht, sie zum Mitsingen zu bewegen, aber das hat er nicht geschafft. Ich fand
die Band gar nicht so schlecht, sie wirkten halt nur so schüchtern und nicht
besonders überzeugend. Bei den letzten Songs wurde es etwas besser, da haben
sie sich endlich getraut, etwas lauter zu spielen. Trotzdem habe ich jetzt
schon wieder vergessen, was für Musik sie gespielt haben.
Die zweite Performance des Tages war von
Jennifer Rostock. Ich kannte nur den Namen und irgendwie habe ich mir immer
eine süße Singer-Songwriterin vorgestellt, ich war total geschockt, als sich
herausstellte, dass es sich um eine Rockband handelte. Sie waren aber richtig
gut. Tolle Songs, sehr professionell, voller Energie. Da konnte man nur mit dem
Kopf wippen und grinsen, weil es einfach überdeutlich war, dass es ihnen Spaß machte,
auf der Bühne zu stehen und zu spielen. Ich kaufe mir mal ein Album von denen.
Die dritte Band habe ich nicht ganz
mitgekriegt, weil die richtig langweilig waren. Ich habe im Internet ein paar
Kommentare über die Band gelesen (… Trail Of Dead) und die haben sie alle
gelobt, aber ich fand sie langweilig. Sie haben irgendwie die ganze Zeit
denselben Song gespielt, so hat es sich zumindest angehört, und die Gitarre war
ganz wichtig und ab und zu hat der Sänger zwei Sätze gesungen. Es waren keine
richtigen Lieder, nur Gitarrensound. Sogar mein Bruder fand sie langweilig und
der steht auf solche laute, nicht unbedingt melodiöse Musik.
Der vierte Auftritt war der, auf den mein Papa
sich wie ein kleines Kind gefreut hat. Editors. Sie sind zurzeit seine
Lieblingsband und er hört sie ständig, im Auto, zu Hause, beim Kochen, bei
allem einfach. Ich mag sie auch, ihre Lieder sind schön und der Sänger kann
unfassbar gut singen, also haben wir uns beide gefreut und wir standen dann
zusammen im zweiten Fach vor der Bühne, relativ in der Mitte. Gute Aussicht,
aber nicht allzu weit nach vorne, also in Sicherheit. Kein Moshpit in der Nähe.
Die Band war richtig gut. Der Sänger hat alle begeistert
und ich fand den Drummer niedlich, der ist total abgegangen und hat, glaube
ich, nichts mitbekommen außer die Musik. Irgendein angetrunkener Typ stand
hinter uns im Publikum und wusste gar nicht, wie die Band heißt, aber er meinte
irgendwann während des Auftritts: „Ey, super, keine Scheiße, einfach spielen.“
Das stimmt auch so. Die Band redet nur wenig, sie sagten hin und wieder danke,
sie stehen einfach auf der Bühne und machen Musik und reißen die Leute komplett
mit. Ich habe sogar ein wenig getanzt, ein wahres Wunder.
Außerdem war es richtig toll, meinen Papa so
glücklich zu sehen. Ich wusste ja, dass er Musik liebt, aber wir waren noch nie
zusammen auf einem Konzert (wieso eigentlich nicht?) und es hat mich gefreut,
dass er total entspannt war und es offensichtlich genossen hat, die Band live
zu sehen.
| Editors. Gitarrist, Sänger und Bassist. |
Der Abschluss des Abends waren die Ärzte. Es hat
mich umgehauen, wie viele Leute plötzlich auf der Wiese standen, das hätte ich
nie erwartet, wirklich alle Festivalbesucher waren da. Und alle haben
mitgebrüllt, alle waren unfassbar textsicher. Bei keiner niederländischen Band
würde ein Festivalpublikum jeden einzelnen Song mitsingen können, da bin ich
mir sicher, so was gibt es bei uns einfach nicht.
Es war unbeschreiblich. Ich kannte nur ein
paar Songs und trotzdem habe ich die zwei Stunden genossen. Sie waren auch
total professionell, haben zwischendurch Witze gemacht und miteinander geredet,
als wäre das komplett normal auf einer Bühne während einer Performance, und
dann folgten wieder ein paar Lieder. Es war klar, dass die Bandmitglieder sich
schon seit Ewigkeiten kennen. Oft brauchten sie sich nicht mal anzuschauen, um
trotzdem gleichzeitig mit dem Spielen anzufangen.
Und ich habe schon seit Freitag den Ohrwurm: Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist
wie sie ist, es wäre nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.
Alles in allem: Taubertal war der Wahnsinn!
Schöne Träume :)
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05.08.2013
18.07.2013
Atelophobie
Heute kommt er endlich, ziemlich verspätet,
aber (wie ihr sehen werdet) immer noch relevant: mein Eintrag über Pinkpop.
Die Musik war super. Meine persönlichen Highlights waren Thirty
Seconds To Mars, Green Day und Puggy. Außerdem fand ich
Paramore richtig gut und ich glaube, ich werde mir mal ein Album von The
Killers kaufen. Und ich hab die Autogramme von Thirty Seconds To Mars. Ich hab
mich eigentlich immer gefragt, was denn an Autogrammen so toll ist, aber ich
verstehe es jetzt. Es ist irgendwie ein Beweis dafür, dass es diese Leute
tatsächlich gibt, dass diese Band nicht bloß Beats aus einem Computer sind,
sondern Künstler, die man treffen kann und mit denen man reden könnte, wenn sie
nicht ständig auf Trab wären.
Ein Festival ist etwas ganz anderes als ein „normales“
Konzert. Ich habe jetzt entdeckt, dass ich so eine Festivalwiese bevorzuge, weil
es einfach viel freier ist. Die Luft wird nie stickig, man kann sich immer
irgendwo hinsetzen und trotzdem noch die Musik hören, es gibt große
Bildschirme, sodass man auch noch etwas sehen kann, wenn man nicht in den
ersten drei Reihen steht, und man kann die Sonne genießen, zumindest wenn sie
scheint. Und wir hatten richtig schönes Wetter. Geregnet hat’s nur einmal und
ganz kurz, und dann gab es einen Regenbogen. :D
Was mich aber noch mehr beeindruckt hat als
der Regenbogen, das waren die Menschen. Nicht bloß weil es so viele waren,
sondern vor allem weil sie so menschlich waren.
Atelophobie heißt Angst davor, imperfekt oder
nicht „gut genug“ zu sein, und ich kenne das Gefühl schon, seit ich weiß, dass
andere Leute etwas von mir erwarten könnten. Das bezieht sich nicht nur auf
schulische Leistungen, sondern auch auf „körperliche“. Dank Werbeplakaten,
Zeitschriftencovers und Co. mache ich mir immer Sorgen darüber, dass ich nicht
wie ein in Photoshop bearbeitetes Bild aussehe.
Und dann … Pinkpop.
Und dann so viele Leute, denen das so
unglaublich scheißegal war, oder zumindest sahen sie so aus, weil sie mit den
hässlichsten Frisuren, peinlichsten Klamotten, haarigsten Beinen, richtig
schlecht gezeichneten Tattoos und fetten Pickeln im Gesicht auf der Wiese
standen und beim Mitbrüllen keinen einzigen Ton trafen und komplett aus dem
Takt zur Musik tanzten und einfach solchen Spaß am Leben hatten, dass sie
irgendwie schön waren.
Es war eine Erleichterung zu sehen, dass
Menschen nicht wie Werbeplakate sind. Ich fühle mich in meinem eigenen Körper
plötzlich nicht mal so schlecht.
Schöne Träume!
NaNo-Wortanzahl:
24319.
__
01.07.2013
Tag! II
Ich wurde getaggt und zwar von Utopie,
danke dafür!
1. Die Person, die dir den Award gegeben hat, verlinken.
2. Zeige den Award auf deinem Blog.
3. Erzähle fünf Dinge über dich.
4. Beantworte die fünf Fragen der Person.
5. Stelle selber fünf Fragen und verleihe den Award an fünf andere Blogger.
6. Zurücktaggen ist nicht erlaubt.
3. Erzähle fünf Dinge über dich.
4. Beantworte die fünf Fragen der Person.
5. Stelle selber fünf Fragen und verleihe den Award an fünf andere Blogger.
6. Zurücktaggen ist nicht erlaubt.
Fünf
Dinge über mich:
1. Ich bin grade in Deutschland und fühle mich nicht einmal schuldig
darüber, dass ich die Leute ständig belausche, weil ich einfach möglichst viel
von der Sprache aufschnappen möchte. Auch wenn meine Lehrer sich sicherlich
nicht darüber freuen werden, wenn ich plötzlich Bairisch spreche.
2. Ich habe mir aus Frankreich einen üblen Sonnenbrand mitgebracht und
mir juckt deswegen ständig der Rücken, knapp über dem Hosenbund, sodass ich
meinen Rock jetzt tiefer tragen muss, als mir lieb ist.
3. Ich nehme diesen Sommer wieder an Camp NaNoWriMo teil, das heißt, dass
ich versuche, 50.000 Wörter in einem Monat zu schreiben. Heute hat es
angefangen – wünscht mir Glück!
4. Heute bin ich zum ersten Mal in meinem Leben in einen Waschsalon
gegangen. Die Wohnung in München, die mein Papa für den Sommer gemietet hat,
hat keine Waschmaschine.
5. Ich liebe Apfelschorle.
Die
fünf Fragen:
1. Gibt
es eine Person, die alles über dich weiß? Ich glaube
nicht… Ich weiß selbst nicht mal alles über mich.
2. Was
müsste heute noch passieren damit du richtig glücklich bist? Ich hätte gerne einen Milchkaffee und wenn ich dann noch weitere 1000
Wörter schreibe, bin ich glücklich.
3. Magst
du deine Heimat? Ja und nein. Einerseits mag ich sie,
weil ich mich dort auskenne und mich schöne Erinnerungen mit ihr verbinden. Andererseits
bin ich immer auf der Suche nach neuen „Heimaten“, ich möchte reisen, die ganze
Welt sehen, mal was ganz anderes erleben.
4. Wann
& warum warst du das letzte Mal so richtig glücklich? So richtig glücklich war ich, als ich heute Morgen mit meinem Papa einkaufen
gegangen bin und die Sonne schien. Mehr habe ich in dem Moment nicht gebraucht,
um glücklich zu sein, als ein wenig Sonnenschein und frische Luft und einen
Supermarkt.
5. Was
wäre das beste Geburtstagsgeschenk für dich? Eins,
worüber sich die Leute wirklich Gedanken gemacht haben. Ich bin da nicht
wählerisch, ich finde nur so Gutscheine immer ein wenig unpersönlich.
Meine
fünf Fragen:
1. Was möchtest du in deinem Leben unbedingt erreichen?
2. Was ist dein Lieblingsbuch (und wieso)?
3. Magst du deine Eltern?
4. Was befindet sich grade in deiner Tasche?
5. Wo gehst du am liebsten einkaufen?
Jeder, der vorbeikommt, kann sich getaggt fühlen!
So und jetzt gibt es bei mir tatsächlich
Milchkaffee, ich verschwinde also und wünsche euch schöne Träume!
NaNo-Wortanzahl:
1115.
__
27.06.2013
Human connect to human
Ich bin grade auf einer Konferenz in
Südfrankreich. Na ja, ich bin nicht wirklich wegen der Konferenz hier,
sondern ich bin hier, weil mein Papa auf diese Konferenz und ich Urlaub in einem
schön warmen Land wollte. An der Mittelmeerküste in Südfrankreich also. Es ist
hier tatsächlich sehr warm, auch wenn der Wind vom Meer her durch die Stadt
weht und dadurch gefühlsmäßig die Temperatur etwas niedriger ist. Immer noch
warm, aber nicht glühend heiß.
Manchmal bekommt man eine Frage gestellt und
weiß erst, wenn man schon geantwortet hat, dass die Antwort richtig war. Heute wurde
mich gefragt, wieso ich mit auf die Konferenz gekommen bin, wenn es doch
wirklich nicht mein Thema ist. Ich habe geantwortet, dass man auf diesen
Konferenzen immer mit interessanten Leuten in Kontakt kommt und ich mag es,
neue Leute kennenzulernen und mit ihnen zu reden. Erst als ich diese Antwort aussprach,
wurde mir klar, dass sie stimmt.
Ich habe zum Beispiel mit einem Herrn
gesprochen, der schon in Rente ist und trotzdem oft auf Konferenzen geht. Anfangs
hat er mich ein wenig eingeschüchtert, weil er schon siebzig oder sogar älter
ist und sehr präzise, sehr direkte Fragen stellt. Er hat so ein altes Gesicht
mit scharfen Augen, die jedes kleine Detail zu sehen scheinen. Gestern habe ich
rausgefunden, dass er eigentlich sehr freundlich ist. Er hat tatsächlich ein Auge
für Details, aber auf gute Art und Weise. Er hat mich darauf aufmerksam
gemacht, dass es hier auf dem großen Platz in der Stadt keine Kirche gibt,
sondern eine Oper – irgendwie komisch und gleichzeitig typisch, man könnte
sagen symbolisch.
Außerdem habe ich gestern einen Autor getroffen.
Eine Kollegin meines Vaters kannte einen weiteren Kollegen, der neben seinem „normalen“
Job an der Universität Bücher schreibt und auch schon veröffentlicht wurde. Er hat
Fantasy und Sci-Fi geschrieben, manchmal sogar eine Mischung von diesen beiden
Genres. Ich hatte noch nie von ihm gehört, aber ich werde mir mal ein Buch von
ihm kaufen.
Wir haben übers Schreiben gesprochen und er
hat mir Tipps gegeben, wie man beim Schreiben vorgehen könnte und vor allem,
wenn man veröffentlicht werden möchte. Er hat mir erzählt, wie es in einem
Verlag aussieht und wie man Verlage am besten ansprechen kann. Dann haben wir über
die Psychologie geredet, weil ich ihm erzählte, dass ich Psychologie studiere,
und irgendwann sogar über Politik und die Lage in der Türkei und in Rio de
Janeiro. Er hat mir das Gefühl gegeben, dass ich mitreden kann, dass ich
tatsächlich etwas hinzufüge, wenn ich meine Meinung ausspreche. Ich habe etwas
über die Französische Revolution und Kants Ansichten gesagt, er hat das
weitergeführt, wir haben darüber ein wenig diskutiert. Es war eine gute
Diskussion, er ist nie davon ausgegangen, dass seine Argumente besser waren als
meine, bloß weil er älter ist.
Ich fand ihn schon irgendwie einen sehr
typischen Autor. Er hat sehr gerne über sich selbst und seine Bücher
gesprochen, wirkte manchmal ein wenig überheblich, er war sehr gebildet und sehr
ruhig, ein wenig zurückgezogen. Ich weiß jetzt nicht, inwiefern ich selbst
diesem Bild entspreche, aber ich denke, wenn sich Leute einen Autor vorstellen,
dann stellen sie sich so einen wie ihn vor. Auf jeden Fall war es ein tolles
Gespräch und ich habe mich gefreut, dass er meinte, ich sollte doch einfach mal
einen Verlag ansprechen. Er hat mich quasi dazu angespornt, diesen Traum von
Veröffentlichung in die Tat umzusetzen, und das fand ich großartig.
Ich hoffe, ihr hattet alle einen so schönen
Abend wie ich!
__
23.06.2013
Sommerglück
Was ich an Sommerabenden mag, ist, dass ich
keine Jacke mitzunehmen brauche, wenn ich mal aus dem Haus gehe. Ich bin grade
in Frankreich und war am Freitag in München, wo ich den ganzen Tag in meinem
Lieblingssommerkleid rumgelaufen bin, sogar noch nach dem Abendessen, das bis
elf Uhr dauerte, weil wir mit einer Gruppe unterwegs waren. Der Geruch von
Hitze lag noch in der Luft, es war kühl aber nicht kalt, der Himmel färbte sich
schwarzblau. Sterne konnte ich keine sehen, wegen der Straßenbeleuchtung, aber
trotzdem war es wunderschön.
Im Sommer sind wir ehrlich zueinander. Ich saß
heute mit meinen Eltern auf der Terrasse hinter einer Pizzeria; wir haben noch
ganz ruhig um viertel nach neun Pizza gegessen, das ist in Frankreich völlig
normal. Meine Mama meinte, in Spanien machen die Restaurants eh erst um neun
oder halb zehn auf. Und wir haben geredet. Über den Urlaub in Argentinien vor
acht Jahren, ein richtiges Abenteuer, und über uns als Familie.
Aus irgendeinem Grund fiel es uns nicht schwer,
Sachen auszusprechen, die wir zu Hause nur andeuten würden, weil es uns
peinlich wäre, so offen darüber zu reden. Meine Eltern besprachen, inwiefern
sich ihre Erziehungsmethoden voneinander unterscheiden, und was mein Papa an
der Methode meiner Mama nicht mag und andersrum, und dann besprachen wir mich
und meinen Bruder und unsere Eigentümlichkeiten, und alles war in Ordnung.
Ich bin müde und muss morgen wieder früh aufstehen,
denn wir fahren morgen weiter in den Süden, nächste Woche verbringen wir an der
französischen Mittelmeerküste. Trotzdem wollte ich euch mal kurz mitteilen,
dass es mir gut geht, sehr gut sogar! Pinkpop war schön, dem widme ich noch mal
einen Eintrag, aber nicht heute, und ich wurde getaggt, danke dafür, freut mich
total! :) Der Eintrag kommt also auch noch.
Ich wünsche euch aus Frankreich schöne Träume!
__
27.05.2013
Auch ohne Sonnenschein
Vor weniger als fünf Minuten habe ich meinen Wohnheimantrag fürs Wintersemester 2013/14 an der Universität Hamburg verschickt. Ich bin so aufgeregt, Leute. Das Auslandsemester kommt immer näher, jetzt geht’s richtig los mit dem ganzen Papierkram und hoffentlich fahre ich dann im Oktober nach Hamburg und erlebe das Semester meines Lebens. :D
Ich versuche aber, mir möglichst wenig Vorstellungen davon zu machen, weil ich weiß, dass es eh ganz anders kommt als gedacht – ich habe ja im Grunde genommen keine Ahnung, wie es dort sein wird, und ich möchte wirklich nicht enttäuscht werden, aber egal. Ich freue mich.
Ich freue mich jetzt einfach auf den Sommer. Nur noch ein paar Klausuren, nur noch ein paar Wochen, und dann stehen die schönen Sachen des Lebens schon vor der Tür. Ich habe mir (und euch) eine Liste gemacht:
Irgendwie kann ich mich nicht so ganz auf meine Klausuren konzentrieren. Wundert mich echt, ich frag mich wieso… Hmmm…. Vielleicht habt ihr eine Ahnung?
Ich bin grade so glücklich. Auch wenn das Wetter relativ scheiße ist und wir heute ausnahmsweise mal wieder Sonne hatten.
Küsschen und Glück für alle! :D
Ich versuche aber, mir möglichst wenig Vorstellungen davon zu machen, weil ich weiß, dass es eh ganz anders kommt als gedacht – ich habe ja im Grunde genommen keine Ahnung, wie es dort sein wird, und ich möchte wirklich nicht enttäuscht werden, aber egal. Ich freue mich.
Ich freue mich jetzt einfach auf den Sommer. Nur noch ein paar Klausuren, nur noch ein paar Wochen, und dann stehen die schönen Sachen des Lebens schon vor der Tür. Ich habe mir (und euch) eine Liste gemacht:
- Pinkpop, eins der größten Musikfestivals der Niederlande. Headliners: Green Day, 30 Seconds to Mars und Paramore. (Ieeeeh!)
- München, zwei Monate (Juli und August). Genau wie letztes Jahr in England irgendwie, mein Papa hat ein Fellowship von der Uni München bekommen. Das heißt, er arbeitet jetzt für ein halbes Jahr dort und wir dürfen dann im Sommer mit nach München und haben dort eine kleine Wohnung.
- Montpellier, eine Woche, Ende Juni. Meine Eltern gehen auf eine Konferenz in Frankreich und ich darf mit, nicht wegen der Konferenz, sondern einfach weil es Spaß macht und ich dann eine Woche Urlaub in Frankreich hab, richtig Urlaub, weil die zwei Monate in München irgendwie kein richtiger Urlaub sind.
- Taubertal, ebenfalls ein Musikfestival, diesmal in Deutschland. Wir werden die Editors und die Ärzte sehen, Leute. WIE GEIL IST DAS DENN. Ich könnte kreischen. (Das hab ich übrigens auch gemacht, als mein Papa mal ganz nebenbei erwähnte, dass nicht nur die Editors, sondern auch die Ärzte auftreten.)
- Camp NaNoWriMo. Genau wie letztes Jahr hoffe ich auch dieses Jahr da mitzumachen und 50.000 Wörter in einem Monat zu schreiben. Ich weiß jetzt nicht so genau, ob das auch wirklich klappen wird, weil es im Juli ist und da irgendwie mehr Sachen anstehen als letztes Jahr im August. Außerdem habe ich noch keine Ahnung, was für eine Geschichte ich dann schreiben will. Also vielleicht mach ich mit, vielleicht aber auch nicht. Mal sehen.
- Oktober: Hamburg.
- November: Hamburg.
- Dezember: Hamburg / München (weil mein Papa dann immer noch in München ist.)
- Januar: Hamburg.
- WHAAAAAAAAAAAAA.
Irgendwie kann ich mich nicht so ganz auf meine Klausuren konzentrieren. Wundert mich echt, ich frag mich wieso… Hmmm…. Vielleicht habt ihr eine Ahnung?
Ich bin grade so glücklich. Auch wenn das Wetter relativ scheiße ist und wir heute ausnahmsweise mal wieder Sonne hatten.
Küsschen und Glück für alle! :D
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05.05.2013
Die Zweifel eines pubertierenden Mädchens
Manchmal frage ich mich wirklich, ob es die
richtige Entscheidung war, Psychologie zu studieren. Ich habe ab und zu das Gefühl,
dass ich dadurch irgendwie unglücklicher geworden bin, und ich war nach dem
Gymnasiumabschluss schon nicht ganz so glücklich.
Der Punkt ist, dass ich tatsächlich Einsicht
in mein eigenes tägliches Funktionieren bekomme. Und manchmal kann ich damit
einfach gar nicht umgehen. In einem meiner Kurse besprechen wir grade die
Entwicklungen in der Pubertät und das ist so ein komisches Gefühl, diese
wissenschaftlichen Theorien zu lesen. Die Wissenschaftler argumentieren und
philosophieren über diese Phase und ich stecke noch mittendrin; die sitzen
irgendwie in ihrem Elfenbeinturm und denken sich Erklärungen aus für die
Sachen, die ich täglich spüre. Und manchmal hilft dieses Verständnis und
manchmal eben nicht.
Ein wichtiges Merkmal der Pubertät ist das,
was sie „social reorientation“ nennen, keine Ahnung, wie das auf Deutsch heißt.
Es bedeutet einfach, dass Leute in der Pubertät anfangen, Kontakte mit Altersgenossen
zu knüpfen und weniger Zeit mit ihrer Familie und im Familienhaus zu
verbringen. Sie schließen Freundschaften und verlieben sich, führen eine
Beziehung und machen Schluss. Solche Sachen.
Ich merke es mir selber an, dass ich grade ein
bisschen nervös wurde, als ich das aufgeschrieben habe. Weil ich mich in dieser
Beschreibung gar nicht wiedererkenne. Meine ersten richtigen Freundschaften
entstanden erst an der Uni, da war ich schon siebzehn, und ich habe mich noch
nie ernsthaft verliebt. Ich hab mittlerweile ein wenig Angst, dass ich es
überhaupt nie schaffen werde, mich auf
die Art und Weise auf jemanden einzulassen.
Das muss jetzt keine Mitleidsnummer werden oder
so. Aus meiner Schulzeit ist mir eine einzige Freundschaft erhalten geblieben
und wenn ich ehrlich bin, dann ist das auch logisch, weil ich weiter auch keine
Freunde hatte. Nicht richtig.
Das macht mir Angst. Irgendwie. Ich lese diese
ganzen Theorien über Freundschaft und die Entwicklung von romantischen Gefühlen
und weiß ich was noch, und dass Leute, die in der Pubertät halt keine Freunde
haben und nicht die Chance bekommen, sich zu verlieben und auf jemanden
einzulassen, später Probleme bekommen könnten, was mentale Gesundheit betrifft.
Ich kenne mich mittlerweile damit aus, wie
Freundschaft die Entwicklung des Gehirns beeinflusst, und dann frage ich mich, wie
meins wohl aussieht, das muss doch irgendwie anders sein, weil mir diese
Erfahrungen fehlen.
Heute habe ich einen Artikel gelesen, in dem
verschiedene Ursachen für die Entwicklung von depressiven Episoden in der
Pubertät erläutert wurden. Die Umstände, die dazu beitragen, kamen mir bekannt
vor. Auch das macht mir Angst. Gleichzeitig weiß ich, dass ich diese Störung
nicht haben kann, weil ich mein Leben
lebe und es funktioniert. Ich gehe an die Uni, ich treffe mich mit Freunden,
ich bestehe meine Klausuren und meistens kann ich auch noch lachen und mich
über Sachen freuen. Und dann falle ich wieder in ein Loch und habe Angst und
denke über diese Theorien nach und kann nicht schlafen.
Es könnte auch einfach so sein, dass bei mir
diese Entwicklung später einsetzt als bei anderen. Das könnte zum Beispiel mit
der Tatsache, dass ich zwei Klassen übersprungen habe, zusammenhängen – dass es irgendwie ein Missverhältnis zwischen
meiner sozialen und meiner kognitiven Entwicklung gibt. Das ist durchaus
möglich und könnte vieles erklären. Ist aber auch nicht sonderlich beruhigend, muss
ich sagen.
Fazit. Ich fühle mich mit diesen Themen
ziemlich unwohl und wünsche mir, ich hätte mich für einen Kurs entschieden, der
sich nicht mit der Pubertät auseinandersetzt. Dann hätte ich vieles wahrscheinlich
gar nicht verstanden, aber dann hätte ich mir auch nicht so viele Sorgen gemacht.
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26.04.2013
The Fault in Our Stars
Was ich an meiner besten Freundin (sie ist
meine, auch wenn ich nicht ihre bin. Dieses Detail macht mich grade nicht mal
traurig) mag, ist die Tatsache, dass ich mit ihr einerseits ganz gut über die
kleinsten Sachen reden kann – über Nagellack, Radfahren im Regen und Facebook –
und andererseits auch über die ganz großen Fragen der Philosophie.
Wir reden über den Sinn des Lebens, sie glaubt
nicht an einen Sinn des Lebens, ich würde gerne daran glauben, kann es aber
irgendwie nicht. Wir reden über Menschen und ob sich Leute ändern können, wenn
sie nur wünschen (darüber werde ich ganz sicher noch einen Eintrag verfassen). Und
dann reden wir über die Sims und das Taubenküken auf ihrem Balkon und vergessen,
dass wir über das Universum philosophiert haben. Das alles an einem Tag.
Als Kind denkt man da nicht drüber nach, ob das
Leben Sinn hat, weil die Mama und der Papa da sind, und die lieben einen, und
das reicht. Kein Tag gleicht dem nächsten, weil es immer wieder Dinge gibt,
über die man sich wundern kann. Irgendwann wundert man sich nur noch. Ob es
vorbeigeht. Und wenn ja, ob es dann Sinn gehabt hat. Und ob es, nachdem es
vorbeigegangen ist, wieder Sinn geben kann.
Das sind die Worte von einer Figur aus einer
Geschichte, die ich noch nicht geschrieben habe aber irgendwann vielleicht
schreiben werde. Auf Deutsch, ich weiß also nicht, ob alles stimmt.
Irgendwie hängt der Sinn des Lebens ein wenig
mit der Existenz einer Seele zusammen. Es ist, glaube ich, leichter an einen
Sinn zu glauben, wenn man daran glaubt, dass wir eine Seele haben. Ich bin
nicht religiös und ich wäre auch ein schlechter Philosoph, aber ich denke
relativ oft über diese Sachen nach und bin noch zu keinem Schluss gekommen. Es würde
mich beruhigen, an etwas zu glauben. Aber ich kann es nicht, weil ich dann doch
zu nüchtern dafür bin.
Was diesen philosophischen Eintrag ausgelöst
hat, ist das Buch „The Fault in Our Stars“ von John Green. Es ist ein wunderwunderschönes
Buch und wenn ihr es noch nicht gelesen habt, dann solltet ihr das unbedingt
mal machen. Ich möchte hier nicht allzu viel verraten, weil ein schönes Buch
noch schöner ist, wenn man ohne zu wissen, was man lesen wird, anfängt zu
lesen. Ich möchte hier nur den Absatz zitieren, wo der Titel erklärt wird, weil
das nämlich sonst über die Geschichte nichts verrät (und wenn ihr es nicht
lesen wollt, dann könnt ihr den nächsten Absatz einfach überspringen).
(…) it is the nature of stars to cross, and
never was Shakespeare more wrong than when he had Cassius note, “The fault,
dear Brutus, is not in our stars / But in ourselves.” Easy enough to say when
you’re a Roman nobleman (or Shakespeare!), but there is no shortage of fault to
be found amid our stars.
© John Green, 2012
So. Und jetzt geht und kauft euch dieses Buch
und lest es und ich wünsche euch natürlich wie immer schöne Träume. <3
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